Faust flog bei Streit um 20 Euro: Haft für 26-Jährigen. Der verletzte 22-Jährige spricht zwar plötzlich von einem Sturz, der mehrfach vorbestrafte 26-Jährige gibt aber die Tat zu.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 11. September 2019 (05:14)
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Geständig zeigt sich ein 26-Jähriger, im Juni einen 22-Jährigen ins Gesicht geschlagen zu haben – wegen 20 Euro. Er sei sehr betrunken gewesen und habe das Geld zurückverlangt, dass sein Kompagnon ihm gestohlen haben soll. „Ich habe ihm dann zwei Watschen gegeben“, schildert er, der im Nachhinein die Tat bereue, „nur wegen Geld“ so zu reagieren. Der Bezirksrichter zählt die Verletzungen.

Gehirnerschütterung, Prellung an der Stirn, ein Bluterguss an der Oberlippe, Abschürfungen am Knie und Handballen: Dass das von Ohrfeigen herrührt, bezweifelt Thomas Brandstetter. Der 22-Jährige sei beim Weglaufen gestürzt, erzählt der Beschuldigte.

Das bestätigt der Verletzte, der gerade eine Haftstrafe absitzt. „Ich kenne ihn lange. Er hat das gemacht, weil er alkoholisiert war.“ Zuvor habe ihn der 26-Jährige mit der Faust geschlagen, er habe aber nicht richtig getroffen. Er glaube, dass alle Verletzungen vom Sturz herrühren. Warum er das nicht der Polizei gesagt habe, erkundigt sich Bezirksrichter Thomas Brandstetter. Er habe sich vor der Unterschrift den Polizeibericht nicht durchgelesen, habe später erfahren was drinsteht und dies im Nachhinein ändern wollen.

„Kann’s sein, dass Sie ihn schützen wollen?

„Sie wissen, dass sie unter Wahrheitspflicht stehen. Kann es sein, dass sie ihren Freund schützen wollen?“, glaubt ihm Brandstetter nicht. „Ich habe schon gesagt, dass ich gut für ihn aussagen werde, aber so, wie’s war.“ Er wisse nicht, ob Schläge die Verletzungen am Kopf verursacht hatten.

Der dritte Zeuge trug nicht viel zur Erhellung bei: Er habe mit dem Handy gechattet und die Schläge nur gehört und nicht gesehen; erst als der 22-Jährige davonrannte, habe er aufgeblickt. „Ich glaube ihnen kein Wort“, sagte der Bezirksrichter zu ihm.

„Ich will nicht, dass irgendwer für mich aussagt“, erklärte indes der 26-Jährige, der achtfach vorbestraft ist. „Ich habe vor Gericht immer die Wahrheit gesagt“, wolle er nichts schönreden. Er könne jetzt auch nicht mehr ausschließen, dass er doch die Faust (statt der flachen Hand) eingesetzt habe. Er hoffe, dass die Strafe nicht zu hoch ausfällt. Er suche einen Psychologen auf und ist bereit, sich stationär aufnehmen zu lassen, um vom Alkohol loszukommen. Die Entzugstherapie sei der erste Schritt, ergänzte die Bewährungshelferin.

Der Bezirksrichter verurteilte ihn zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, dazu kommen sieben Monate, nachdem zwei bedingte Strafen mit Probezeit widerrufen wurden. „Es führt kein Weg daran vorbei“, seien dem 26-Jährigen bereits viele Chancen gewährt worden. „Ich bin überzeugt, dass Faustschläge gesetzt wurden, vielleicht können Sie in diesem Zusammenhang Dinge wie die Therapie angehen. Ich hoffe, dass das Warnung genug ist.“ Bei dem 22-Jährigen wird ein Verfahren wegen falscher Beweisaussage eingeleitet.