Übrig gebliebenes Bier darf nicht im Müll landen. Christian Buhl aus Gars ist Chefkoch bei Stiegl – und rettet übrig gebliebenes Bier vor der Entsorgung.

Von Georgia Kazantzidu. Erstellt am 26. März 2021 (04:29)
Der Garser Christian Buhl ist Chefkoch bei Stiegl – und verkocht derzeit heuer auf den Skipisten nicht verbrauchtes Bier.
privat, privat

Not macht erfinderisch: Tausende Fässer Bier wurden diesen Winter an den österreichischen Skipisten nicht verbraucht. Die gemeinnützige Gesellschaft ‚anderskompetent gmbh‘ und die Stiegl-Brauerei sehen darin eine Riesenchance und starteten gemeinsam ein Kreislaufwirtschaftsprojekt – und mittendrin ist auch der Garser Christian Buhl. Er ist Chefkoch der Stiegl-Brauerei.

Lebensmittel sind Mittel zum Leben und sollten genossen und nicht weggeschmissen werden, heißt es aus der Brauerei. Daher kommt das gemeinsam mit ‚frauenanderskompetent‘ entwickelte Projekt gerade zur rechten Zeit. Diese Initiative, die vom AMS Salzburg gefördert wird, will Frauen wieder in den Arbeitsmarkt bringen. Sie werden ein Jahr lang angestellt und ausgebildet, etwa in der Gastronomie. Dass die Frauen, die hier neben Fachbetreuern in der Küche stehen, nun Stiegl-Bier verkochen, liegt an der Betriebsleiterin Susanne Erhart. Ihrer Grundidee, Lebensmittel, die noch gut sind, vor der Mülltonne zu retten hat sich auch der Chefkoch Christian Buhl angeschlossen. Der 43-jährige Garser, der hier die Volksschule und die Hauptschule absolviert hat, hat in vielen renommierten Unternehmen gearbeitet.

NÖN: Jetzt gibt es dieses Projekt „frauenanderskompetent“ in Kooperation mit Stiegl. Waren Sie bei der Ideenfindung mitbeteiligt?

Christian Buhl: Ich war gleich, nachdem die Idee geboren wurde, involviert. Also ich war bei der Umsetzung schon mit dabei. Wir haben mit den Köchen von Schmaus & Browse – ein sozioökonomischer Betrieb der ‚anderskompetent gmbh‘ – akribisch miteinander gekocht.

Wie sehen Sie diese Initiative, Lebensmittel zu retten?

Buhl: Dieses Projekt ist ein Grundstein und Vorreiter. Das ist ein Vorzeigeprojekt, ich finde, es ist sehr wichtig, gerade in Zeiten, wo die Gastronomie solche Einbußen hat, dass Produkte, die ohnehin bereits produziert wurden, wieder verwertet werden können.

Nachdem heuer das Bier aufgrund des Lockdowns in den Skihütten und Schirmbars nicht konsumiert werden konnte, sind es ein paar Tausend Fässer Bier, die zurückgenommen wurden. Was machen Sie damit?

Buhl: Wir verarbeiten das Bier zu Biersuppe, zu Bier-Jus, und zu einem „Bierup“ – das ist ein alkoholfreier Sirup. Ich hoffe, dass diese Idee, dieses Vorzeigeprojekt, viele aufgreifen werden.

Wo werden diese Produkte gekauft?

Buhl: Die Institution „frauenanderskomptent“ haben diese Produkte zur Überprüfung gegeben, das ist eine Standardprozedur. Anschließend kommen die Produkte vor Ort in den Handel. Es gibt aber bereits Gespräche mit Lebensmittelgroßhändlern, die diese dann eventuell in den Handel aufnehmen. Wir werden die Produkte auch im Stiegl-Online-Shop anbieten.

Sie haben Ihre Lehre bei Willi Dungl gemacht. Wie sind Sie generell auf die Lust am Kochen gekommen?

Buhl: Ich habe schon immer aus großer Leidenschaft gekocht. Das hat mich immer verfolgt, und Gott sei Dank sehr weit gebracht. Ich war 20 Jahre unterwegs, unter anderem ein Jahr in den USA, bis ich jetzt nach Salzburg gekommen bin.

Sie haben in vielen renommierten Unternehmen gearbeitet ...

Buhl: Ja, genau. Ich habe für Eckart Witzigmann im Palazzo gearbeitet, und habe für ihn nebenbei sehr viele Veranstaltungen gemacht und organisiert. Ich habe mit Helmut Österreicher das Hotel Loisium in Langenlois eröffnet. Anschließend war ich für ihn im Museum für Angewandte Kunst am Stubenring in Wien. Ich habe dann für ein Jahr in Mackinac Island im Norden von Michigan in den USA gearbeitet.

Wo hat Ihnen am besten gefallen?

Buhl: Es war überall schön! Ich habe immer das Positive herausgesucht. Bei Stiegl bin ich noch nicht sehr lange dabei, habe im Jänner begonnen. Wir sind hier sehr gut im Vorbereiten und Umsetzen von sehr vielen Konzepten.

Wie stark sind Sie noch mit ihrer Heimat Gars verbunden?

Buhl: Heimat ist Heimat. Abgesehen von meinem Job liegt mir meine Verbundenheit zu Gars sehr am Herzen. Ich bin auf meinem Streifzug durch Europa und die Welt immer wieder sehr gerne nach Hause gekommen. Ich freue mich auch immer auf Besuch aus meiner Heimat hier in der Stiegl-Brauerei und wenn wir das eine oder andere Bier gemeinsam trinken können.