Bürger-Kritik: „Poststelle ist zu weit draußen“ . Bürger wirft der Stadtgemeinde Eggenburg vor, sich nicht für einen Post-Partner am Hauptplatz eingesetzt zu haben. Gilli nimmt Stellung.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 16. September 2020 (05:10)
Das Post-Logo wird am Hauptplatz nicht mehr zu sehen sein.
Hauk

Ihre Tür wird die Post-Filiale am Freitag schließen, ab Montag übernimmt das Lagerhaus als Post-Partner. Dass die Wahl gerade auf diesen Betrieb fiel, missfällt einem Bürger und seiner Frau sehr. Sie möchten anonym bleiben.

„Uns stört das maßlos, dass wir die Poststelle soweit draußen haben und nicht im Zentrum“, erklärt er. „Die Post ist ein jahrhundertealtes Unternehmen und hatte immer ein gutes Image. Ich finde, dass damit das Image noch mehr ruiniert wird.“ Drei Kilometer ist der Post-Partner von ihrem Zuhause in Eggenburg entfernt, die Fahrt mit dem Pkw ist notwendig.

„Es wird immer Leute geben, die kein Auto haben oder nicht fahren können“, denkt der Eggenburger auch an die gesundheitlichen Probleme seiner Frau. Zu Fuß werde keiner die Strecke zurücklegen. „Das ist absurd, so weit draußen. Ich sag’s, wie’s ist, weil’s mich ärgert.“

Die Entscheidung, die die Post wohl aus technisch-wirtschaftlichen Gründen treffe, falle auf die Bürger zurück, die einen Teil der Infrastruktur im Stadtzentrum verlieren. „Die Gemeinde hat in dem Fall total versagt. Das werfe ich ihnen vor.“ Er fragt sich, warum man sich nicht für einen Post-Partner am Hauptplatz eingesetzt habe – oder warum die Stadtgemeinde nicht selbst Post-Partner geworden ist.

Gilli: „Kann niemanden dazu zwingen“

Bürgermeister Georg Gilli weist den Vorwurf zurück: Man habe sich für einen Post-Partner im Zentrum eingesetzt. Voraussetzungen wie Flächen zum Verladen und Lagern sowie ein behindertengerechter Eingang seien aber nicht gegeben gewesen. Dazu komme die kalkulatorische Situation: „Ich kann niemanden dazu zwingen, dass er Post-Partner werden soll, wenn sich das nicht rechnet.“

Post-Pressesprecher Markus Leitgeb ergänzt: „An oberster Stelle bei der Standortauswahl steht für uns die Synergie zwischen Kerngeschäft und der erhöhten Kundenfrequenz durch die Post-Partnerschaft, da dadurch eine nachhaltige Lösung entsteht.“ Das Lagerhaus eigne sich dafür bestens.

Georg Gilli: „Das Rathaus hat nicht die Flächen zur Verfügung.“
Archiv

Die Stadt habe laut Gilli aus Kostengründen von einer Partnerschaft absehen müssen. „Wir haben im Rathaus nicht die Flächen zur Verfügung. Wir hätten nur die Möglichkeit gehabt, uns in der Post einzumieten, und das ist kalkulatorisch unmöglich, weil wir ja Sanierungsgemeinde sind“, führt er aus. Einmalige und laufende Zusatzkosten wären „unverantwortlich“.

Gilli verweist auch auf ein gerade startendes Elektrobus-Projekt für den Transport von Kindergartenkindern und Schülern. „Wir wollen auch Ärztefahrten und Einkaufsfahrten in den verschiedenen Vierteln von Eggenburg ermöglichen, aber das ist noch nicht ganz ausgegoren.“

Das Pensionisten-Paar stört zudem, dass die „Bank99“ Teil des Raiffeisen-Lagerhauses wird. Der Betrieb stellt das Personal für den Post- und Bankdienst, der, laut Pressesprecher, während der Öffnungszeiten gewährleistet sein muss. „Ich bin nicht neugierig, dass man dort meinen Kontostand weiß“, schenkt die Eggenburgerin der Konstellation allerdings kein Vertrauen.

Gültigkeit haben „dieselben strengen Vorschriften“ wie das Post- und Bankgeheimnis, betont Leitgeb. „Verstöße können hohe Strafen und drastische Konsequenzen bis hin zur Auflösung des Vertrages nach sich ziehen.“ Die „Bank99“ bietet vor Ort Basisdienstleistungen, „für eine tiefergehende Beratung stehen unsere Finanzbetreuer in den Postfilialen zur Verfügung.“ Die nächste ist in Horn, 14 Kilometer entfernt.