Abschied nach 42 guten Jahren. Landarbeiterkammer kündigte Vertrag mit Schloss Drosendorf. Grund: Kurstätigkeit verlagert sich nach St. Pölten.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 17. April 2021 (05:14)
Im Sommer 2019 wurde das 40-Jahr-Jubiläum der LAK-Bildungsstätte Drosendorf noch groß gefeiert. Mit 15. Juni wurde der Vertrag mit dem Schloss Drosendorf seitens der Landarbeiterkammer gekündigt. Am Bild: Alfred Nussbaumer, Nationalratsabgeordneter Lukas Brandweiner, Susanne Gyenge (Land NÖ), Bürgermeister Josef Spiegl, Geschäftsführer Walter Mayr, Bezirkshauptmann-Stellvertreterin Daniela Obleser, Vizebürgermeisterin Hildegard Juricka, LAK-Präsident Andreas Freistetter und LAK-Vizepräsidentin Josefa Czezatke (von links).
Archiv/Widhalm

Eine lange Liebe geht zu Ende: Die Landarbeiterkammer verlässt mit 15. Juni endgültig das Schloss Drosendorf, das sie seit 1979 als Bildungsstätte genutzt hatte.

Kurstätigkeit nach St. Pölten verlagert. Warum man sich schweren Herzens zu diesem Schritt entschlossen habe, begründet LAK-Präsident Andreas Freistetter mit dem rasanten Wandel in der Arbeitswelt. Dadurch habe sich auch die Organisation und Abhaltung von Kursen verändert. Schon in den vergangenen Jahren sei eine Verlagerung vieler Kurse ins Service-Center nach St. Pölten zu bemerken gewesen.

Dieses ist aufgrund seiner zentralen Lage für die Kursteilnehmer leichter zu erreichen als das abgelegene Drosendorf. Bei vielen Kursteilnehmern sei auch der Wunsch nach ein- statt zweitägigen Kursen immer größer geworden. Und wegen einem Tag habe sich für viele die Anreise nach Drosendorf nicht mehr gelohnt. Für die gleichen Kurse habe man etwa in St. Pölten doppelt bis dreimal so viele Anmeldungen gehabt wie für Drosendorf. Man habe in Drosendorf den gesetzlichen Auftrag der Aus- und Weiterbildung der Mitglieder nicht mehr gewährleisten können.

Soziale Absicherung für Mitarbeiter garantiert. Auch wenn zudem finanzielle Gründe für den Abschied aus Drosendorf gesprochen haben, habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Schließlich sei man stark in Drosendorf verwurzelt, sagt Freistetter. Man habe es aufgrund der hohen Kosten nicht mehr rechtfertigen können, als Kammer einen Schlossbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführer Walter Mayr, Stadtgemeinde, Land NÖ und dem Team der Bildungsstätte sei jahrzehntelang ausgezeichnet gewesen. Von den betroffenen Mitarbeiterinnen geht Brigitte Häckel mit Schließung des Betriebes in ihren Ruhestand. Den verbleibenden zwei Mitarbeiterinnen sicherte Freistetter eine großzügige soziale Absicherung zu.

Kurse brachten 250.000 Nächtigungen. Insgesamt wurden rund 2.900 Kurse mit mehr als 51.000 Teilnehmern in der LAK-Bildungsstätte in Drosendorf abgehalten. Dazu haben sich 3.500 Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren in Intensivkursen im Rahmen des 2010 gegründeten „Talente-Zentrums“ weitergebildet. Das Schloss verzeichnete in dieser Zeit knapp 250.000 Nächtigungen durch die Teilnehmer.

Urlaubsaktion läuft in Friedersbach weiter. Für die LAK Urlaubsaktion – für Mitglieder gab es Urlaubs-Aktionen in Drosendorf – wurde mit dem Faulenzerhotel in Friedersbach im Bezirk Zwettl eine Alternative im Waldviertel gefunden. Wie Präsident Andreas Freistetter sagt, wolle man künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus den Standort für diese Aktion im gesamten Landesgebiet wechseln.

Hoyos: Suche nach neuem Betreiber läuft. Wie es im Schloss Drosendorf jetzt konkret weiter gehe, könne man noch nicht sagen, erklärt Schloss-Besitzer Markus Hoyos.

Schlossherr Markus Hoyos ist auf der Suche nach einem neuen Betreiber.
MK

Seit der Kündigung des Vertrages durch die Landarbeiterkammer sei man auf der Suche nach einem neuen Betreiber. Über kleine Veranstaltungen im Hof des Schlosses – etwa die Konzerte im Rahmen des Drosendorfer Hornsommers – könne man reden. Übernachtungsmäßig könne man selber aber nichts anbieten, da man kein Hotelbetreiber sei, sagt Hoyos. Daher habe man die Suche nach einem professionellen Betreiber in die Wege geleitet.

Für die Stadt Drosendorf sei der Abgang der LAK „hart, weil das Schloss als Tourismus-Plus wegfällt“, sagt Bürgermeister Josef Spiegl, der sich lange um den Verbleib der Landarbeiterkammer bemüht hat.