Herta Ucsnik: „Lernen ist auch ein Stück Liebe“. Bildungs-Expertin und Sachbuch- Autorin Herta Ucsnik über die aktuellen Herausforderungen des Systems „Schule“.

Von Petra Hauk. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:31)
Herta Ucsnik hat viele drängende Fragen zum Thema Schule in ihr neues Buch gepackt. In Pandemie-Zeiten ein willkommener Fahrplan für Eltern, Lehrer und alle an Bildung interessierten Menschen.
Petra Hauk

Ein spannendes neues Buch der Eggenburgerin Herta Ucsnik wendet sich mit dem Titel „Brennpunkt Schule – Bildung im Kreuzfeuer aktueller und zukünftiger Herausforderungen“ an Eltern, Schüler und Lehrer gleichermaßen. Denn gerade in Pandemie-Zeiten ist das Thema zum heißen Eisen geworden. Die NÖN hat bei der erfahrenen Pädagogin – sie leitete jahrelang die Volksschule in Horn – nachgefragt, wie man mit den vielen aktuellen Herausforderungen am besten umgeht.

NÖN: Was war für Sie Anstoß, das Buch zu schreiben?

Herta Ucsnik: Nach 45 Dienstjahren als Lehrerin und Schulleiterin kannte ich die Vielfalt der Arbeiten, die Verantwortung von Lehrkräften und die Bedeutung von guten Schulen für unsere Kinder und Jugendlichen. Gleichzeitig wusste ich aber immer, dass wir die Eltern mit im Boot brauchen, denn sie organisieren den Tagesverlauf in den Familien und unterstützen die Kinder. Die komplexe Arbeit, die an Schulen ganzjährig geleistet wird, in Buchform festzuhalten war mir am Ende meiner aktiven Dienstzeit ein Anliegen, auch, um der ständigen Kritik, die über Schulen geübt wird, entgegenzutreten.

An wen richten Sie sich mit Ihrem Buch?

Ucsnik: Meine Buchserie „Brennpunkt Schule“ richtet sich an Schulleitungen und an Lehrkräfte aller Schularten, an Eltern und an alle an Bildung interessierten Menschen. Kein Leben ohne Bildung! Sie prägt jeden Menschen und zugleich die gesamte Gesellschaft; und Lernen dauert ein Leben lang.

Welche Herausforderungen bringt die Pandemie für Lehrer, aber auch Schüler?

Ucsnik: Die Kritik an Schulen und Lehrkräften war in den letzten Jahren immer wieder zu hören. Das Blatt wendete sich, als die Schulen auf Distance Learning und Homeschooling umstellen mussten. Seither ist fast ein Jahr vergangen. Die Eltern sind nun als Lernbegleiter intensiv in das Unterrichten eingebunden. Das Verständnis und die Anerkennung für Schulen in der Öffentlichkeit ist gewachsen. Die Bedeutung des gemeinsamen Lernens in Klassen und Gruppen wird zunehmend erkannt. In der Krise leiten Lehrkräfte den Unterricht aus der Entfernung an, der Aufwand ist groß. Schulkinder lernen eigenständig zu arbeiten, sie brauchen aber so wie im Schulalltag viel Unterstützung und Zuwendung. Online-Unterricht ist möglich, Lernen braucht aber auch persönliche Begegnung mit Lehrpersonen und mit anderen Schulkindern. Ich halte es daher für äußerst wichtig, dass der Unterricht jetzt wieder vermehrt in den Schulen stattfindet.

Viele Eltern, aber auch Schüler fühlen sich durch die vielen Herausforderungen, die unsere Zeit mit sich bringt (Stichwort neue Medien) überfordert – welchen Rat haben Sie für sie?

Ucsnik: Wichtig ist es, den Nutzen der neuen Medien zu erkennen. Diese ermöglichen rasche Kommunikation, erleichtern viele berufliche Tätigkeiten, aber sie sollen nicht zu Isolation führen. Um das digitale Suchtverhalten zu vermeiden, braucht es viel Erziehungsarbeit im Unterricht und daheim. Empfehlenswert sind daher Elternworkshops, denn Eltern sind in der neuen digitalen Welt auch in ihrer Erziehungsarbeit sehr gefordert.

Haben Sie für unsere Leser eine Mut-machende Aussage, die sie mit auf den Weg nehmen können für die kommenden Wochen und Monate?

Ucsnik: Das Verständnis für die Leistung von Schulen und für die Bedeutung von Unterricht für alle Kinder ist gewachsen, an vielen Schulen entstand zwischen Lehrkräften und Eltern zunehmend eine gute Zusammenarbeit. Diese gilt es auch über die Zeit der Pandemie weiter zu pflegen. Interesse an der Schule bedeutet Interesse an der Entwicklung des Kindes auf dem Weg zum Erwachsenwerden. All dies verlangt viel Energie, bringt aber Freude und verbindet alle. Lernen ist auch ein Stück Anteilnahme und Liebe.

Planen Sie ein weiteres Buch – wenn ja, worum soll es gehen?

Ucsnik: Eltern sind aus meiner Sicht die wichtigsten Partner von Schulen. Es kann sein, dass aus wichtigen Themen der Zeit ein drittes Buch entsteht, mit kurzen Geschichten, die sich besonders an die Eltern richten.

Was raten Sie jungen Menschen, die den Lehrberuf ergreifen wollen?

Ucsnik: Lehrende brauchen Liebe und Geduld im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, Fleiß und Leistungsbereitschaft, gute Deutsch- und Rechtschreibkenntnisse, besonders für die Volksschule eine musische Ausbildung (ein bis zwei Instrumente), generell Kreativität, Flexibilität und Lesefreude, eine Bereitschaft zu ständiger Fortbildung. Freude am Denken und am Fragenstellen und – eine große Portion Humor!

Tipp: Band 1 erscheint im März 2021 in einer Neuauflage, Band 2 ist im Dezember 2020 erschienen. Nachfragen unter brennpunkt.bildung@gmx.at