Barbara Neuwirth: "Warum Kinder Helden brauchen". Die Eggenburger Autorin Barbara Neuwirth präsentierte ihr neues Buch „Helden, Heldin, Superhelden“.

Von Petra Hauk. Erstellt am 29. Mai 2019 (04:23)
Petra Hauk
Barbara Neuwirth mit ihrem neuen Buch „Helden, Heldin, Superhelden“.

Was haben Hermine Granger, Conan, der Barbar und Donald Duck gemeinsam? Sie gehören alle zum persönlichen Helden-Universum der Eggenburger Schriftstellerin Barbara Neuwirth. Die vielfach ausgezeichnete Autorin hat ein neues, sehr persönliches Buch vorgelegt, in dem es von Helden, Heldinnen und Superhelden nur so wimmelt – und folgerichtig heißt das Buch auch so: „Helden, Heldin, Superhelden“.

Geboren in Eggenburg, aufgewachsen in Drosendorf, unternahm sie schon früh Streifzüge in die Natur. Dank Winnetou „bis zum Hofmannsmarterl und zum steilen Felsenabriss der Thaya“, erzählt sie, „denn ab sofort war ich Indianer!“

Was bedeutet denn Held-sein für Neuwirth? „Ein Held ist ein Mensch, der mutig gegen Widersacher antritt und erfolgreich ist. Er steht für positive Werte wie Liebe, Gerechtigkeit, Schutz der Schwachen, aber auch Ehre, Stolz, Demut, Gelehrsamkeit, Glaube oder Siegeskraft. Bloße Gier nach Reichtum, Macht, Abenteuer, das begeistert mich nicht.“

Gerade für Kinder sei die Identifikation mit Helden wichtig, denn „überall gab es für mich Neues, Unbekanntes, jeden Tag wurde die Welt größer, tiefer, höher, schöner, bunter, schrecklicher. Gefährten zu haben bei der Erkundung dieser Wunder war wichtig.“ Ein Held ist aber nicht zwangsläufig ein Muskelprotz, sondern manchmal auch einer, der gut zuhört.

Der Helden-Kosmos der Barbara Neuwirth ist umfassend, ob imaginierte oder echte Persönlichkeit, Comic-Held, Buchfigur oder Sagengestalt, sie alle haben ihren Platz in diesem Buch. Da findet sich Chesely B. Sullenberger, der Pilot, der auf dem Hudsonriver landete, neben Arnold Schwarzenegger, Prinz Eisenherz oder Akim, Held des Dschungels. Wir lernen Neuwirths Liebe und Bewunderung für Calvin und Hobbes, Donald Duck und Herrn Engel, den Besitzer des Comicladens im 8. Wiener Bezirk, kennen, und erfahren, dass viele Superhelden als Kinder traumatische Erfahrungen gemacht haben, wie Katniss Everdeen, die Heldin aus den Tributen von Panem oder Lisbeth Salander, die zeigt was es bedeutet, sich mit aller Konsequenz selbst zu ermächtigen.

Eigener Vater als Kindheits-Held

Hermine Granger, Harry Potters Freundin, hat es Neuwirth besonders angetan: „Am meisten liebe ich ihren Wissensdurst. Was Hermine noch nicht weiß, wird sie lernen. Sie ist in der Bibliothek quasi zu Hause, ihre Entscheidungen sind zumeist logisch, ihre Loyalität vorbildlich. Sie ist das perfekte Role-Model für Mädchen. Emanzipiert, selbstständig, erfolgreich, wissbegierig, sozial engagiert, mit Gerechtigkeitsempfinden und kämpft für ihre Überzeugungen.“

Einen besonderen Platz in diesem Kosmos hat Neuwirths Vater: „Papa war schön, gescheit und stark. Er konnte Autofahren und Geräte reparieren, Ballspielen und auf dem Bauernhof der Oma im Weinviertel ein Wasserklo errichten. Jetzt mussten wir, wenn wir am Wochenende bei ihr waren, nicht mehr durch den dunklen Hof in den Schuppen gehen, den Deckel vom gruseligen Plumpsklo wegheben und uns über das dunkle Loch setzen, in dem womöglich der schwarze Mann hockte. Ich hatte mich immer davor gefürchtet, dass seine kalte Hand nach meinem nackten Hintern greifen könnte. Mein Papa hat uns von dieser Angst befreit.“

Familie Neuwirth gehörte zu den ersten in Drosendorf, die ein Tonbandgerät und einen Fernseher besaßen. Der Vater baute eine elektrische Weinpresse und einen Swimmingpool. Und weil es noch keine Dorfwasserleitung gab, wurde der Pool jeden Sommeranfang von der Feuerwehr gefüllt. „Das war ein richtiges Dorffest“, erinnert sich Neuwirth. Als Geologe und Bergwerksingenieur erklärte er seinem Kind die Welt, wenn sie Muscheln und Turmschneckenhäuser sammelte. „Wo heute Retzbach ist, sagte mein Vater, war ein großes Meer. Das Meer hat den guten Boden für den Weinbau geschaffen.“

Das Buch, das im Haymon-Verlag erschienen ist, zeigt viel Biographisches von Neuwirth und: dass die Sehnsucht nach Helden und das Schwärmen für die Superstarken unter uns keine Altersfrage ist. Dass wir Helden dringend in unserem Leben brauchen und dass es nichts Schöneres gibt, als diesen Gefährten des Lebens eine Liebeserklärung zu machen.