Plädoyer für die Bürgerrunde in Gars. Von Bürgern geschätzte Institution soll nach Pause, bedingt durch den Tod ihres Gründers, weitergeführt werden.

Von Georgia Kazantzidu. Erstellt am 04. Februar 2021 (04:45)
Auf die 500. Bürgerrunde stießen am 4. April 2019 Julius Kiennast, Anton Schrammel, Bürgermeister Martin Falk und Alexander Höchtl (von links) im Stadel des „Goldenen Hirschen“ an.
NÖN-Archiv/Gerhard Baumrucker

Die Weiterführung dieser traditionsreichen, wichtigen Institution „Bürgerrunde“ ist vielen Garsern ein Anliegen. Diese Treffen sollen nun nach Entspannung der Corona-Situation weitergehen, was auch Bürgermeister Martin Falk befürwortet. Sein Vorgänger, der vor Kurzem verstorbene Anton Schrammel, hatte sie begründet und 43 Jahre lang geleitet. Die Letzte war im Jänner 2020.

„Es wird sicher wieder eine Bürgerrunde geben“, berichtet Alexander Höchtl, Obmann des Vereins für Tourismus und Wirtschaft, dem Trägerverein der Bürgerrunde. Im Vorstand werde der weitere Verlauf besprochen. Natürlich müsste man die jetzige Situation berücksichtigen, da durch den Lockdown vieles nicht möglich ist. Auch müsse man schauen, in welcher Form man die Bürgerrunden abhalten kann und welche Kandidaten zur Verfügung stehen.

Moderatoren sollen einander abwechseln

„Ich könnte mir vorstellen, dass es abwechselnde Moderatoren gibt, und auch der Bürgermeister mitunter die Runden abhält“, so Höchtl. Für ihn sei wichtig, dass diese Plattform überparteilich ist und der Zugang für alle Bürger und ihre Anliegen gegeben bleibe. Sie soll ein Sprachrohr auch für kleinere Themen der Bürger sein, die sich dort in einer neutralen ungezwungenen Atmosphäre ohne Amtscharakter austauschen, Ideen oder Anliegen vorbringen und auf Probleme hinweisen können. Höchtl: „Das ist gelebte Demokratie. Jeder Bürger ist eingeladen, sich einzubringen.“ Höchtl findet die Abwechslung der Lokalität besonders wichtig, da man auch regional verschiedene Themen aufgreifen könne. Die Leute sollen einen Anspruch auf Thematiken im Bereich der Katastralgemeinde haben.

Für Einbindung des Gemeindevorstands

Für eine Lokalrochade, so wie es bis jetzt war, spricht sich auch der Garser Wirtschaftstreibende Werner Groiß aus. Auch er habe viele Ideen, wie man die Bürgerrunden weiter gestalten könne. Er könne es sich gut vorstellen, dass ein Mitglied des Gemeindevorstandes den Bürgern gewisse wichtige Belange bei den Bürgerrunden näherbringe. Es gebe sicher viele spannende und interessante Themen. „Darüber hinaus finde ich es gut, wenn sich abwechselnd Vortragende zum Beispiel seitens der Wirtschaft oder der Vereine, die sicher Interessantes zu berichten hätten, einbringen.“ Er selbst sei grundsätzlich sehr gerne dabei und würde seine Inputs geben.

Bürgerrunde auch im Atelier Gräff möglich

Der Zitternberger Künstler Matthias Laurenz Gräff könnte es sich vorstellen, in seinem Atelier Runden zu veranstalten: „Da es in Zitternberg kein Gasthaus mehr gibt, hatten Schrammel und ich die Idee, alternierend zu den Bürgerrunden in Gasthäusern solche im Atelier durchzuführen. Leider konnte diese Idee zu seinen Lebzeiten nicht mehr verwirklicht werden“. Gräff habe zwar keinen Gasthausbetrieb, hätte jedoch durch andere Veranstaltungen im Atelier positive Erfahrungen gemacht. „Bei uns ist das Essen zwar gratis, aber es schmeckt trotzdem gut“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Auch wenn die Corona-Situation momentan ein Hindernis darstellt, so dürfte die Zukunft der Bürgerrunde gesichert sein. Was vor 44 Jahren begann und mit großartigem Engagement von Altbürgermeister Anton Schrammel geleitet wurde, soll also gemäß der langen Tradition weitergeführt werden.

Sind sich einig, dass die traditionsreiche „Garser Bürgerrunde“ weiterhin bestehen soll: Alexander Höchtl (links), Obmann des Vereins für Tourismus und Wirtschaft, und Bürgermeister Martin Falk.
Georgia Kazantzidu