Interview mit Felix Werle: „Man braucht nicht viel zum Loslegen“

Felix Werle ist Physiotherapeut in Frauenhofen. Mit der NÖN sprach er über Bewegung und Sport im Winter und wie man damit am besten anfängt.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 04:57
Lesezeit: 3 Min
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Physiotherapeut Felix Werle empfiehlt besonders im Winter viel Bewegung, da sonst das Immunsystem und sogar die Konzentrationsfähigkeit leiden.
Foto: privat

NÖN: Ist Bewegung im Winter besonders wichtig?

Felix Werle: Generell ist Bewegung das ganze Jahr über wichtig. Im Winter, wo immer wieder diverse Krankheiten lauern, ist es aber noch wichtiger, die Abwehrkräfte mit Bewegung zu stärken.

Wie viel Sport sollte man im Idealfall machen?

Werle: Man kann sich sehr gut am Vorschlag der Weltgesundheitsorganisation orientieren. Die WHO empfiehlt 150 Minuten Bewegung mit mittlerere Intensität wie zum Beispiel Spazieren gehen oder 75 Minuten bei hoher Intensität wie Laufen. Dazu sind auch zwei Einheiten Krafttraining in der Woche empfohlen.

Welche Sportarten eigenen sich besonders gut, um im Winter fit zu bleiben?

Werle: Wenn‘s die Witterung zulässt, ist das Laufen natürlich eine der besten Formen des Ausdauertrainings. Wenn das nicht so gut geht, wäre natürlich auch das Nordic Walken eine Alternative. Das kann man je nach körperlichem Zustand mal mehr mal weniger intensiv gestalten. Speziell im Winter ist auch das Langlaufen perfekt für die Ausdauer.

Gibt es etwas, das man bei Sport bei kalten Temperaturen oder gar Minusgraden besonders beachten sollte?

Werle: Wenn man untrainiert ist, sollte man auf jeden Fall langsam starten. Im Idealfall holt man sich vorher auch den Rat eines Trainers oder Physiotherapeuten, wie man das am besten angeht, damit nicht sofort eine Überlastung auftritt. Augenmerk sollte auch auf der richtigen Kleidung liegen. Die Kleidung sollte funktionell sein, warm halten und gleichzeitig den Schweiß von der Haut reduzieren.

Lieber zu dick als zu dünn anziehen, oder ist nur die goldene Mitte richtig?

Werle: Das ist bei jedem anders. Manche Menschen sind eher von der kühleren Sorte, andere frieren sofort. Wichtig ist nur, dass man keine nasse anliegende Kleidung anhat, weil dann die Erkältungsgefahr dementsprechend groß ist.

Für alle die die Kälte scheuen – wie kann man in den eigenen vier Wänden am besten fit bleiben?

Werle: Im Bereich des Ausdauertrainings ist ein Heimfahrrad natürlich eine gute Möglichkeit, die man im Winter sehr gut nutzen kann. Sonst bietet sich Krafttraining an. Man kann den Körper mit dem eigenen Körpergewicht wunderbar kräftigen. So kann man sich von Therapeuten oder Trainern durchaus Übungen für daheim holen. Auch im Fernsehen gibt es Sendungen wie „Fit mit Philipp“, wo super Übungen für zu Hause gezeigt werden. Man braucht nicht viel. Maximal eine Matte und den eigenen Körper und kann schon loslegen.

Was kann man Menschen empfehlen, die (gezwungenermaßen) viel sitzen?

Werle: Man sollte trotz sitzender Tätigkeit so viel Bewegung wie möglich machen. Dazu gehört immer wieder aufstehen und danach die Sitzposition wechseln. Keine schlechte Idee ist es auch, den Sessel selbst auszutauschen und zum Beispiel mal auf einem Gymnastikball zu sitzen.

Welche Risiken birgt ein Mangel an Bewegung im Winter?

Werle: In erster Linie natürlich Leistungseinbußen. Das muss nicht unbedingt nur auf den Sport bezogen sein. Auch bei jemandem, der normalerweise keinen Sport betreibt, kann dadurch schneller Müdigkeit eintreten. Es ist auch bewiesen, dass die Konzentrationsfähigkeit nachlässt, wenn man zu wenig Bewegung macht. Zu guter Letzt ist auch die Infektionsanfälligkeit für Krankheiten höher.