Petra Werger: „Pferde sind wie Menschen“. Die Garserin Petra Werger ist nicht nur Ärztin, sondern bietet auch tiergestützte Therapie mit ihren Pferden an.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 27. August 2021 (15:03)

„Pferde sind wie Menschen: So, wie man auf sie zugeht, so reagieren sie auch“, zieht die Garser Ärztin Petra Werger einen Vergleich, der sich bei einem Besuch im Reitstall von Eva Pfaller in Reinprechts pölla nur bestätigt: Nähert man sich ihnen mit freundlichen Gesten, streichelt sie am Hals („Bitte nicht gleich im Gesicht, das wollen wir ja auch nicht!“), nehmen sie das mit einem Nicken zur Kenntnis, besteht man auf Distanz, indem man beide Arme vor sich ausstreckt, folgen sie bereitwillig.

Erstes Pferd mit 18. Mit zwölf Jahren saß Werger zum ersten Mal auf einem Pferd, mit 18 hatte sie ihr erstes eigenes und lernte nicht nur, wie man mit Pferden umgeht („Am Edelhof Zwettl habe ich in der Abendschule für Bäuerinnen und Bauern die Ausbildung zur Landwirtschaftlichen Facharbeiterin gemacht!“), sondern studierte auch in vielen Kursen unter anderem Integrative Voltigier- und Reitpädagogik am Schottenhof Wien, Tiergestützte Therapie am Bauernhof (Green Care ÖKL) und besuchte verschiedene Kurse im In- und Ausland zum Thema Natural Horsemanship.

Diese Kenntnisse und Erfahrungen gibt sie mit ihren vier Lieblingen, der Pinto-Stute Olympia („Sie will genau wissen: Was willst du von mir?“), dem Bayrischen Warmblut Mozart („Er ist der Sanfte, der Herr Professor.“) und den beiden Friesen Bodo („Steht für Abgrenzung, für Klarheit.“) und Baro („Steht für Introvertiertheit.“) weiter. Und die Klienten, die zur Therapie kommen, werden entsprechend ihren Bedürfnissen einem der vier Tiere zugeteilt.

Therapie für Kinder und Erwachsene. Wer kommt zur Therapie? „Kinder ebenso wie Erwachsene“, klärt Werger auf. „Und beide spüren schon nach wenigen Schritten, dass es ihnen besser geht, dass sie in eine Harmonie mit dem Pferd kommen.“ Kinder können mit Hilfe der Pferdetherapie etwa zur Ruhe kommen oder das Selbstwertgefühl steigern, Erwachsenen hilft es bei Burn Out („Pferde sind gleichsam das ,Rastbankerl‘“.) oder bei Depressionen.

Keine Angst vor Pferden! Für Werger ist es wichtig, dass sie die Pferde und deren Verhalten den Menschen näher bringt, denn „Pferde sind wie ein Spiegel, reflektieren den Menschen. Mit ihnen kann man gut arbeiten, braucht keine Angst vor ihnen zu haben“. Für sie selbst sind sie Ausgleich zum Beruf – Werger arbeitet in der Ordination von Birgit und Harald Dollensky und an der Interdisziplinären Aufnahmestation (IAS) im Landesklinikum Horn. Hier macht sie meist Nachtdienst, denn die Pflege ihrer Lieblinge – Hündin Emma behält Werger und die Pferde genau im Auge – ist sehr aufwendig: „Manchmal denke ich mir, der Tag sollte 48 Stunden haben, denn neben der normalen Stallarbeit brauchen meine vier Lieblinge viel Zuwendung. Und natürlich Schulung für die Therapiestunden.“

Viel Herzblut. Das Zeitproblem ist für sie allerdings nicht wirklich eines: „Es steckt so viel Herzblut, so viel Leidenschaft drinnen. Man spürt das Vertrauen, das man ihnen entgegenbringt, und es kommt so viel zurück.“