Überfordert: Mutter schlug auf Sohn ein. Bis zuletzt leugnete eine 51-Jährige aus dem Bezirk Horn, ihren Sohn mit Schlägen zum Lernen motiviert zu haben. Richterin glaubte aber dem Opfer (14).

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:59)
Haftrichter vernahm den Beschuldigten ein
APA (dpa/Archiv)

Um dem Sohn eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen, flüchtete eine heute 51-Jährige aus Tschetschenien nach Österreich. Im Bezirk Horn fand die alleinerziehende Mutter eines Sohnes eine neue, friedliche Heimat.

Ab dem zehnten Lebensjahr des Kindes war die Mutter mit dessen Erziehung offensichtlich überfordert. Der Bub rebellierte, verhielt sich gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen aggressiv, verweigerte das Lernen, und flog von der Schule.

„Ich wollte doch nur, dass aus meinem Kind etwas wird“, beteuerte die Mutter leise vor Gericht. Geschlagen wollte sie das Kind nicht haben, und sie leugnete, den Sohn mit Gewalt zum Lernen motiviert zu haben. Leidvoll habe sie erfahren müssen, dass sich der Sohn immer wieder von ihr abgewendet und sich in Fürsorgeeinrichtungen geflüchtet habe. Sie sei beraten worden, und ja, sie wisse, dass Gewalt kein adäquates Erziehungsmittel sei, und es bei misshandelten Kindern zu Verhaltensstörungen kommen könne. Aber sie habe den Sohn nicht geschlagen, beteuerte sie beharrlich. Auch noch, als der heute 14-jährige Sohn die Misshandlungsvorwürfe im Zeugenstand aufrecht erhalten hat.

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren befand die Richterin die Leugnende für schuldig. Sie verurteilte die bislang unbescholtene Mutter wegen fortgesetzter Gewaltausübung an ihrem Kind zu 14 Monaten bedingt. Dem Sohn wurde ein Schmerzensgeld zugesprochen. Nicht rechtskräftig.