Bezirk Horn: Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Maximilian Köpf. Erstellt am 05. Februar 2020 (05:30)
Foto: Franz Gleiß
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein.

„Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

„Was machen dann die älteren Menschen?“

Dass das Sparbuch, obwohl Nummer eins unter den Sparformen, wegfallen könnte, sorgt unter vielen Sparern für Verwunderung. „Was machen dann die älteren Menschen, die keinen Computer besitzen, nichts mit der Digitalisierung anfangen können?“, fragt sich Reinhard Liebwald, Bezirksvorsitzender des Pensionistenverbandes. „Es gibt noch Leute, die keine Bankomatkarte haben.“

Obwohl es kaum Zinsen abwirft, wird das Sparbuch wie auch das Bausparen von vielen Menschen als „sichere“ Anlageform bevorzugt. „Gerade die ältere Generation ist sehr auf das Sparbuch fixiert“, sagt Liebwald. „Das liegt noch an der Zeit, als sie jung waren, wenig Geld hatten und davon noch aufs Sparbuch für die Zukunft gelegt haben. Es gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit.“ Genauso wie Sicherheit sei Einfachheit ein Thema – viele Vereine nutzen Sparbücher für ihre Ersparnisse.

Das Sparbuch jetzt schon wegzusparen, sei viel zu früh, meint Liebwald: „Schauen wir in 15, 20 Jahren weiter.“

Wenn‘s so lange geht. Im Zuge der wieder aufkommenden Post-Schließungsdebatte (Seiten 16/17) sieht der Waidhofner Pensionistenverband-Vorsitzende Leopold Kapeller Probleme kommen: „Mit einem Sparbuch von der Post kannst du nicht einfach zum Postpartner gehen. Die haben die notwendige Ausstattung oft gar nicht, das Personal ist nicht dafür ausgebildet.“

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