Russen-Medaille im Garten gab Rätsel auf. Mitarbeitermarke aus 2. Weltkrieg dürfte von sowjetischer Schiffswerft stammen.

Von Gerhard Baumrucker. Erstellt am 29. November 2017 (05:26)
Eine Plakette mit russischer Inschrift fand Rupert Schiedlbauer in seinem Garten in Thunau und verwahrt sie seitdem sorgsam in einer Schatulle.
Gerhard Baumrucker

Bei Gartenarbeiten stieß Rupert Schiedlbauer vor einiger Zeit auf ein kleines silberfarbenes Metallstück. Nach sorgfältiger Reinigung der vermeintlichen Medaille waren darauf ein Arbeiter mit Schmiedeschürze, ein Amboss, ein Anker, eine Werkshalle und die Nr. 2815 erkennbar. Eine kyrillische Inschrift ergibt übersetzt: genannt Andre Marty Nikolaew. Es handelte sich offenbar um eine Mitarbeitermarke.

Fund gab im Bezirk Horn Rätsel auf: Eine sowjetische Mitarbeitermarke aus dem 2. Weltkrieg.
NOEN

Nachforschungen im Internet führten zu einer Schiffswerft namens Andre Marty, die während des Zweiten Weltkriegs als Gefangenenlager 126 für deutsche Kriegsgefangene fungierte. Zuvor hatte die deutsche Wehrmacht die Werft genutzt und ebenfalls als Kriegsgefangenenlager eingesetzt.

Nun zum Namen: André Marty war ein französischer Kommunist, Politiker und Journalist. Als leitender Maschinist der französischen Schwarzmeerflotte unterstützte er aktiv die sowjetrussische Rote Armee, wodurch er zum Helden der Sowjetunion und des Kommunismus generell avancierte. Ihm zu Ehren erhielt die Werft in der heutigen ukrainischen Stadt Mykolajiw seinen Namen.

„Mir ist es ein Rätsel“, sagt Rupert Schiedlbauer, „wie diese Plakette in meinen Garten kam. Bei uns im Haus und im Garten waren nie russische Soldaten. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang mit dem damaligen Russenlager im Burgholz oder mit der Firma Häusermann, die sich ja auf der gegenüberliegenden Kamp-Seite befindet und damals ein sogenannter USIA-Betrieb, also ein von den Russen beschlagnahmter Betrieb, war.“