Künstler Hans Wörtl: Nacktmull geht auf Reisen. Der Engelsdorfer Künstler Hans Wörtl setzte Idee, die 20 Jahre gereift ist, während Lockdown um.

Von Petra Hauk. Erstellt am 11. Juni 2021 (03:57)
„Seltsam - und doch kam es noch seltsamer...“ zitiert der vielseitige Engelsdorfer Künstler Hans Wörtl aus seinem Buch „Das Jahr des Nacktmulls“ (rechts oben), das er nach langer „Gärzeit“ in den Wochen der Ausgangsbeschränkungen fertiggestellt hat
Petra Hauk

Viel zu lachen gab es in den letzten Monaten wirklich nicht – umso schöner, dass der Künstler Hans Wörtl in seinem Engelsdorfer Atelier die stillen Wochen der Pandemie dazu genutzt hat, um ein lang gehegtes Projekt zu vollenden: eine gezeichnete Erzählung „für Menschen zwischen 0 und 100“ (so Wörtl), das vor Witz und skurrilen Einfällen nur so sprüht.

Parallelen Mensch-Insekt. Schon der Titel „Das Jahr des Nacktmulls“ macht neugierig. Was hat es damit auf sich – was ist überhaupt ein Nacktmull? „Mich interessieren besondere Lebewesen. Auch Menschen sind besondere Lebewesen, weil sie eigentlich ein Insektenverhalten haben“, erzählt der Künstler im Interview. „Seit 50 Millionen Jahren betreiben Insekten quasi Ackerbau und Viehzucht und bilden Staaten. Und der Nacktmull ist das zweite Säugetier, das nackt ist wie der Mensch, und dieses Verhalten zeigt. Das Nagetier lebt unterirdisch in sehr verzweigten Bauten, es gibt eine Königin, und das Leben ist organisiert wie in einem Insektenstaat.“ Zu Gesicht bekommt man Nacktmulle allerdings nicht so leicht, sie leben nur in einem relativ kleinen Gebiet in Afrika.

NOEN

Idee 20 Jahre gereift. 20 Jahre lang hatte Hans Wörtl die Idee zu diesem Buch im Kopf, aber der zündende Funke, um eine runde Sache daraus zu machen fehlte – bis die Wochen der Ausgangsbeschränkungen kamen. Plötzlich schrieb und zeichnete sich die Geschichte wie von selbst, erinnert sich Wörtl. Worum geht’s in dem Buch? Alles dreht sich um Cornelius de Mütz und seinen Nacktmull Rex, der wie ein Hund Gassi geführt wird und dabei schwierige Entscheidungen zu treffen hat, eine irre Weltreise unternimmt, viele interessante Personen und andere Nacktmulle trifft, bis am Ende schließlich alles gut wird.

„Machen Paradies zur Hölle“. „Ich lasse Sachen oft lange ruhen“, meint Wörtl zur Entstehungszeit des Buches. Bei dem vielseitigen Künstler gären nicht nur Gedanken, sondern auch oft Getränke, schließlich braut er selbst gerne Bier – die Geduld auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, ist Teil des kreativen Prozesses. „Themen, die mich schon lange beschäftigen: Dass wir hier auf der Erde das Paradies haben, und es wird zu einer Hölle gemacht“, schüttelt der ehemalige Hutmacher, der auch Einzelstücke für Drahdiwaberl Urgestein Stefan Weber fertigte, über so manche menschliche Eigentümlichkeiten den Kopf.

„Seltsam – und doch kommt’s noch seltsamer“, heißt es an mehreren Stellen des Buches: Denn zu Beginn liest man nur die rechte Seite des Buches, am Schluss dreht man die Erzählung um und verfolgt die erstaunlichen Abenteuer von Nacktmull Rex und seinem Herrl atemlos weiter. Was es mit Hollersekt, herumtreibenden Kokosnüssen und Spuckzielübungen auf sich hat, das sollte man am besten selbst lesen.

Die schönste Freude, entdeckt Cornelius de Mütz in diesem kleinen Wunderwerk des Frohsinns, ist es doch, anderen eine Freude zu bereiten. Hans Wörtl ist das mit dem Jahr des Nacktmulls auf ganz besonders berührende Weise gelungen.

Tipp: Neue Werke des Künstlers, aber auch das Buch „Das Jahr des Nacktmulls“ gibt es am Samstag, 26. Juni, 19 Uhr, bei „Kunst im Knochenwald“ in Neudegg 59 (bei Großriedenthal) zu bewundern.