Die NÖN zu Gast bei "Im Weitblick". Waldviertels Redaktionsleiter schildern, wie Corona den Arbeitsalltag verändert hat, was das meist diskutierte Thema war und welche wichtige Aufgabe die NÖN erfüllt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 23. Mai 2020 (15:08)
"Im Weitblick" mit Michael Schwab, Thomas Weikertschläger, Moderator Stephan Rabl, Markus Füxl und Markus Lohninger im Campus Horn
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Die vier NÖN-Redaktionsleiter im Waldviertel konferieren regelmäßig im Newsroom in Vitis – üblicherweise. Allein der Umstand, dass sie sich am Freitagabend (22. Mai) zum ersten Mal seit elf Wochen nicht via Videokonferenz sehen, zeigt: Corona hat die NÖN-Arbeitswelt verändert. Moderator Stephan Rabl weist auf den „analogen“ Charakter des Zusammentreffens im Campus Horn zu Beginn der Online-Sendung „Im Weitblick“ hin.

Elemente wie der Treffpunkt sind im März komplett weggebrochen und die Lokalberichterstattung war von Corona überlagert. Die Rubrik „Darüber spricht NÖ“ hätte man weitgehend über die ganze Zeitung ausweiten können: Man habe über nichts anderes gesprochen, schildert Zwettls NÖN-Chef Markus Füxl.

„Die ganze Organisation war über den Haufen geworfen“, denkt Thomas Weikertschläger (Horn) an die Koordinierung der Mitarbeiter, als ein Termin nach dem anderen ins Wasser fiel. Mitarbeiter haben „in eine neue Rolle hineinwachsen müssen“, ergänzt Michael Schwab (Waidhofen), dass die Telefonrecherche an Bedeutung gewann.

Corona, Betroffene & eine nicht feine Dynamik

Ein Teil der Berichterstattung war das Gespräch mit Personen, die mit Corona infiziert waren: „Was ich berührend gefunden habe, war, dass sie zuerst an die Mitmenschen gedacht haben“, schildert Füxl. Redaktionelle Inhalte wie diese seien aber ein Glücksfall gewesen: Das ergänzt Markus Lohninger, der die Gmünder Redaktion leitet und Chef vom Dienst im Waldviertel ist.

Es sei „extrem schwierig“ gewesen, mit Betroffenen zu sprechen. Sie seien zum Teil beschimpft worden, das habe sie vor Interviews zurückschrecken lassen: „Wir haben einen solchen Fall in Heidenreichstein gehabt.“ Personen in Quarantäne sei es ähnlich ergangen, fügt Weikertschläger hinzu. „Da war schon eine Dynamik dabei, die nicht ganz fein war.“ 

Meist diskutiert: Die "Fremden" im Waldviertel

Das meist diskutierte NÖN-Thema in den Coronawochen war die Bewegungsfreiheit für Zweitwohnsitzer oder urbane Ausflügler: Was dürfen sie und was nicht? Eine „Diskrepanz“ sei entstanden, als verstärkt Wiener oder Sankt Pöltner gesichtet worden sind, „weil sich die Menschen wirklich gefürchtet haben“, erläutert Lohninger. „Die Menschen schätzen sehr, dass sie quasi unter sich sind und dass die Wahrscheinlichkeit, andere Menschen zu sehen, geringer ist.“ Die hohe eigene Disziplin in Sachen soziale Distanz sei auch von anderen erwartet worden. Die NÖN habe sich um Aufklärung und Vermittlung bemüht, habe auch Vertreter der Behörden zu Wort kommen lassen und Gründe aufgezeigt, warum Menschen ganz legal mit fremden Kennzeichen im Waldviertel unterwegs sein können.

„Das Thema war radikal wild", habe extreme Zugriffszahlen auf NÖN.at und unzählige Zuschriften ausgelöst, „das komplette Spektrum zwischen Zustimmung und Ablehnung, bis zu Waldviertel-Bashing“, schildert Lohninger. „Ich bin von ein paar Touristikern auch geschimpft worden, warum wir dieses Thema aufgreifen. Aber das war im Prinzip unsere Verantwortung, weil es wirklich viele Menschen beschäftigt hat.“

"Fake News" und die Aufgabe der Medien

"Fake News" bringt Moderator Rabls aufs Tapet. Wichtig sei vor allem, dass der Leser weiß, was die Quelle ist, sagt Lohninger - dann könne er sich seine eigene Meinung bilden. Lohninger bringt ein Beispiel, das ihn „sehr irritiert“ habe, nachdem von ersten Coronafällen im Pflegeheim Weitra die Rede war. "Die Horror-Meldung für viele Generationen natürlich", schildert er.

"Ich hab dann angerufen: Was ist da los? Und die Direktorin sagt: Wir haben zwei Verdachtsfälle, die Tests laufen und sie haben noch kein Ergebnis. Nur bei einigen Menschen ist schon mal angekommen: Okay, die haben Fälle.“ Der NÖN komme hierbei eine Aufgabe zu, die sie sehr ernst nehme.

Das Schöne sei dann, wenn auf Facebook und Co. die NÖN in Kommentaren verlinkt werde, um Fakten zu verdeutlichen, ergänzt Füxl. „Da merkt man schon, dass die Leute die NÖN auch verstärkt lesen und uns vertrauen."

Online-Zugriffe stiegen rasant

Die NÖN hat durch ihr Bemühen um seriöse Berichterstattung ohne Panikmache überhaupt ihr Standing stärken können: Lohninger erzählt, dass man über fünf Millionen Zugriffe im März und April waldviertelweit verzeichnet habe, fast 250 Prozent des Wertes im Vorjahr. Der Blattverkauf habe ebenso in der ersten Coronazeit stark zugelegt - und das bedeute wiederum eine Verantwortung gegenüber dem Leser. 

Das nächste „Im Weitblick“-Thema wird sich um Bildung, Familie, Kinder und Jugend drehen (5. Juni, 18 Uhr).