Dürre und Käfer vernichten Wald. Die Dürre der letzten Jahre leiten in Verbindung mit starker Schädlingspopulation das Ende von Fichte und Kiefer im Bezirk ein.

Von René Denk. Erstellt am 03. Mai 2018 (04:52)

Düstere Aussichten bringt der Klimawandel für die Forstwirte im Bezirk. Die dramatische Situation der Niederschlagsarmut und der hohen Temperaturen geht mittlerweile soweit, dass man vom Ende der Fichten- und Kiefernwälder in der Region spricht.

Die eigentlich nicht heimische Fichte galt als der Ertragsbaum schlechthin: Der Flachwurzler brachte nur nicht einen im Vergleich hohen Gewinn, er war auch noch einfach in der Pflege, weshalb die Waldviertler den Baum vielerorts und in großen Mengen pflanzten.

„Wir sind in einer absoluten Extremsituation. Normale Gesetzmäßigkeiten gelten nicht mehr, wir müssen alles neu denken“, beschreibt Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer die verheerende Situation. Es gäbe zwar im Bezirk regionale Unterschiede, aber überall sei die Situation mittlerweile katastrophal.

Der großteils ausbleibende Regen seit 2015 ist dafür verantwortlich, dass es nun zum Ende großer Fichten- und Kieferbestände im Bezirk kommt. Für die Region „normale“ Niederschläge gab es nur ein halbes Jahr 2016. Gleichzeitig waren warme Temperaturen dafür verantwortlich, dass die Borkenkäferpopulation massiv ansteigen konnte.

Hohe Temperaturen, der Käfer und wenig Regen

Bezirksoberförster Reinhard Schram erinnert sich an eine ähnliche Situation in den 90er-Jahren östlich von Horn, die aber nur die dortige Region betraf. Er betont, dass bereits auch die heimischen Laubbäume, die weniger Wasser brauchen, zumindest hart an der Versorgungsgrenze sind. „Die Katastrophenstimmung ist schon gerechtfertigt. Mit den Niederschlägen der letzten Jahre sind wir da bereits in Richtung Steppe unterwegs“, meint Schram.

Die Fläche des Bezirks besteht derzeit zu 30 Prozent aus Wald, das entspricht 22.900 Hektar, die von 1.660 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet werden, weiß Gerhard Mader, Forstberater der Bezirksbauernkammer. Er skizziert die Niederschlagsarmut am Beispiel des eigentlich niederschlagsreicheren Drosendorf: Während es dort 2013 noch 674 Millimeter Jahresniederschlag hatte, waren es in den darauffolgenden Jahren 581 mm, 475 mm, 509 mm und schließlich 2017 nur mehr 372 mm. „Im ersten Jahresdrittel 2018 waren es in Drosendorf nur 73 mm, nur sieben Tage gab es mehr als drei Millimeter Niederschlag. In Gars sind es nur 65 mm. Es fehlen also mindestens 100 mm“, erklärt Mader.

Die Fichte benötigt aber rund 600 Millimeter Niederschlag im Jahr, die Kiefer immerhin 500 mm. „Im Raum Horn ist dieser Grenzwert von 500 Millimetern seit 1990 nur in elf Jahren (von 27) erreicht worden“, so der Forstberater. Und noch ein Schmankerl weiß Mader: Im wärmsten April seit 200 Jahren, den wir heuer hatten, ist ausgerechnet die Gemeinde Irnfritz Landessieger bei den meisten Sonnenstunden — sie hatte 254.

"Es geht nur, wenn alle zusammenhelfen"

Aufgrund der Temperaturen entwickeln sich die Borkenkäfer aber auch schneller. Von der Eiablage bis zum Schlüpfen braucht der Käfer bei 19 Grad Celsius etwas mehr als sieben Wochen. Beträgt die Temperatur 24 Grad, sind es nur mehr fünf Wochen. Wärmere Temperaturen könnten bedeuten, dass sich eine vollständige dritte Generation ausbildet, was fatal wäre. „Wird im Frühjahr nur ein Käferbaum übersehen, können daraus bis zum Herbst 1.000 neue Käferbäume entstehen“, warnt Mader eindringlich.

Bezirksbauernkammer-Obmann Hofer warnt aber auch davor, den Kopf in den Sand zu stecken: „Jetzt ist es umso wichtiger, seiner Verantwortung als Waldbesitzer nachzukommen und infizierte Bestände zu beseitigen.“ Allerdings solle man nicht ohne Grund alle Fichten umschneiden. Der Markt sei ohnehin gesättigt. Er betont, dass bisher alle Beteiligten an einem Strang ziehen und dass sehr fair miteinander umgegangen werde.

Beim Lokalaugenschein mit dem Bezirksoberförster am Steudlberg nördlich von Horn setzte der Raisdorfer Landwirt Peter Spitaler mit seinen Helfern gerade neue Bäume: Lärchen, Roteichen, Buchen und Douglasien. 2018 wird er 1.200 Bäume pflanzen, im Vorjahr setzte er 2.500 Stück. Er muss beim Setzen auch die Bäume gießen, um den Bodenschluss und damit die Feuchtigkeitsversorgung von unten bestmöglich herzustellen. „Das Wasserfass teilen sich vier Landwirte. Von der Feuerwehr durfte ich mir den Schlauch ausborgen. Es geht nur, wenn alle zusammenhelfen und dafür gibt es jetzt auch großes Verständnis“, zeigt sich der Landwirt dankbar.