Diskussion um Ortsbild: Positives oder Schandflecken?

In Eggenburg werden einige zuletzt umgesetzte Projekte nicht von allen positiv gesehen.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:15

Wer durch Eggenburg fährt, dem bleibt nicht verborgen, dass hier in den vergangenen Wochen und Monaten einige Projekte umgesetzt wurden, die ordentlich ins Auge stechen. Gefallen finden aber nicht alle daran. Zuletzt erreichten die NÖN einige kritische Mails, in denen die Projekte als „Schandflecken“ bezeichnet werden, von „Ortsbildverschandelung“ war ebenfalls die Rede. Es scheine, als wären „da Boykotteure am Werk, die das ehrwürdige Städtchen endgültig ins Nichts manövieren wollen“, ereiferte sich etwa der Eggenburger Manfred Palmberger. Die NÖN konfrontierte Bürgermeister Georg Gilli mit der Kritik.

Pulkauerstraße als „Stadtautobahn“?

Einer der kritisierten Punkte ist die zuletzt sanierte Pulkauerstraße. Seit dem Umbau erwecke sie durch die Betonabstützung der Friedhofsmauer, die Verkehrsschilderanbringung und den Straßenleuchtenwald den Eindruck einer Stadtautobahn. Dass die Friedhofsmauer nicht jedem gefalle, gesteht Bürgermeister Gilli ein. Aber: „Eine optisch schönere Lösung wäre ungleich teurer gekommen.“ Die Experten der Straßenmeisterei hätten schon vor der Sanierung gesagt, dass die Friedhofsmauer ohne eine Stützung durch eine Betonmauer bei Grabungsarbeiten in der Pulkauerstraße einzustürzen drohe. Aus bautechnischen Gründen habe sich daher die jetzige Lösung – sie kostete wie die NÖN berichtete 100.000 Euro – dann ergeben.

Kreisverkehr als „Liegewiese“?

Als „planierte Kreisverkehrfläche mit primitivem Fußballplatzrasen“ bezeichnet Palmberger den Kreisverkehr. „Vielleicht stellt man im Sommer Liegestühle drauf?“, merkte ein Eggenburger an. Dass man es als Bürgermeister wohl nie richtig machen kann, dafür sei diese Kritik ein Beispiel, ärgert sich Gilli. Denn vor wenigen Monaten kam Kritik an der „unordentlichen Gestaltung“ auf (die NÖN berichtete). Dann wurde der Kreisverkehr neu gestaltet. Gilli erklärt die Hintergründe. Früher sei Eggenburg die „Stadt der Rosen“ gewesen. Freiwillige hätten an vielen Orten die Pflege von Rosenbüschen übernommen, auch am Kreisverkehr. Die Bereitschaft zur Pflege sei dann geschwunden, die Stadtgemeinde habe die Aufgabe übernehmen müssen. Aufgrund des Arbeitsaufwands habe man dieser Aufgabe aber nicht mehr ausreichend nachkommen können, woraufhin die Kritik aufgebrandet sei. Durch die Umgestaltung dauere die Pflege jetzt „eine halbe Stunde, früher haben zwei Leute eine halbe Woche daran gearbeitet“, sagt Gilli. Zudem gebe es noch Ideen für eine weitere Gestaltung des Kreisverkehrs. Neben den Granitsteinen, die das Waldviertel symbolisieren sollen, sollen auch noch Weinreben als Symbol für das Weinviertel dazu kommen.

Behinderten-WC ein „hässlicher Blechcontainer“?

Kritisiert wird auch die Optik des neuen Behinderten-WCs. Es sei nicht verständlich, warum im Hof des historischen Pröckhlhauses und in unmittelbarer Nähe zum Rathaus ein „hässlicher Blechcontainer“ aufgestellt wurde. Dieser Kritik entgegnet Gilli, dass es in jeder Stadt Kombinationen aus architektonisch modernen und traditionellen Elementen gebe. „Außerdem: Gerade bei einem WC sollte Funktionalität vor Optik gehen“, sagt Gilli über das WC, das nach jahrelangem Einsatz von KOBV-Obfrau Maria Braunsteiner und nach intensiver Diskussion über den Standort nun vor wenigen Tagen errichtet wurde.

Dabei wurde die acht Tonnen schwere behindertengerechte, selbstreinigende Automatic-WC-Kabine der Firma Bioline-Handels GmbH mittels Krans der Firma Felbermayr über das Dach des Rathauses an seinen Bestimmungsort gehoben. Die Kosten für Anschaffung und Lieferung belaufen sich auf rund 70.000 Euro.

Das öffentliche WC ist bereits benutzbar – für Personen mit einem „Eurokey“ gratis, alle anderen haben eine Gebühr von 50 Cent zu entrichten.

Umfrage beendet

  • Kreisverkehr, Friedhofsmauer und Behinderten-WC als Schandflecken?