Appell Vor Wahl: Künftig weniger Emotion?. SP-Spitzenkandidatin Thaler hofft, dass persönliche Befindlichkeiten zurückgestellt werden.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. Januar 2020 (03:09)
Von links: FP-Gemeinderat Siegfried Maier, Bürgermeister Josef Spiegl (ÖVP), SPÖ-Spitzenkandidatin Irina Thaler und Roman Deyssig (Frische Liste)
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Nachdem zuletzt die Frische Liste Drosendorf schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister Josef Spiegl (ÖVP) wegen der Behandlung von Überstunden von Gemeindemitarbeitern und die nicht der Gemeindeordnung entsprechenden Intervalle von Stadtrats-Sitzungen erhoben hatte (die NÖN berichtete), meldete sich jetzt die neue SPÖ-Spitzenkandidatin Irina Thaler in dieser Causa zu Wort.

Sie meint, dass diese Anschuldigungen zwar „selbstverständlich möglichst schnell“ geklärt werden sollten, aber: „Das sind alles keine neuen Themen“, versteht sie nicht, warum die Frische Liste wenige Wochen vor der Gemeinderatswahl damit an die Öffentlichkeit geht.

„Sich kurz vor den Gemeinderatswahlen dermaßen zu bekriegen, schürt nur Unmut. Die angesprochenen Themen müssen direkt und dann, wann sie anfallen im Stadt- bzw. Gemeinderat ausdiskutiert und behandelt werden“, fordert sie.

Die SPÖ Drosendorf-Zissersdorf stehe für ein „Miteinander statt Gegeneinander“, führt Thaler aus. Im Endeffekt seien Stadt- und Gemeinderäte für die Gemeinde da und sollten als Ziel haben, ohne persönliche Befindlichkeiten in den Vordergrund zu stellen, das Beste für ihre Gemeinde zu tun, meint die neue SP-Spitzenkandidatin.

Neben dem Terrassenbad sei ihr mehr Mitspracherecht der Bürger ein wesentliches Anliegen, meinte Thaler. „Gerade wenn es um wichtige und teuere Projekte geht, muss die Meinung der Bürger eingeholt werden; das ist ein demokratisches Prinzip“, sagt sie. Und: „Das muss – gerade in einer kleinen Gemeinde wie Drosendorf-Zisserdorf – objektiv und frei jedweder Emotion funktionieren.“

Roman Deyssig von der Frischen Liste meinte gegenüber der NÖN, dass nach der Einbringung eine schriftliche Anfrage an Justizministerin Alma Zadic durch FPÖ-Abgeordneten Martin Graf bezüglich „Missstände bei der Gebarung der niederösterreichischen Gemeinde Drosendorf-Zissersdorf“ die Staatsanwaltschaft am Zug sei.

Die Frische Liste werde von Leuten gebildet, die sehr wohl positiv für die Gemeinde arbeiten wollen. In ihrem Programm setze die Liste auf Ideen („Kulturzentrum“ mit Band-Proberaum, sanfter Tourismus, Erhaltung und Belebung der Infrastruktur, die Erhaltung, Sanierung und Belebung des Terrassenbads, Betreutes und betreubares Wohnen für Senioren und Ferienbetreuung für Kinder in der Schule), sei also sehr wohl positiv.

Spiegl: „Leute haben diesen Hass satt“

Bürgermeister Josef Spiegl (ÖVP) erklärte gegenüber der NÖN, dass er durch die parlamentarische Anfrage „angepatzt“ werden sollte und schließt sich der Meinung Thalers nach mehr Harmonie in der Gemeindepolitik an: „Die Leute haben diesen Hass satt.“ Außerdem würde das ewige Hick-Hack dem Zusammenleben in der Gemeinde schaden. „Und wo siedeln sich Leute an? Dort wo gestritten wird, oder dort, wo man in Frieden leben kann?“, meinte der Gemeinde-Chef.

FPÖ-Gemeinderat Siegfried Maier will sich nicht zur Causa äußern: „Wir haben da keinen Einblick und erst über die Medien davon erfahren – und zu Sachen, die man nicht zu 100 Prozent nachweisen kann, soll man sich nicht äußern.“