Rotes Kreuz im Bezirk Horn mit Personal-Problemen. Für Ehrenamtliche wird es wegen Belastung immer schwieriger, Nachtdienste zu machen. Auch Fahrzeug-Kapazität an der Grenze.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 18. November 2020 (05:03)
Martin Amon, Bezirksgeschäftsführer des Roten Kreuzes Horn.
Martin Kalchhauser

Vor einer noch belastenderen Situation als während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr steht die Rot-Kreuz-Bezirksstelle Horn: Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird der Personalaufwand immer größer, gleichzeitig stehen dem Horner Roten Kreuz aber weniger personelle Ressourcen zur Verfügung als im Frühjahr.

Die Motivation unter den Mitarbeitern sieht Bezirksgeschäftsführer Martin Amon aber nicht gefährdet.

Mehr Fahrten, weniger Personal

Laut Amon stehe man jetzt vor der Situation, dass sich die Zahl der Einsatzfahrten – anders als beim Lockdown im März und April, als es weniger Fahrten zu bestreiten galt – derzeit auf „normalem“ Niveau bewegt. Im Vergleich zur „normalen Situation“ sei es aber erschwerend, dass derzeit auch corona-positive Patienten vom Roten Kreuz transportiert werden müssen, sagt Amon.

Die Sanitäter müssen daher nach Fahrten mit diesen Patienten die Einsatzfahrzeuge penibel säubern. „Und das dauert schon mal bis zu zwei Stunden, ehe die Rettungsfahrzeuge wieder einsatzfähig sind“, sagt Amon.

Parallel zur steigenden Zahl an Fahrten steht dem Roten Kreuz Horn derzeit aber weniger Personal zur Verfügung – nämlich um zwölf Mitarbeiter. Im Frühjahr wurden die Dienstzeiten der Zivildiener verlängert und es gab die Möglichkeit des außerordentlichen Zivildienstes. „Zusätzlich hatten ehrenamtliche Mitarbeiter, die wegen des Lockdowns beruflich weniger gefordert waren, mehr Zeit, sich zu engagieren. Auch die stehen uns jetzt nicht in diesem Ausmaß zur Verfügung“, erklärt Amon.

Nachtdienste: Vermehrt Hauptberufliche im Einsatz

Mit dieser Problematik einher geht die Tatsache, dass Nachtdienste immer häufiger mit hauptberuflichen Mitarbeitern besetzt werden müssen. Denn, so Amon: „Die Ehrenamtlichen müssen am nächsten Tag in die Arbeit. Wenn sie in der Nacht etwa drei Fahrten mit positiven Patienten haben – und dann drei Mal das Auto putzen müssen –, kommen sie nicht zum Schlafen. Das geht auf Dauer einfach nicht.“

Die in der Nacht eingesetzten Hauptberuflichen gehen dann aber andererseits für die Dienste untertags ab, zeigt Amon die Problematik auf.

Auch Fahrzeug-Kapazität an Grenze

Problematisch sei, dass teilweise auch lange Fahrten für einzelne Autos anstehen. So wurden in den vergangenen Wochen zwei Mal Patienten in das PSZW Eggenburg transportiert, dort wurden sie dann positiv getestet und mit dem Rot-Kreuz-Auto nach Hause geschickt.

„Wir mussten die Leute nach Braunau bzw. Graz bringen. Da fällt dann ein Auto gleich für einen ganzen Tag aus“, so Amon.

Sicherheit im Rot-Kreuz-Haus oberste Priorität

Bisher ist das Rote Kreuz Horn selbst laut Amon von Corona weitgehend verschont geblieben. Ein Zivildiener habe sich im privaten Bereich infiziert, andere Mitarbeiter hätten sich aber nicht bei ihm angesteckt. „Wir tun alles Menschenmögliche, dass es zu keinen Infektionen kommt“, spricht Amon das Tragen von Mund-Nasenschutz-Masken und die Verwendung von Desinfektionsmittel an.

Da die Sanitäter bei ihren Kontakten mit positiv getesteten Personen neben Masken auch Schutzbrillen, Schutzanzüge und Handschuhe tragen, sei es auch beinahe ausgeschlossen, dass sie sich auf diesem Wege infizieren können.

Schutzausrüstung als Handicap

Dabei mache diese umfangreiche Schutzausrüstung den Mitarbeitern die Arbeit in mancher Hinsicht nicht leichter, erzählt Amon.

Etwa bei den angesprochenen langen Fahrten sei es „heftig“, den Schutzanzug für mehrere Stunden zu tragen. „Unter anderem auch, weil man damit nicht einmal aufs Klo gehen kann“, so Amon.

„Situation wird nicht leichter

Dass sich die Situation für seine Mitarbeiter schon bald entspannen wird, glaubt Amon nicht. Bis eine Impfung zur Verfügung stehen wird, werde es noch einige Monate dauern und schon jetzt sei besonders die Dauer der Krise für seine Mitarbeiter das größte Problem.

Auch wenn die Disziplin der Bevölkerung, was die Einhaltung der Maßnahmen betrifft, nicht mehr so stark sei wie beim ersten Lockdown, müsse es gelingen, die „Kurve zu kriegen“.

Sparkasse unterstützt Rotes Kreuz

Unterstützung erhält das Rote Kreuz nun übrigens von der Horner Sparkasse. Die stellt 5.000 Euro für die Anschaffung eines „Desinfektor-Verneblers“ zur Verfügung, mit dem künftig die Autos gereinigt werden sollen.

Mit diesem Gerät, das diese Woche übergeben wird, werden laut Amon Viren zu 100 Prozent abgetötet. Es zeichnet sich durch leichte Handhabe aus und kann so künftig die zeitintensive Putz-Arbeit der Sanitäter obsolet machen.