In Fuchs gefunden: Vorsicht bei Bandwurm geboten. Darmparasit bei einem Rotfuchs diagnostiziert: Jäger und Tierarzt wollen Bevölkerung sensibilisieren.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 09. Mai 2019 (04:51)
Karin Widhalm
Helfried Sokol fand den Fuchs, den Gerhard Eder untersuchen ließ.

Helfried Sokol und Gerhard Eder wollen keinesfalls Panik verbreiten, dazu sehen sie keinen Grund. Sie wollen aber die Öffentlichkeit faktenbasiert informieren, dass der Fuchsbandwurm bei einem toten Tier entdeckt wurde. Sie wissen, dass er für Menschen gefährlich sein kann. Die Entdeckung ist einem Zufallstreffer zuzuschreiben.

Zur Vorgeschichte: Die Polizei informierte Jäger Sokol, dass ein Fuchs am Stadtrand Eggenburgs gesichtet wurde: „Um zehn Uhr Vormittag bei Häusern: Das ist nicht normal“, schildert er. Das letztlich verendete Tier brachte er zu Tierarzt Eder, der Untersuchungen in die Wege leitete.

Das Ergebnis ließ beide aufhorchen: Das Raubtier war hochgradig mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) infiziert. „Das ist die gefährlichste Wurmerkrankung in Mitteleuropa“, betont Eder. Der Darmparasit kann beim Menschen schwere Lebererkrankungen verursachen. Die Zahl der Erkrankungen hielt sich in Österreich bei zwei bis drei Personen im Jahr, ist aber seit 2011 doch rapide angestiegen: 2014 wurden zwölf Fälle registriert. Hauptgebiet war der Westen Österreichs. Vorsicht ist geboten – und zwar „überall dort, wo der Fuchs seine Losung verlieren kann“, erklärt der Tierarzt.

Wie er wächst: Vom Ei bis zum Wurm

Der Wurm tritt bei Rotfuchs und Marderhund auf, seltener bei Hund und Katze. Er ist wenige Millimeter groß, besteht aus Kopf und zwei bis fünf Gliedern, wobei das letzte Glied bis zu 500 Eier enthält. Diese werden über den Kot ausgeschieden und müssen von einem Zwischenwirt (meist Kleinnager) gefressen werden. Die Larven schlüpfen dort im Darm und gelangen über das Blut in die Leber. Frisst der Fuchs den Kleinnager, können sich in ihm die erwachsenen Bandwürmer bilden.

Menschen infizieren sich mit kontaminiertem Wasser, Obst, Pilzen, Salaten, Erde oder über das Fell von Füchsen. Besondere Vorsicht müssen Jäger, Tierpräparatoren und Waldarbeiter walten lassen. Die Erkrankung tritt erst nach fünf bis 25 Jahren auf, eine Untersuchung ist aber möglich. Der Arzt kann die Blutprobe an das Institut für Klinische Hygiene (Abteilung Parasitologie) nach Wien schicken. Was nicht möglich ist: eine Schutzimpfung.

Umso wichtiger sind Sokol und Eder, dass an vorbeugende Maßnahmen gedacht wird. Sie sind gerade dabei, Stadtgemeinde und Jagdverband zu informieren. Und: „Wir schauen, dass wir ein paar Füchse finden und Proben einschicken“, will Eder die Situation beobachten.