Der „Seher“ holt erste Haube. Gourmet-Führer Gault Millau verlieh Eggenburger Lokal Top-Auszeichnung. Buchinger verteidigte Haube.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 27. November 2019 (03:34)
Freuten sich über die erste Haube für das Landgasthaus „Zum Seher“ in Eggenburg: Christiane Goller, Koch Milan Kopecny und Karl Lind.
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Der Bezirk Horn hat neben dem Landgasthof Buchinger nun ein zweites Haubenlokal: In der Bewertung des Gourmet-Führers „Gault Millau 2020“ wurde auch das Landgasthaus „Zum Seher“ in Eggenburg erstmals mit einer Haube bedacht.

Einerseits als „große Freude“, andererseits auch als Anerkennung für die in den vergangenen fünfeinhalb Jahren in das Lokal investierte Arbeit empfinden Christiane Goller und Karl Lind die Auszeichnung für ihr Lokal. Die beiden – die eigentlich aus dem Journalismus kommen – haben damals das „kaputte Lokal“ gekauft und durch „harte, aber schöne Arbeit“ zu dem gemacht, was es heute ist. Die Auszeichnung verstehen sie als eine für das gesamte Team des Hauses und die kontinuierlich gute Arbeit, die die Grundvoraussetzung für eine derartige Auszeichnung sei.

Sandra und Franz Buchinger überzeugten den Gault Millau besonders mit den zwölf Stunden lang gebratenen Gansln.
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Als Begründung für die Haube führt der Gourmet-Führer an, dass man beim Seher „nicht nur Schnitzel aus der Fritteuse und dünne Suppen“ bekomme. „Im Gegenteil: Die Rindssuppe schmeckt echt kräftig“, heißt es etwa weiter, auch Grillspieß vom Bio-Huhn oder der „herrlich magere und mürbe Schweinsbraten“ wussten zu überzeugen.

Ein weiterer Punkt für den Erfolg ihres Lokals sehen Goller und Lind in der guten Vernetzung mit ihren Lieferanten. Auch für die sei die Haube eine Anerkennung. Man habe viel Zeit darin investiert, sich Top-Lieferanten aus der Gegend zu suchen, „die auch in der Lage sind, uns regelmäßig mit den benötigten Mengen zu beliefern“, sagt Lind – und mit deren Produkten man den Gästen Preise anbieten kann, die diese auch akzeptieren.

Wichtig ist Goller und Lind, dass die im Lokal verarbeiteten Lebensmittel lokal oder regional produziert sind. Wenn der Gast wisse, was auf den Teller kommt, dann sei er auch bereit, den ein oder anderen Euro mehr auszugeben. Für Lind wäre es aber Sache der öffentlichen Hand, regulierend in die Preise von Lebensmitteln einzugreifen, um gesunde Lebensmittel den Preisnachteil gegenüber weniger gesunden zu nehmen: „Wenn sich die Leute gesünder ernähren, wären sie weniger oft krank. Das Geld, das man in gesunde Lebensmittel investiert, kann man dann bei den Gesundheitskosten sparen.“

„Ich will das beste Cordon-Bleu kochen“

Seine Haube verteidigt hat auch Franz Buchinger, der seine erste Haube vor mehr als zehn Jahren erkocht hat. Gepunktet hat er laut Gault Millau mit „Regionalität, die auch mit der entsprechenden Qualität umgesetzt wird“. Bei seinen Gästen will Buchinger übrigens nicht mit „Schicki-Micki-Gerichten“ punkten.

„Ich will das beste Cordon-Bleu, die beste Ente und das beste Majoran-Fleisch zubereiten“, streicht er seine Vorliebe für die bodenständige Küche seines Landgasthauses hervor. Besonders stolz ist Buchinger auf ein weiteres Lob aus dem Gault Millau: Sein Lokal wurde als einziges in Niederösterreich neben vier Wiener Lokalen unter die Top-5-Gansl-Lokale des Landes gewählt. Und von der Qualität seiner Gansl, die täglich frisch zwölf Stunden bei Niedrigtemperatur gebraten werden, kann man sich noch bis Ende November in Harmannsdorf überzeugen.