Erstellt am 23. Juni 2015, 09:35

von Martin Kalchhauser

Asyl im Eggenburger Lindenhof?. Bürgermeister Gilli hält 100 Flüchtlinge für verkraftbar. Realisierung des Angebots aber eher unwahrscheinlich.

 |  NOEN, Martin Kalchhauser
Werden im Lindenhof der Stadt Wien 200 Flüchtlinge untergebracht? Diese Meldung schreckte am Freitag einige Bürger auf. Am Ende war „nur“ mehr von 100 die Rede – und derzeit scheint der Plan in weite Ferne gerückt.



Sozialstadträtin Sonja Wehsely hatteEnde der Vorwoche der Innenministerin das Angebot gemacht, in der seit 2013 leer stehenden Ausbildungsstätte der Stadt Wien 200 unbegleitete Jugendliche unterzubringen.

Bürgermeister Georg Gilli hatte die Zahl in einer ersten Stellungnahme als „eine Katastrophe“ bezeichnet, konnte am Montag, 22. 6., aber bereits Entwarnung geben.

„Ich habe gesagt, ich kann mir vorstellen, dass Eggenburg 100 verkraften kann“, meinte er im NÖN-Telefonat. „Im Moment ist eine Unterbringung bei uns aber gar kein Thema, weil sowohl Wien als auch Niederösterreich die Quote derzeit übererfüllen. „Auch Landesrat Maurice Androsch hat gemeint, dass das kein Thema ist.“

„Baufälliger“ Lindenhof für Flüchtlinge passend?

Im Wiener Magistrat stellt man klar, dass die Unterbringung an eine Bedingung geknüpft sei, nämlich, dass das Innenministerium die Tagsätze für Jugendliche erhöht. „Das Angebot würde erst dann realisiert“, betont Katharina Ebhart-Kubicek vom Büro der Stadträtin Wehsely. „Es geht ja darum, auch Traiskirchen zu entlasten.“ 200 Flüchtlinge wolle die Stadt Wien im Fall aufgebesserter Tagsätze zusätzlich unterbringen, davon 100 in Eggenburg.

Verwundert ist Gilli über den Plan vor allem, weil man seiner Gemeinde beim Ansinnen, einige der leerstehenden Gebäude nutzen zu dürfen, mitgeteilt habe, diese seien „baufällig“. Gilli: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dort jetzt Flüchtlinge unterbringen kann!“ Ebhart-Kubicek: „Das würde ohnehin nicht so rasch gehen. Das gehört genau geplant und organisiert.“ Notfalls müsste eben vorher saniert werden.

Gilli zur Unterbringung von Schutzsuchenden: „Ich wehre mich dagegen nicht von vornherein. Wir gehen das Thema Flüchtlinge jetzt offensiv an. Es gibt auch eine Familie, die Interesse hat, welche aufzunehmen.“

Am Rande kam im Zuge der Debatte um die Aufnahme von Menschen im Lindenhof auch die Frage auf, ob diese nun für die „Quote“ in NÖ oder in Wien zählen. Während Gilli meint, sie würden NÖ zugerechnet, würden sich auch die Wiener die Zahl gerne zurechnen.

Ebhart-Kubicek: „Im Endeffekt ist es den Flüchtlingen egal, welchem Bundesland sie zugerechnet werden. Beide Bundesländer haben ihre Quoten übererfüllt. Da muss man über Bundesländergrenzen hinwegdenken!“