Symposium startet: 30 Jahre Grenze und Nachbarschaft. Unter dem Motto „30 Jahre Grenze und Nachbarschaft" startet heute um 10 Uhr ein Symposium anlässlich des 30. Jahrestages der „Samtenen Revolution" in der damaligen Tschechoslowakei. Bis zum 7. Dezember wird mit Veranstaltungen in Safov und Drosendorf dieses historischen Ereignisses gedacht.

Von Red. Horn. Erstellt am 05. Dezember 2019 (08:18)
Wolfgang Müller-Funk ist einer der Kuratoren des Symposiums „30 Jahre Grenze und Nachbarschaft", das vom 5. bis 7. Dezember in Safov und Drosendorf abgehalten wird.
Martin Kalchhauser

Heute sind diese Ereignisse bereits Geschichte, heute lebt in Österreich und Tschechien schon eine Generation, die damals noch gar nicht auf der Welt gewesen ist. Mit dem Beitritt Österreichs und später auch Tschechiens (und der Slowakei) hat sich der Charakter von Grenze und Nachbarschaft weiter modifiziert. Bei diesem Symposium wird die Frage behandelt, ob sich die beiden Staaten und deren Bürger in den drei Jahrzehnten näher gekommen sind,  wie normal die Beziehungen sind, welche Rolle dabei das europäische Projekt spielt und was die Staaten heute trennt. 30 Jahre Grenze und Nachbarschaft eröffnet einen Rückblick auf die genutzten, aber auch die versäumten Möglichkeiten in dieser Nachbarschaft.

Das Thema „Grenze und Nachbarschaft" wird in unterschiedlichen Bereichen (Literatur, Sprache, Kultur, Politik, Zeitgeschichte, Region) aber auch in verschiedenen Epochen und Perioden thematisiert. Partner des Projektes sind u.a. die Universität Brno, der Waldviertler Heimatbund, die Waldviertel-Akademie und der Filmclub Drosendorf (alle angefragt). Die Ergebnisse der Tagung werden in einem Forschungsband der Reihe Verflechtungen und Interferenzen.

Studien zu den Literaturen und Kulturen im zentraleuropäischen Raum (herausgegeben von Wolfgang Müller-Funk und Andrea Seidler) veröffentlicht. Die Kuratoren dieser Veranstaltung sind Wolfgang Müller-Funk, Tomáš Pospíšil, Aleš Urválek, Jan Budňák ( alle Univ. Brno) in Zusammenarbeit mit Oliver Rathkolb, Thomas Winkelbauer und Friedrich Polleross (alle Univ. Wien/Waldviertler Heimatbund), Wilhelm Ch. Erasmus (Filmclub Drosendorf), Mella Waldstein (KuKUK) u.a.

Das Programm (sämtliche Veranstaltungen sind frei zugänglich)


5. Dezember: Workshops in Šafov

10-12.30 Uhr: Workshop mit Studierenden aus Brünn und Wien: Translatologie an den Univ. Wien und Univ. Brno

13.30- 16.30  Uhr: Vorträge über den regionalen Grenzraum von Jan Mattuš, Libor Svoboda, Friedrich Polleroß, Mella Waldstein

19-20.30 Uhr: Ludwig Winder-Abend Einführung in das Werk von Ludwig Winder (Jan Budňák/ Wolfgang Müller-Funk)

6. Dezember: Bildungsstätte Schloss Drosendorf

10 Uhr: Begrüßungsworte und Eröffnung (Wolfgang Müller-Funk/Tomaš Pospišil)

10.30-12.30 Uhr: Oliver Rathkolb (Wien): Von der Rivalität zur Nachbarschaft. Österreich, die Tschechoslowakei, Tschechien, 1918, 1938 1945, 1989, 2014.

11.15 Uhr: Jiří Němec (Brno): Die Entwicklung der Beziehungen zwischen der österreichischen und tschech/ischen/slowakischen Geschichtswissenschaft von den 1890er Jahren bis zur Gegenwart.

12 Uhr: Michaela Kuklová/Katharina Wessely (Wien): Von Leitmeritz bis ins Burgtheater. Die Lebenswege deutschsprachiger SchauspielerInnen anhand ausgewählter Autobiographien

13.30-18 Uhr: Zentraleuropäische Geschichte/n im Medium der Literatur

19 Uhr: Abendprogramm des Filmclubs Drosendorf: Film und Musik

21 Uhr: Musik: The Newmour Experience Classic Rock

7. Dezember: Bildungsstätte Schloss Drosendorf

9-11 Uhr: Erbschaften 

Stefan Newerkla (Wien), Sprachen trennen und verbinden – Tschechisch und österreichisches Deutsch im Sprachkontakt. 
Muriel Blaive (Praha/Wien), Historical Imaginaries at the Czechoslovak-Austrian Border: Communist and Post-Communist Times. 
Wolfgang Müller-Funk (Wien/Brno), 30 Jahre danach. Mit einer Lektüre von Texten von Vaclav Havel und Jiří Gruša

11. 15-13. 15 Uhr: 

Zdeňka Stoklásková (Brno): Der Reisepass und Reisen über die niederösterreichisch-mährische Grenze.
Thomas Winkelbauer (Brno), Die Herren bzw. Fürsten von Liechtenstein als 'grenzüberschreitendes' Adelsgeschlecht in Mähren und Niederösterreich (vom Spätmittelalter bis 1945),
Jan Budňák (Brno), Wiener Kontexte des deutschsprachigen liberalen Aktivismus in der Ersten Tschechoslowakischen Republik.

14-16 Uhr:
Zdeněk Mareček (Brno), Literarische Grenzgänger im doppelten Sinne: Karl-Markus Gauß und Beppo Bayerl an der Grenze von Staaten und Genres.
Milka Car (Zagreb), Die Grenzen in Miroslav Krležas Novelle "Der Großmeister aller Schurken".
Alfrun Kliems (Berlin), Vertreibungstexte aus Ostmitteleuropa nach 1989 (Denemarková, Jirgl, Twardoch)


16.30-18 Uhr: Schlussdiskussion
Moderation: Jan Budňák /Wolfgang Müller-Funk/ Tomáš Pospíšil/ Aleš Urválek