Langzeitkommandant Angerer nach 20 Jahren weg. Stifter folgt bei FF Eggenburg Langzeitkommandant Angerer. Der erhielt Ehrennadel der Stadt in Gold.

Von Petra Hauk. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:45)
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Christian Angerer übergab nach 20 Jahren an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Eggenburg den Kommando-Helm an seinen Nachfolger Christof Stifter.
Petra Hauk

Sie sind wie das Schweizer Taschenmesser unter den Blaulichtorganisationen – sie können fast alles: Die Rede ist von der Freiwilligen Feuerwehr: ob Wassergebrechen, Fahrzeugbergung, Tierrettung, Brandverdacht oder technische Hilfeleistungen – in unzähligen Situationen ist die Feuerwehr mit helfender Hand die Nummer eins vor Ort und Stelle.

Die Eggenburger Wehr leistete im Vorjahr 123 Einsätze, 53 Übungen, Schulungen und Kurse und 391 Tätigkeiten im Feuerwehrdienst mit 4.185 Stunden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Daher blickte man bei der Mitgliederversammlung mit berechtigtem Stolz auf das vergangene schwierige Jahr 2020 zurück – mit einem lachenden, aber auch mit einem weinenden Auge.

Angerer übergab an Stifter. Das weinende Auge hat mit dem Abgang des charismatischen Kommandanten Christian Angerer zu tun: Nach 20 Jahren in Amt und Würden schaltet der vielfach ausgezeichnete Würdenträger einen Gang zurück und übergab die Schlüssel am 9. Jänner in der Stadthalle Eggenburg nach einstimmiger Wahl an seinen bisherigen Stellvertreter Christof Stifter.

Angerer, Jahrgang 1963, war schon als 12-jähriger Mitglied bei der Feuerwehrjugend und kletterte neben seiner Berufsausbildung als Kriminalbeamter im 1. Wiener Gemeindebezirk rasch die Karriereleiter hinauf: Seit 2016 ist er auch Bezirksfeuerwehrkommandant des Bezirkes Horn. Diese Funktion will Angerer auch weiter ausüben, gewählt wird am 20. Februar.

Kommandant kein „Sesselpicker“. Warum er sich zum Schritt in die zweite Reihe in Eggenburg entschlossen hat, erklärt er so: „Viele Feuerwehren haben Probleme mit dem Nachfolgekommandanten, wie man auch den Medien entnehmen kann. Ich habe gesagt, wenn ich einen Stellvertreter habe, der die Voraussetzungen erfüllt, dann werde ich mich zurückziehen.“ Das heiße nicht, dass er bei der Feuerwehr in Eggenburg aufhöre oder ausscheide, er bleibe „normales Feuerwehrmitglied“. Er möchte kein Sesselpicker sein, denn dann übersehe man eines: „Plötzlich ist man 65, die Zeit läuft rasant, und dann hat man jemanden verloren, der eine Führungsaufgabe freiwillig übernimmt – das ist in unserer Zeit sehr selten. Das hat mich zu diesem Entschluss bewogen.“

Die breite Palette an Hilfsleistungen, die die Feuerwehr Eggenburg abdeckt, war ihm immer großes Anliegen: „Wenn etwas Neues aufgetaucht ist, haben wir uns immer damit beschäftigt. Als etwa Türöffnungen notwendig wurden, weil immer mehr Leute Notrufuhren haben, halfen wir rasch, oder auch bei Schadstoffunfällen. Es ist sicher ein großer Vorteil, dass ich selbst als Ausbilder im Bezirk tätig war und auch in der Landesfeuerwehrschule vortrage, da hat man sicher einen Wissensvorsprung“. sagte Angerer. Diese Tätigkeiten will er auch weitermachen, bestätigt er auf Nachfrage: „Der Ausbildung bleibe ich weiter erhalten, weil das die interessanteste Art ist, Wissen zu vermitteln.“

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Bürgermeister Georg Gilli (2. v. l.) gratulierte dem neuen Kommando der FF Eggenburg mit Christof Stifter, Stefan Gundinger und Michael Haas (v. l.).
Petra Hauk

Neuer mit viel Routine. Wer ist der „Neue“? Christof Stifter ist als bisheriger Stellvertreter von Angerer kein Unbekannter. 1986 in Eggenburg geboren, 1996 der Feuerwehrjugend beigetreten, nach fünf Jahren überstellt in den Aktivdienst, ist er seit 2011 Kommandant-Stellvertreter, nun steht er an der Spitze. In seiner Freizeit ist er sehr sportlich unterwegs: Motorradfahren, ob Enduro oder Motocross, und Laufen gehen stehen auf dem Programm, wenn es die Zeit erlaubt.

Dass Stifter seinem Vorgänger in puncto Führungsqualitäten in nichts nachsteht, bewies er in seiner Rede nach der Wahl: „Was kann ein Kommandant alleine tun? Nichts. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert, aber der Zusammenhalt ist gleichgeblieben, ich glaube an euch alle!“

Mannschaft als Stütze, Feuerwehrhaus vor Fertigstellung. Welcher Einsatz hat ihn 2020 besonders berührt? Christof Stifter: „Da war ein besonders schwerer Autounfall mit tödlichem Ausgang, der uns nachhaltig beschäftigt hat.“ Wie geht er mit belastenden Eindrücken um? „Es gibt Feuerwehrpeers“, so Stifter, „aber das Wichtigste ist, dass man nach dem Einsatz mit der Mannschaft spricht. Das hilft einem über schwierige Erlebnisse hinweg.“ 2021 werden diese Gespräche im hoffentlich fertigen Feuerwehrhaus stattfinden (die NÖN berichtete über die Bauarbeiten). „Vor allem beim Altbau, den wir renovieren, stecken wir noch voll in den Arbeiten drinnen. Wir hoffen, dass es spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 fertig wird.“

Gundinger ist Stellvertreter. Als Stellvertreter Stifters wurde Stefan Gundinger, der bisher schon 2. Kommandant-Stellvertreter war und ebenfalls langjähriges Mitglied ist, gewählt. Zum Verwalter wurde wieder Michael Haas bestellt.

Auszeichnung für Angerer. Ein berührender Moment war die Übergabe der goldenen Ehrennadel der Stadt durch Bürgermeister Georg Gilli – immerhin die zweithöchste Auszeichnung, die Eggenburg zu vergeben hat. Angerer hielt die Urkunde hoch und wandte sich an seine Teamkollegen: „Die gehört uns allen!“, Worte, die mit stürmischem Applaus bedacht wurden.

Nach der emotionalen Versammlung gab’s leider nicht wie gewohnt Bier und Schnitzel – aber das, verspricht der neuen Chef Stifter mit einem Augenzwinkern, wird auf jeden Fall nachgeholt.