Anfrage-Plus: Pool-Bauer auf der „Butterseite“. Weil für viele Menschen Urlaub im Süden heuer flachfällt, steigt Zahl der Anfragen bei Eggenburger Pool-Hersteller Leidenfrost.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:37)
Leidenfrost-Geschäftsführer Hans Poinstingl berichtet von steigender Pool-Nachfrage.
privat

„Uns geht es nicht schlecht. Wir sind in dieser Krise eher auf die Butterseite gefallen“ – auch wenn sein Unternehmen kurzfristig Kurzarbeit in Anspruch genommen hat und zu Beginn der Coronakrise eine kurze Phase der Verunsicherung gespürt habe, für den Eggenburger Pool-Hersteller Leidenfrost sieht die Auftragslage in der Coronakrise laut Geschäftsführer Hans Poinstingl gut aus. Wie der Wirtschaftspressedienst berichtete, habe sein Unternehmen derzeit doppelt so viele Anfragen wie sonst üblich.

Gegenüber der NÖN präzisierte Poinstingl, dass die steigende Zahl an Anfragen auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass in den vergangenen Wochen viele Menschen im Homeoffice gewesen seien: „Sie haben viel Zeit im Garten verbracht. Die Leute besinnen sich, dass es zu Hause auch schön ist“, sagte Poinstingl. Angesichts heuer wegfallender Urlaubsreisen in den Süden wolle man seinen Garten daheim intensiver nutzen – für viele sei daher das Interesse an einem Pool gestiegen.

Generell gehe der Trend dazu, einen Teil des Gartens als „Outdoor-Room“ dem Wohnraum hinzuzufügen. Direkt an die Terrasse anschließende Pools liegen dabei ebenso im Trend wie Gasanschlüsse auf den Terrassen. Seine Kunden wollen ihre Pools nicht mehr nur zwei Monate im Sommer, sondern für sechs Monate nutzen. Abdeckungen, Heizung und entsprechende Pflegeausstattung gehören daher zu den Pools dazu. Dafür seien die Leute auch bereit, viel Geld auszugeben. Denn für einen Pool von Leidenfrost müsse man selbst dann ordentlich in die Tasche greifen, wenn der Pool nicht groß sei. Inklusive Gartengestaltung und architektonischen Fragen wie den passenden Umfassungssteinen komme man da auch schon mal mit 40.000 Euro nicht aus. „Wir verkaufen sicher nicht über den Preis. Mit den Preisen von Mitbewerbern aus dem Ausland wollen und können wir nicht mit“, sagte Poinstingl, der ausschließlich in Eggenburg mit rund 50 Mitarbeitern produziert. Dafür bürge Leidenfrost für Qualität, Beratung sei dabei das Um und Auf.

„Vorsicht trotz guter Situation angebracht“

Auch wenn die Situation derzeit für Leidenfrost gut sei, bleibe laut Poinstingl ein gewisses Restrisiko vorhanden. Sein Unternehmen, das eine Exportquote von rund 40 Prozent (vor allem in die Schweiz und nach Deutschland hat) habe zwar derzeit Vollbeschäftigung, aber: „Wie schaut die Situation im Herbst aus? Wie im kommenden Frühjahr? Wir bleiben vorsichtig“, sagte Poinstingl, der die Zusammenarbeit mit den Behörden und dem AMS während der Krise lobte: „Das hat top funktioniert“, sagte er. Seit Ostern wird bei Leidenfrost wieder voll – teilweise in Homeoffice – gearbeitet.

Laut Jürgen Rathmanner von der Wirtschaftskammer gibt es in Österreich etwa 130.000 private Schwimmbäder, und jedes Jahr kommen etwa 4.000 dazu. „Heuer werden es wahrscheinlich etwas mehr sein“, meinte er. Für NÖ geht er von einem Viertel bis einem Fünftel aus, was heißt, dass rund 1.000 private Schwimmbäder landesweit dazukommen könnten. Wer bis jetzt noch keinen Auftrag erteilt hat, für den wird es wahrscheinlich schwer werden, sich schon in den nächsten Wochen im eigenen Pool zu erfrischen.