Sternstunde der Musik in Geras. Junge Talente „auf dem Sprung zur Weltklasse“ bewiesen in Geras, dass sie auf ihrem Weg schon weit sind. Begeisterung der Zuhörer wollte kein Ende nehmen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 01. August 2017 (13:39)
Machten das Konzert im Marmorsaal des Stiftes Geras zu einem besonderen Erlebnis: Dirigent Robert Lehrbaumer, Soley Blümel, Sayoko Akimoto (Klavier), Darya List und Naoko Matsui (v.l.) sowie Milana Nosek (Bild im Text unten).
Martin Kalchhauser

„Wenn man‘s drauf hat, macht es Spaß!“ Robert Lehrbaumer, der mit dem Vienna International Orchestra der Altenburger Musikakademie (AMA) schon zum vierten Mal bei „Geras klingt“ zu Gast war, brachte es auf den Punkt. Die jungen Talente, die mit dem Klangkörper musizierten, „hatten es drauf“ und machten damit nicht nur sich selbst, sondern auch dem begeisterten Publikum Spaß.

Die Klammer bildete das Orchester, das Lehrbaumer sehr einfühlsam und mit perfekter Gestik führte. Es war sowohl für den Auftakt mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie Nr. 29 (Köchelverzeichnis 201) als auch für den Schlusspunkt (eine Zugabe mit dem letzten Satz aus selbigem Werk) verantwortlich. Wenn die Musiker im Zuge des Abends auch von den jungen Talenten ein wenig in den Hintergrund gedrängt wurden, boten sie doch eine zu Recht heftig akklamierte Leistung.

Milana Nosek
NOEN

Ein Erlebnis für sich waren natürlich die jungen Talente, die die Zuhörer in den Bann zogen. Da glänzte die Pianistin Milana Nosek bei Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 (KV 414) einerseits mit Perfektion, andererseits auch mit ansteckender Spielfreude, die sie im Rondeau (3. Satz) voll ausleben konnte.

Die (erwachsene) Pianistin Sayoko Akimoto, die Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 gefällig spielte, konnte sich manchmal gegenüber dem Orchester etwas schwer behaupten.

Kurze Beine machten Spezialanfertigung nötig

Für die erst neunjährige Tastenvirtuosin Soley Blümel musste ihr Vater vor dem Auftritt erst eigens ein kleines Podest mit einer „Verlängerung“ für die Pedale am Steinway-Flügel montieren. Doch dann legte das Talent mit Yuri Polunins „Concertino für Klavier und Streichorchester“ los und eroberte die Herzen der Musikfreunde im Sturm. Egal, ob es Läufe in atemberaubendem Tempo zu spielen galt oder darum ging, immer wieder überzugreifen: Es saß einfach alles perfekt.

Eine Besonderheit bot die japanische Violinistin Naoko Matsui. Mit dem Sommer aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ gab sie zwar ein bekanntes Stück zum Besten – allerdings in Originalversion, wie Lehrbaumer zuvor betont hatte. Wer bisher die (nur in Details) manchmal falsch interpretierte „übliche“ Darbietung kannte, mag überrascht gewesen sein. Die perfekte Leistung stand auf dem Instrument aber auch bei dieser Künstlerin außer Streit.

Last but not least: Erst elf Jahre jung ist Darya List, die sich zum Schluss mit Mozarts Violinkonzert Nr. 3 (KV 216) nahtlos in die Top-Leistungen des Abends einreihte. Sie vermittelte nicht nur große Virtuosität, sondern glänzte auch durch mitreißende Spielfreude.

Diesen Talenten wird man wohl noch des Öfteren auf den Bühnen verschiedener Konzerthäuser begegnen. Den Zuhörern blieb im Verlauf der Sternstunde(n) der Musik mehrmals vor Staunen der Mund offen. Sie dankten für das Gebotene mit frenetischem Applaus. Ausnahmslos alle Gäste im Marmorsaal hätten da gerne noch mehrere Stunden lang zugehört.