Flüchtlings-Heim schließt seine Pforten. „Haus Said“ bald Geschichte. Viele Jugendliche in unserer Region integriert.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 24. Januar 2018 (06:28)
Archiv/Willi Brem, Martin Kalchhauser
Die ersten neun minderjährigen Flüchtlinge wurden am 21. September 2015 von Michael Heinz, Christine Schneider-Heinz, Maria Stachner, Margit Koch und Bürgermeister Georg Gilli (von links) im Lindenhof empfangen.

Ende Juni schließt die Unterkunft der Caritas Wien für unbetreute minderjährige Flüchtlinge im Lindenhof ihre Pforten. Bis dahin werden die letzten noch im „Haus Said“ (das arabische Wort „said“ bedeutet übersetzt Glück oder glücklich; Anm.) wohnhaften Afghanen – aktuell noch 24 – in andere Unterkünfte verlegt.

Einzelne Betroffene sollen bei Privaten einquartiert werden

„Wir lassen laufend Quartiere auf, weil die Asylanträge stark rückgängig sind“, erklärt Caritas-Wien-Geschäftsführer Klaus Schwertner die Vorgangsweise. „Die Bewohner des Hauses Saidwerden in anderen Unterkünften untergebracht, die Bleibe im Lindenhof Eggenburg bis Ende Juni geschlossen.“ Bis zu 45 unbegleitete Minderjährige hatten hier ein Zuhause gefunden.

Parallel zu den Übersiedlungen laufen aber auch Bemühungen, gemeinsam mit dem Land NÖ, einzelne Betroffene in der Region auch bei privaten Quartiergebern unterzubringen.

Schwertners Bilanz fällt positiv aus. „Es hat in Eggenburg besser funktioniert als beispielsweise im alten Stephansheim Horn – auch wenn dort die Schuld teilweise auch bei uns gelegen ist“, stellt er selbstkritisch fest. „Ein großes Danke gebührt unseren vielen lokalen ehrenamtlichen Unterstützern in Eggenburg. Wir hoffen, dass sie die Caritas St. Pölten, die die Betreuung der in der Region verbleibenden Menschen übernimmt, bei der Integrationsarbeit ebenso gut unterstützen.“

NOEN
Stadtchef Georg Gilli: „Flüchtlingsbetreuung ist in Eggenburg im Wesentlichen gut gelaufen.“

Noch bis Herbst wäre der Vertrag der Caritas mit der Stadt Wien (Eigentümerin des Lindenhofareals) gelaufen. „Ich bin überrascht, dass die Zeit nicht ausgenützt wird“, stellt Bürgermeister Georg Gilli fest. „Es ist bei uns im Wesentlichen gut gelaufen, unter anderem dank des enormen Engagements der Helfer rund um Christine Schneider-Heinz.“

Dieser Gruppe von Ehrenamtlichen sei es auch zu verdanken, dass Said-Bewohner in privaten Quartieren, teilweise mit Familienanschluss, untergekommen seien. Dadurch werde es etwa möglich, dass sie ihre Schulausbildung hier vollenden können.

Manche, die seit der Öffnung des Hauses im September 2015 das 18. Lebensjahr vollendet haben, wollten aber auch gar nicht bleiben: „Viele zieht es in die Ballungsräume, viele wollen gerne nach Wien gehen.“