„Schwammstadt“: Lösung für beschädigte Friedhofsmauer. Bäume haben Friedhofsmauer beschädigt. Gemeinde investiert 100.000 Euro in ökologische Lösung.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 21. November 2020 (05:56)
Da die Bäume die Friedhofsmauer stark in Mitleidenschaft gezogen haben, wurden sie gefällt. Eine „Schwammstadt“ soll jetzt Abhilfe schaffen.
Thomas Weikertschläger

Voll im Gange sind derzeit die Arbeiten zur Wiederherstellung der Pulkauerstraße in Eggenburg. Wie die NÖN berichtete, waren hier ja umfangreiche Kanalbauarbeiten – die Gemeinde investierte insgesamt 2,5 Mio. Euro in das Projekt – verrichtet worden:

Für Unmut bei einigen Eggenburgern sorgt jetzt, dass in den vergangenen Tagen zahlreiche Bäume in der Pulkauerstraße umgeschnitten wurden.

Nicht allen Eggenburgern gefiel, dass in der Pulkauerstraße Bäume gefällt werden mussten.
Thomas Weikertschläger

Und zwar nicht nur auf der stadtauswärts rechten Seite der Straße, auf der derzeit ein Radweg entsteht, sondern auch auf der linken Straßenseite entlang der Friedhofsmauer.

Eine Tatsache, die laut Bürgermeister Georg Gilli aber leicht begründet werden kann.

Triftiger Grund: Friedhofsmauer beschädigt

Laut Gilli haben die Bäume aufgrund der Bodenbeschaffenheit ihre Wurzeln nicht in die Tiefe, sondern seitlich ausgerichtet. Das habe dazu geführt, dass einerseits der Gehsteig um bis zu 20cm gehoben worden sei, andererseits die Friedhofsmauer stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

„Wir müssen jetzt 100.000 Euro investieren, um die Friedhofsmauer zu sichern“, erklärt Gilli. Es sei nicht auszudenken, was passiere, wenn die Mauer nachgebe und dadurch die dahinter liegenden Gräber und Gruften beschädigt werden würden.

Auch ihm breche das Herz, wenn Bäume umgeschnitten werden müssen. Aber, so Gilli: „Das war eine Notwendigkeit.“

Neupflanzungen kommen

Zudem sei geplant – und auch immer kommuniziert – worden, dass es Neupflanzungen von Bäumen geben werde. Und dabei setzt die Stadtgemeinde Eggenburg auf das Prinzip der „Schwammstadt“.

Bürgermeister Georg Gilli.
Martin Kalchhauser

Insgesamt werden in der Pulkauerstraße laut Gilli 30m 3 ausgehoben und durch Kies und wasserspeicherndes Material ersetzt. „Dadurch können die Wurzeln in diesen Bereich gelenkt werden“, erklärt Gilli.

Die Bäume müssen dann nicht nur weniger gegossen werden, diese Technik biete einen weiteren Vorteil: „Wir können Oberflächenwasser, das bisher in den Kanal geleitet wurde, nutzen. Das Wasser bleibt dann vor Ort“, spricht Gilli den ökologischen Mehrwert dieser Technik an. Zusammengearbeitet wird dabei übrigens mit der Firma Hengl, weil sie – anders als andere Anbieter – Material aus der Region für diese Technik einsetzt.

Versetzung der Bäume angedacht

Laut Gilli habe er zunächst auch daran gedacht, die nun umgeschnittenen Bäume – sie waren 30 Jahre alt und hätten eine Lebensdauer von 50 Jahren gehabt – umsetzen zu lassen. Als neue Standorte waren neben dem Freibad, wo sie als Schattenspender dienen hätten sollen, auch der neue Kindergarten angedacht gewesen.

Dann habe aber ein Experte eingewendet, dass nur rund 50 Prozent der Bäume bei einer solchen Umpflanzung durchkämen. „Und wir wollten die Bäume nicht zum Kindergarten setzen und dann das Risiko eingehen, dass dürre Äste auf die Kinder fallen“, erklärt der Gemeindechef, warum dieser Plan verworfen wurde. Zudem hätte diese Aktion pro Baum Kosten von 8.000 bis 10.000 Euro verursacht: „Und das Geld investieren wir lieber in die Schwammstadt.“

Forschungsprojekt Schwammstadt

Gemeinsam mit der Boku Wien arbeitet übrigens die Straßenmeisterei Eggenburg an einem Forschungsprojekt zur Schwammstadt. Dazu wurden im Bereich des Rosner-Wirtshauses zwei Bäume stehen gelassen. Im Zuge dieses Versuchs werden die Wurzeln der Bäume freigelegt und dort dann ebenfalls grobes Material deponiert, um herauszufinden, wie die Bäume darauf reagieren.

Nach zwei Jahren soll evaluiert werden, ob es Sinn mache, die Bäume stehen zu lassen oder nicht. Die neu gesetzten Bäume sollen dann übrigens eine Lebensdauer von 80 bis 90 Jahre haben und sind damit laut Gilli auch eine Investition in die Zukunft.