Bürgermeister Gilli: „War schwieriges Jahr“. Georg Gilli sprach mit der NÖN über seine Doppelbelastung als Bürgermeister und Unternehmer sowie über anstehende Projekte in der Stadtgemeinde Eggenburg.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 21. Februar 2021 (05:22)
Georg Gilli, Bürgermeister der Stadtgemeinde Eggenburg.
Martin Kalchhauser

NÖN: Sie sind als Bürgermeister mittlerweile ein Routinier: War das vergangene Jahr das härteste in Ihrer Laufbahn?

Georg Gilli: Ja, das vergangene Jahr war ein sehr schwieriges Jahr, aber dank meiner engagierten Gemeinderatskolleginnen und -Kollegen nicht das anstrengendste Jahr. Wir haben am 26. Jänner Gemeinderatswahlen gehabt und kurze Zeit später kam es zum ersten Lockdown, die neu gewählten und angelobten Gemeinderatsmitglieder konnten ihre Aufgaben gar nicht richtig wahrnehmen. Es waren sehr viele organisatorische Aufgaben coronabedingt zu bewältigen.

Welche Veränderungen hat Corona für den Bürgermeister-Alltag mit sich gebracht? Was war dabei die größte Herausforderung für Sie?

Gilli: Der Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern ist nur sehr eingeschränkt möglich, das fehlt mir am meisten. Die größte Herausforderung für mich war eine Quarantäne-Unterkunft für 23 Mitarbeiter eines Betriebes an einem Nachmittag zu finden. Das war nur mit der Hilfe von vielen freiwilligen Helfern zu schaffen.

Die Krise ist für viele Menschen in allen Berufen auch mental sehr fordernd. Gab es Zeiten oder Phasen, in denen Sie an Ihre Grenzen gestoßen sind? Immerhin sind Sie „nebenbei“ ja auch noch Unternehmer ...

Gilli: Ich habe ein Unternehmen, das nicht von der Schließung betroffen war, wofür ich sehr dankbar bin. Jedoch haben wir sehr großes Augenmerk auf die Sicherheit gelegt, im Betrieb genauso wie in der Gemeinde. In einer Zeit der Corona-Krise musste ich als Bürgermeister viele Entscheidungen für die Sicherheit der Bevölkerung und der Gemeindebediensteten treffen, als Unternehmer habe ich die gleichen Entscheidungen für meine Mitarbeiter zu treffen. Als ich das erste Mal von der Mutation gehört habe, dachte ich mir schon, wo das noch hinführt.

Wie schafft man es, Bürgermeister-Funktion und Betrieb in so einer Krisenzeit unter einen Hut zu bringen?

Gilli: Das geht nur, wenn die Familie hinter einem steht und in der Gemeinde Kolleginnen und Kollegen, die sich für die Themen und Projekte in unserer Gemeinde voll einsetzen.

Eggenburg ist einer der Standorte für eine fixe Teststraße. Dabei engagieren sich zahlreiche Freiwillige, auch für die Gemeinden hat die Organisation der Teststraßen viel Arbeit gebracht. Wäre die Bewältigung der Krise ohne die zahlreichen Freiwilligen möglich?

Gilli: Hier möchte ich dem Roten Kreuz ein großes Danke für das Organisieren der Teststraßen aussprechen. Wir haben mit einer Teststraße begonnen, jetzt haben wir drei. Wir haben mit zwei Testtagen begonnen, jetzt testen wir wöchentlich drei Mal. Die personelle Besetzung der Teststraßen ist schon bis in den Juni mit freiwilligen Helfern gesichert. Die Hilfsbereitschaft in der Corona-Krise ist großartig in Eggenburg. Danke an unsere Ärzte und allen Helfern die hier so einen großartigen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten.

Kommen wir zu einem anderen Thema: Derzeit läuft auch die Werbungs-Phase für Glasfaser. Wie läufts da? Ist das Erreichen der 40 Prozent realistisch?

Gilli: Ich glaube, dass dieses Glasfaser-Projekt eine große Chance für eine Infrastruktur der Zukunft in Eggenburg ist. Ich glaube schon, dass 40 Prozent erreichbar sind, wir können jedoch coronabedingt keine Hausbesuche machen.

Ein weiteres wichtiges Projekt der vergangenen Monate war bzw. ist der Neu- bzw. Zubau zum Kindergarten. Wie froh sind Sie, dass dieses Zukunftsprojekt kurz vor seinem Abschluss steht?

Gilli: Der Kindergartenneubau liegt voll im Zeitplan. Kindergarten und Tagesbetreuungseinrichtung sind die wertvollste Investition in meiner Amtszeit als Bürgermeister. Der Bedarf einer Tagesbetreuungseinrichtung wird in Zukunft für junge Familien immer wichtiger.

Eggenburg will mit der Region Manhartsberg künftig noch mehr auf Familienfreundlichkeit setzen. Wie läuft da derzeit der Prozess? Ist Eggenburg da auf einem guten Weg?

Gilli: Wir haben in Eggenburg sehr gute Angebote für eine familienfreundliche Gemeinde, einige Beispiele sind das Eltern-Kind-Zentrum, die vielen Vereine, die Schulen u.s.w. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Wie wichtig ist diese Familienfreundlichkeit auch vor dem Hintergrund, dass jede Gemeinde in unserer Region um Einwohner kämpft?

Gilli: Ich glaube wir müssen den Bedürfnissen der Familien nachkommen. Wer hat noch vor einem Jahr geglaubt, dass es so viele Home-Office-Arbeitsplätze geben wird? Die Zeiten verändern sich und somit auch die Bedürfnisse und Ansprüche von Familien. Darum ist es wichtig, diese Infrastruktur zu schaffen.

Die Krise hat die Gemeinden auch finanziell getroffen. Muss Eggenburg bei gewissen Projekten Abstriche machen? Wird es finanziell eng?

Gilli: Finanziell wird es sehr eng. Projekte, die nicht dringend nötig sind, werden verschoben.

Welche Projekte stehen 2021 abgesehen der oben genannten auf dem Plan? Was ist Ihnen besonders wichtig?

Gilli: Wir haben einige sehr wichtige Projekte, etwa was den Kanal betrifft. Dazu wollen wir wieder Bauplätze schaffen, da die Nachfrage sehr groß ist.

Jede Krise birgt auch Chancen, weckt oft auch positive Potenziale. Was kann man für Ihre Gemeinde Positives aus der Krise mitnehmen?

Gilli: Wenn es etwas Positives gibt, ist es für mich die Disziplin und Geduld der Eggenburgerinnen und Eggenburger in dieser doch sehr fordernden Zeit. Ich habe auch das Gefühl, es gibt wieder wertvollere Werte. Man muss nicht wegen einer Besprechung mit dem Flugzeug fliegen, das geht auch über Skype. Das Klima dankt es uns.

Viele Menschen sehnen sich nach „Normalität“. Wann denken Sie, werden wir zu dieser Normalität zurückkehren?

Gilli: Die Normalität wird dann Einkehr halten, wenn wir durchgeimpft sind. Ich hoffe, dass das im Herbst der Fall sein wird.