Kampf um Fortbestand des Eggenburger „ElkiZ“. Leiterin Sandra Fasching sucht nach langfristiger Finanzierung des Eltern-Kind-Zentrums Eggenburg.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 07. Februar 2020 (05:42)
Jede Menge Spaß im ElkiZ Eggenburg haben Johannes, Lea und Loris. Ob das Angebot auch in Zukunft bestehen wird, ist indes ungewiss.Weikertschläger
Thomas Weikertschläger

Samuel und Lea tollen im Bällebad herum, Anna und Sophie bereiten ihren Puppen eine Mahlzeit zu, Leon kraxelt die Rutsche hinauf, ihre Eltern unterhalten sich und tauschen sich über ihre Erfahrungen mit ihren Schützlingen aus. Es ist ordentlich Betrieb in der Spielgruppe für ein- bis zweijährige, die das Eltern-Kind-Zentrum (ElkiZ) Eggenburg jeden Donnerstag Vormittag anbietet.

Die Frage ist nur, ob es dieses Angebot auch in Zukunft in Eggenburg geben wird. Denn die Verantwortlichen des ElkiZ bangen derzeit um den Fortbestand der beliebten Institution, die junge Eltern mit ihren Kindern aus der gesamten Region rund um Eggenburg gerne in Anspruch nehmen. Denn: „Mittlerweile übersteigt der Aufwand unsere Mittel“, erklärt Sandra Fasching, die die Leitung des ElkiZ im Vorjahr von Margit Haider übernommen hat.

Warum ist der Bestand gefährdet? Als das ElkiZ vor elf Jahren gegründet wurde, sei alles auf ehrenamtliche Helfer aufgebaut worden. „Aber wir sind seither stark gewachsen. Wir können den Betrieb nur mit Ehrenamtlichen nicht mehr aufrecht erhalten“, sagt Fasching. Derzeit beschäftigt das ElkiZ lediglich eine 5-Stunden-Kraft. Die Lohnkosten für die 5-Stunden-Kraft werden durch die Unterstützung des Vereins „Mutter-Kind-Gruppe Eggenburg“, der sich in erster Linie über die Einnahmen beim Tauschmarkt finanziert, abgedeckt. Laufende Sachkosten wie Miete für die knapp 200m 2 großen Räumlichkeiten im Grätzl, Betriebskosten, Büromaterial oder Telefon können durch Kurseinnahmen, Förderungen und Spenden abgedeckt werden.

Die Spielgruppe für ein- bis zweijährige Kinder ist nur eines der zahlreichen Angebote des ElkiZ Eggenburg. Die Zielgruppen des größten Eltern-Kind-Zentrums Niederösterreichs sind werdende Eltern und junge Familien ebenso wie Familien in schwierigen Lebenslagen sowie Erwachsene und Senioren. Am Bild: Lorenz, Daniel, Irene Tutschek sowie Samuel und Sandra Fasching.Weikertschläger
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Der Aufwand für Organisation habe sich aber durch das vergrößerte Angebot stark erhöht. Derzeit erledigen Fasching und Haider die dafür notwendigen Arbeiten ehrenamtlich. Da Fasching demnächst nach Ende ihrer Karenzzeit wieder arbeiten gehen muss bzw. will („Ich will ja auch etwas zum Familieneinkommen beitragen“), müsse aber an einer Zukunftslösung gearbeitet werden.

Was braucht das ElkiZ? Um den Bestand des ElkiZ gewährleisten zu können, sei eine finanzielle Unterstützung in Form einer langfristigen Förderung oder Finanzierung von 80 Arbeitsstunden pro Woche notwendig, sagt Fasching. Dafür sei mit Personalkosten von 80.000 Euro (inkl. Lohnnebenkosten) pro Jahr zu rechnen. Neben der Schaffung von zwei Arbeitsplätzen könne damit auch ein weiterer Ausbau des stark nachgefragten Angebots erreicht werden.

Jetzt sind Fasching und Haider intensiv darum bemüht, Fördermöglichkeiten über das Land auszuschöpfen. Aber: „Es gibt verschiedene Fördertöpfe, aus denen wir etwas ausschöpfen könnten. Aber auch das erfordert wieder viel Arbeit und bürokratischen Aufwand.“ Dass man Unterstützung über öffentliche Einrichtungen braucht, ist für Fasching und Haider klar: „Wir wollen unser Angebot für alle Bevölkerungsschichten leistbar zugänglich machen. Eine Anhebung der Kursgebühren, um die anfallenden Lohnkosten zu decken, ist daher nicht sinnvoll“, sagen sie.

Diese Pläne haben die Verantwortlichen für das ElkiZ: Die beiden engagierten Damen wollen in ihrem Kampf um den Fortbestand der beliebten Institution nichts dem Zufall überlassen. Sie haben ein Konzept erarbeitet, wie man das ElkiZ in ein „Zentrum der Generationen“ bzw. ein Kompetenzzentrum mit weiteren Beratungsstellen umwandeln könnte. Schon jetzt werden etwa Sesselkreisübungen für Senioren angeboten, künftig will man verstärkt generationenübergreifende Angebote schaffen.

Leichter umsetzbar werden soll dieser Plan, wenn dem ElkiZ die seitens der Gemeinde bereits zugesagten ebenerdigen Räumlichkeiten des Kindergartens ab 2021 zur Verfügung stehen werden. Hier könnte man im Rahmen eines „Kompetenzzentrums“ Beratungsstellen – etwa über die Einbindung einer Familienberatungsstelle – schaffen. Im Bereich der Besuchsbegleitung (ElkiZ-Mitarbeiter begleiten Elternteile, die ihre Kinder nach Trennungen nur unter Aufsicht sehen dürfen) ist das ElkiZ bereits durch Haider aktiv, hier will man künftig aufgrund des immer größer werdenden Notwendigkeit das Angebot aber ausbauen. Auch Fasching absolviert eine Ausbildung, um künftig auf diesem Gebiet tätig werden zu können.

Ziehen andere Gemeinden mit? Eine Hoffnung von Fasching und Haider ist, dass künftig neben Eggenburg auch andere Gemeinden ins Boot geholt werden können. Denn das Einzugsgebiet des ElkiZ ist mit den Bezirken Horn, Hollabrunn, Mistelbach und Zwettl groß. Diese Hoffnung teilt auch Bürgermeister Georg Gilli, der dem ElkiZ seitens der Gemeinde Eggenburg Unterstützung zugesagt hat. Aber, so Gilli: „Es kann nicht an der Stadtgemeinde Eggenburg alleine hängen bleiben.“ Er hoffe daher, auf eine Kooperation mit anderen Gemeinden und auf Unterstützung durch das Land und den Familienbund.

Die ElkiZ-Bilanz. Derzeit bietet man hier 230 bis 250 Einzeltermine pro Jahr und gibt 35 Referenten die Chance, ihre Angebote umzusetzen. In den ersten zehn Jahren des Bestehens haben 40.000 Besucher die insgesamt 800 Angebote genutzt. Damit ist das ElkiZ Eggenburg bereits das größte Eltern-Kind-Zentrum in Niederösterreich.