Weinbau: Landessieg zum zweiten Mal in Folge. Die Jury hat gewertet: Christian Fink (Gauderndorf) und Gerald Schneider (Röschitz) haben den besten Chardonnay und kräftigen Veltliner in NÖ.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:37)
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Quereinsteiger, die auf einen Mentor zählen können: Christian Fink und Petra Kotzian sind ebenso zum zweiten Mal in Folge Landesweinsieger.
NÖN

6.035 eingereichte Weine, 925 Betriebe – und zwei von ihnen sind aus dem Bezirk Horn. Die 34. Landesweinprämierung holt jene Winzer aus Niederösterreich vor den Vorhang, deren edlen Tropfen die Jury nach einer Blindverkostung überzeugt haben. Die besten Weine werden in 18 Sortenkategorien gekürt: Gerald Schneider aus Röschitz hat den besten gehaltvollen Grünen Veltliner und „Fink & Kotzian“-Weinbau aus Gauderndorf den besten Chardonnay.

Christian Fink und Petra Kotzian, ursprünglich aus Wien, sind berufliche Quereinsteiger. Fink, der nach seinem Jus-Studium eine Rechtsabteilung geleitet hat, zog es weg von seinem Schreibtisch-Job. „Ich habe mich lange mit dem Wein auseinandergesetzt, in der Theorie und in der Akademie“, erzählt er. Die Familie seiner Frau hat eines Tages von Verkaufshürden eines Weißburgunders erzählt – und Finks saloppe Antwort „Gib’ den Weingarten mir“ wurde tatsächlich realisiert.

„Man muss versuchen, eine gewisse Qualität das ganze Jahr hochzuhalten, aber die letzten Meter sind Glück.“ Christian Fink

Er keltert seit 2013 Wein, mithilfe von Rudolf Neuhold. „Er ist nach wie vor als Mentor, Lehrer und Stütze tätig. Ohne seine riesengroße Hilfe für uns ‚Tschopperln‘, die wir waren und heute noch sind, wären wir nicht dort, wo wir sind.“

2019 war sein Riesling schon Landessieger, heuer ist’s der Chardonnay aus dem 2019er-Jahrgang. Fink bleibt aber auf dem Boden: „Das sind alles Momentaufnahmen. Das hängt damit zusammen, wie die Jury besetzt ist.“ Wenn Menschen darunter sind, die den Holzeinsatz im Wein nicht mögen, sehe die Situation anders aus. „Man muss versuchen, eine gewisse Qualität das ganze Jahr hindurch hochzuhalten, aber die letzten Meter sind Glück.“

Neun Hektar besitzt er und mit ihnen versucht er, eine Linie zu finden. „Weine, die mit spürbarem Holzeinsatz gelagert worden sind, und dabei ihren Charakter bewahren, ihre Eleganz mit einer entsprechenden Säure und Frucht behalten: Das taugt mir.“

Die Chardonnay-Riede heißt „Hintern Dorf“ – und ist für Fink „eine spannende Lage, weil hier zwei Komponenten zusammenfließen“: Urgesteinsböden wie in Röschitz, hinzukommen die Zogelsdorfer Sande.

Schneider: „Wir hätten nicht damit gerechnet“

„Wir hätten nicht damit gerechnet, dass wir zum zweiten Mal in Folge Landesweinsieger sind“, sagt Gerald Schneider aus Röschitz. „Ich habe mich extrem gefreut.“ 2020 hat er wie 2019 mit dem Grünen Veltliner in der Kategorie mit dem Zusatz „gehaltvoll“ beeindrucken können, allerdings hat heuer die Riede Galgenberg (und nicht Königsberg) des 2020er-Jahrgangs die Nase vorn: „Er ist sicher einer von den besten Lagen in Röschitz.“ Die Riede hat schon einigen Winzern Auszeichnungen beschert.

Der Weg dorthin fällt manchmal schwer: „2020 war kein einfaches Jahr für uns.“ Schneider erinnert sich an Hagelschäden, sodass er angeschlagene Trauben auslesen musste. „Das Um und Auf ist die Genauigkeit im Weingarten“, betont er. Und das lohne sich, wie die Auszeichnung jetzt auch zeige. „Aber man braucht auch Glück“, sagt auch Schneider.

Der Winzer beschreibt seinen Galgenberg-Veltliner „feingliedrig, eine Spur leichtfüßig mit leichtem Alkoholgehalt, aber trotzdem mit einer guten Struktur und Dichte“. Die Reben sind in den 1960er-Jahren gepflanzt worden. „Sie bringen keine großen Erträge, haben aber eine sehr schöne Reife.“ Zwei Galgenberg-Weingärten sind in den Bouteillen enthalten, einer wächst auf Urgestein, der andere auf Löss. „Das ist das, was den Wein auszeichnet.“

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Gerald Schneider mit der Trophäe: Seine ersten Gratulanten waren Winzer-Kollegen aus Röschitz. „Es ist schön, wenn sie sich mit dir freuen.“
NÖN

Das Weinjahr läuft für Schneider bisher gut: Das kühle Wetter hat das Wachstum zwar bis zum Mai gehemmt, das holt die Vegetation jetzt nach, auch, weil die Wasserversorgung optimal ist. Röschitz blieb vom Hagel verschont, aber Schneider wiegt sich nicht in Sicherheit: „Man ist nicht gefeit.“

Andere Voraussetzungen für „Fink & Kotzian“: Hagel hat beim großen Juni-Unwetter 50 Prozent in der Hauptlage in Gauderndorf in Mitleidenschaft gezogen. Fink könne noch nicht sagen, ob sich der Weingarten erholen werde. Er bereut seinen Jobwechsel dennoch nicht: Das Weinmachen sei zwar mit Anstrengung verbunden, aber „wahnsinnig schön“, sagt er. „Wenn man zwischendurch einen Schluck mit den anderen, die mitarbeiten, kostet, und man hört: ‚Ja, eh ganz gut.‘ Das ist dann der Moment, wo das Herzerl aufgeht. Weil „eh ganz gut“ heißt, dass es passt.“