„Arische“ Weinbrüder: „Wir sind keine Nazis!“. Provokation: Verein hat Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen, erreicht. Wissenschaftler sieht Indiz für antisemitische Gesinnung.

Von Martin Kalchhauser und Karin Widhalm. Erstellt am 10. März 2015 (10:08)
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Johann Weinzettl mit den Farben und einem Produkt der KulinArischen Weinbruderschaft Gars: »Wir sind keine Nazis, und ich bin stolz, ein Arier zu sein. Das ist nichts Böses. Und wäre ich ein Indianer oder ein Neger, wäre ich auch stolz drauf!« Foto: Martin Kalchhauser
NOEN, Martin Kalchhauser
Für heftige Debatten sorgte das Bekanntwerden der „KulinArischen Weinbruderschaft Gars“. Das große „A“ im Namen des Vereins fällt auf.



Er sieht sich nach Eigendefinition als Wahrer „althergebrachter Werte und Traditionen“, aber auch als Pfleger der Gemeinschaft und Geselligkeit auf hohem Niveau. Der Verein mit Sitz auf der Burg Gars-Thunau möchte „aus der grauen Masse der gegängelten und angepassten Individuen herausragen“.

„Großes A ist Persiflage auf das ,Binnen-I‘!“

Während Rechtsextremismusforscher Bernhard Weidinger im Kurier im Auftreten des Vereins ein „Indiz für antisemitische Gesinnung“ sieht, findet Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk „nichts, das gegen das Verbots- oder Verhetzungsverbot verstößt. Aber harmlos schaut die Homepage nicht aus!“



Gründer Johannes Widmayer, Zahnarzt in Retz und FPÖ-Kandidat bei Wahlen in Gars, will keine Auskunft geben. „Ich glaube, das ist nicht gut.“ Warum? „Weil ich die Einstellung der Zeitung kenne.“

Gesprächiger ist da Johann Weinzettl aus Gars. Der frühere Horner FPÖ-Bezirkschef gibt zu, dass sich der Verein als „Arische Weinbruderschaft“ registrieren lassen wollte. Doch das verwehrte die BH Hollabrunn. Also nennt man sich „kulinArisch“. „Das ist auch eine Persiflage auf das Binnen-I“, so der frühere Bundesheer-Major. „Wir sind keine Nazis! Wir wollen uns nur aus der Masse herausheben.“

Unter den rund 50 Mitgliedern seien viele Akademiker. Man führe niveauvolle Gespräche und genieße „gutes Essen und gutes Trinken“. Er sei stolz darauf, ein Arier zu sein, und bezeichnet sich wörtlich als „Rassist im positiven Sinn. Ich anerkenne jede Rasse!“

„Nazi-Schrift“ und deutsche Farben

Das Erscheinungsbild der Vereinsseite mutet bedenklich an. Es findet sich nicht nur „arisch“ nach wie vor im Wappen des Vereins, sondern die Texte sind in gotischer Schrift verfasst, die in der Nazi-Zeit zu zweifelhaften Ehren kam. Und die Farben Schwarz, Rot und Gold, wie sie in der deutschen Nationalflagge enthalten sind, dominieren.

„Die Schrift hat es doch schon lange vor den Nazis gegeben“, lässt Weinzettl auch den Einwurf, sie sei eben wegen dieses Abschnitts der Geschichte belastet, nicht gelten: „Die Beurteilung, dass etwas ,belastet‘ ist, wird dauernd missbraucht!“ Die Schrift sei einfach schöner.

Zur „deutschen“ Optik: Als freiheitsliebende Menschen habe man sich die Farben des Lützowschen Freikorps gegeben, das gegen Napoleon gekämpft habe. Dieses hatte schwarze Uniformen mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen.

„Wir sind eine lustige, illustre Gesellschaft, haben uns der hedonistischen Weltanschauung verschrieben und fördern Genüsse auf hohem Niveau“, betont Weinzettl. Man wolle Geschäfte (Vertrieb von Wein aus der Region) machen. Diesbezüglich sei die Rechnung dank der Aufregung aufgegangen. „Wir haben sensationelle Zugriffszahlen auf unsere Homepage. Wenn da nur jeder eine Flasche Wein kauft, ist das großartig.“

Auch die Hollabrunner NÖN berichtet:


Was ist „arisch“?

Mit dem Begriff „arisch“ (aus dem Sanskrit – ursprünglich für „wohlgefügt“) sind völkerkundlich und sprachwissenschaftlich vielfältige Bedeutungen verknüpft. Publikumswirksam ist er durch die rassistischen Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts negativ belegt und geläufig, insbesondere durch die pseudowissenschaftliche Rassentheorie der NS-Diktatur, die zum Genozid (Völkermord) an ethnischen und religiösen Minderheiten führte.