Garser Wursthersteller vom Pech verfolgt. Die Kocourek GmbH aus Gars am Kamp im Bezirk Horn ist nicht gerade vom Glück verfolgt: 2012 rutschte der Fleischereibetrieb in die Insolvenz, heuer brannte Ende Juni der Betrieb ab. Mögliche Ursache: Brandstiftung.

Erstellt am 02. August 2013 (13:59)
Die Gläubiger hatten sich bei der Insolvenz (4,6 Mio. Euro Schulden) bereit erklärt, auf 70 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten, der Betrieb wurde fortgeführt. Im Juni dieses Jahres fing die Wurstfabrik Flammen, brannte fast zur Gänze ab. Aber auch diesmal konnte die Katastrophe abgewendet werden: Wolfgang Kocourek produziert jetzt fürs erste bei einer anderen Firma in Oberösterreich.

Der Brand Ende Juni hat einen Schaden von 3,5 Mio. Euro angerichtet, was für den Unternehmer das Ende bedeutet hätte. Zumal er sich immer noch in der "Erfüllungsphase" für den Sanierungsplan befindet. Denn "wirtschaftlich ist die Insolvenz noch nicht bereinigt", sagte Alexander Klikovits vom Kreditschutzverband KSV am Freitag

Erst am 1. August 2014 Gewissheit, ob Sanierungsplan erfüllt wurde

Am 23. Mai 2012 war über den Betrieb ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet worden. Da die Gläubiger einer 30-prozentigen Quote zugestimmt haben, wurde das Verfahren am 12. November 2012 wieder aufgehoben, so Klikovits. Aber: Die letzte Rate ist erst am 1. August 2014 fällig. "Erst da wird man wissen, ob der Sanierungsplan erfüllt wurde. Wenn ja, sind die Schulden damit getilgt."

Zum Brand meinte der Kreditschützer: "Da bleibt nur zu hoffen, dass eine Versicherungsdeckung gegeben ist." Die Erfüllungsphase, in der sich Kocourek momentan befindet, sei für Unternehmen "grundsätzlich hart", gelte es doch, viel anzusparen, um die alten Schulden zu tilgen.

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Waren ab nächster Woche wieder bei Billa und Co.

Der Retter in der neuen Not hieß diesmal Wirtschaftsbund: Steuerberater Werner Groiß half dem Fleischer, einen Betrieb zu finden, bei dem Kocourek seine "da' Waldviertler"-Wurstwaren interimsmäßig produzieren kann: Der Waldviertler ist inzwischen bei der Anton Riepl KG in Oberösterreich untergekommen. Andere stillgelegte Fleischereibetriebe in Niederösterreich, bei denen Groiß und er angefragt hätten, hatten Kocourek nicht gepasst. Zumindest ein Betrieb wartet bis heute auf eine Absage.

Nach einem sechswöchigen Produktionsstopp sollen die Waren ab nächster Woche wieder bei Billa und Co. erhältlich sein. "Werden die Produkte wie bisher von den Kunden angenommen, dann können wir dem Wiederaufbau in Gars mit Optimismus entgegensehen", ließ Kocourek via Wirtschaftsbund mitteilen.

Ein Grund für die Insolvenz im Vorjahr waren übrigens erhebliche Investitionen in ein neues Betriebsgebäude. Unter anderem war, nach damaligen Unternehmensangaben, während der Übersiedlung die Kühlung ausgefallen, was Ware im Wert von 100.000 Euro vernichtete. Durch die Wirtschaftsbund-Rettungsaktion ist die Hälfte der Belegschaft - 14 Personen - vorerst weiter beschäftigt.

Ermittlungen zu Brand mittlerweile abgeschlossen

Die Ursache des Großbrands Ende steht zwar noch nicht fest, die Ermittlungen des Landeskriminalamts NÖ sind jedoch mittlerweile abgeschlossen. "Der Akt befindet sich seit voriger Woche bei der Staatsanwaltschaft. Die Brandursache war nicht eindeutig klärbar", sagte Ermittler Peter Reisinger am Freitag. "Es könnte heiße Asche gewesen sein oder die Einbringung einer fremden Zündquelle" - zu deutsch Brandstiftung.

Nun ist die Staatsanwaltschaft Krems am Zug. Die Anklagebehörde konnte am Freitag über den Fall vorerst keine Auskunft geben.