Geburtstagsprojekt: Stamm darf wieder in Himmel ragen. Der Eggenburger Hans Leidenfrost rettete eine Gleditschie vor dem Feuer, dank seiner Familie entstand daraus eine duale Holzskulptur.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 10. September 2020 (04:41)
Ließen eine Skulptur entstehen (von rechts): Andreas Scheidl, Johann Leidenfrost mit seinen Enkeln Matheo und Jonas, Martin Vollgruber, Christine Kitzmantel und Eva Leidenfrost.
Karin Widhalm

Johann Leidenfrost ist gelernter Fassbinder und sattelte dann auf Schwimmbecken um: „Die Poolmanufaktur“, heute von seinen Nachfolgern geführt, verzeichnet heuer ein Anfrage-Plus. Der Seniorchef feiert indes einen runden Geburtstag (an die Zahl will er partout nicht erinnert werden) – und erhielt von seiner Familie ein Geschenk, das jeder Spaziergänger betrachten kann.

100-jähriger Baum hätte zu Brennholz werden sollen

Die Vorgeschichte zieht sich über mehrere Jahre. Eine 100-jährige Gleditschie (oder falscher Christusdorn oder Lederhülsenbaum) stand einst am Festgelände und sollte zu Brennholz werden. Sechs Zentimeter lange Dornen hatte er. Hans Leidenfrost wollte nicht, dass das wertvolle Holz mir nichts dir nichts verbrannt wird.

Der Eggenburger hatte damals schon eine Skulptur im Sinn. Der viel beschäftigte Mann kam aber nicht zur Umsetzung, jahrelang bleibt der Stamm liegen. Er denkt sogar daran, tatsächlich Brennholz daraus zu machen. Das ließ die Familie nicht zu. Man habe ihm sowieso etwas Bleibendes schenken wollen, erklärt seine Schwester Christine Kitzmantel stellvertretend für die Familie. Ein Schnitzer sollte den Baum in Form bringen.

Aber wie? Leidenfrost denkt wochenlang darüber nach, der Zwiesel macht es ihm leicht: Der Stamm teilt sich armleuchterförmig in zwei Äste. Der Jubilar will die Dualität zum Ausdruck bringen, schwarz und weiß, gut und böse, Krieg und Frieden, Liebe und Hass. Und er kennt einen Holzschnitzer, mit dem er zusammenarbeiten möchte: Martin Vollgruber aus Reitzendorf (Bezirk Zwettl) schnitzt seit 30 Jahren Auftragsarbeiten und Eigenkreationen.

Er hört sich Leidenfrosts Idee an, fertigt Skizzen an, die gemeinsam überarbeitet werden. Zwei Seiten zeigt die Holzskulptur, die seit der vorigen Woche im Garten hin zur Schönauer-straße steht. Totenköpfe, sterbende Vögel in der Ölpest, Rakete, das Atomzeichen, ein Glyphosat-Schriftzug – und all das endet in einer Hand, die gierig Geldstücke zu halten versucht, aber dabei Münzen verliert.

Die höhere Hand mit dem höchsten Gut

Eine Familie nimmt die andere Seite ein, dazu Weinreben mit Trauben, Blumen, kurzum: das Leben. Diese Hand überragt die andere, in ihr fliegt eine Taube auf. „Das ist das höchste Gut: Frieden und Freiheit“, findet Vollgruber. „Die Idee der Taube stammt von meiner Frau“, ergänzt Leidenfrost.

Behutsam wird die Skulptur auf ihren Platz gestellt.
NOEN

Das Friedenssymbol ist aus einem anderen Holz geschnitzt: Die Silberpappel ist heller als die Gleditschie. „Und damit die Leute von der Straße aus nicht immer die grausliche Seite sehen müssen, ist die Skulptur drehbar“, lächelt Leidenfrost.

Andreas Scheidl stellt mit dem Kran das mehr als mannshohe große Stück aufs Fundament, das einen Meter in die Tiefe reicht. „Die Schwierigkeit war, die Gurte so zu befestigten, damit nichts beschädigt wird“, erklärt er. Das Schnitzen an sich dauerte eineinhalb Monate.

Vollgruber schneidet das Holz mit der Motorsäge grob vor, dann geht er zu den feinen Schnitzarbeiten über. „Das war für mich eine neue Erfahrung“, hat er noch nie mit einem solchen Holz gearbeitet. „Es war eine Herausforderung, weil es zu den härtesten Hölzern gehört.“ Leidenfrost: „Er hat das meisterhaft gemacht“, freut er sich übers Ergebnis. Ganz abgeschlossen ist das Projekt noch nicht: „Wir machen noch ein Dach mit einer Kuppel, damit das Holz von der Witterung geschützt ist“, nimmt er dafür Kontakt mit Karl Riel auf.