EU-Kommissar Johannes Hahn in Geras zu Gast. EU-Kommissar spricht im Stift über die Zukunft Europas, die Rolle Österreichs und die Waffe gegen Populismus.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 25. Mai 2019 (04:00)
Karin Widhalm
Johannes Hahn war zu Gast in Geras –und stellte sich den Fragen.

„Das ist so etwas wie ein Heimspiel“, lächelt Johannes Hahn, nachdem er am Freitagnachmittag das Podium im Marmorsaal des Stiftes betreten hat. Der EU-Kommissar ist in der Region verwurzelt: Seine Großmutter wuchs in Šafov (Schaffa) auf, musste fliehen und fasste in Langau Fuß. „Ich habe jahrzehntelang nicht mitbekommen, dass wir Sudetendeutsche sind.“ Die Grenzthematik an sich beschäftigt ihn aber bis zum heutigen Tag.

Er ist EU-Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik – und in dieser Funktion folgte er der Einladung zu den „Geraser Gesprächen“. Organisatoren sind Dechant Andreas Brandtner und der frühere Abgeordnete Josef Höchtl. Hahn sprach über die Zukunft Europas.

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Mitorganisator Andreas Brandtner.

Wichtig sei, dass der Westbalkan eine europäische Perspektive erhält. „Gerade dort spürt man, dass es jederzeit Krieg geben kann“, berichtet der 61-Jährige. Man müsse Nicht-EU-Ländern mit vielen Flüchtlingen unterstützen. Grundsätzlich gelte: „Eine wirtschaftliche Entwicklung schafft rechtsstaatliche Entwicklung.“ Er plädiert für das Mehrstimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik.

Welche Rolle Österreich einnehmen kann, war die erste Frage aus dem Publikum. „Wir verstehen die nordeuropäischen Ländern, wir sind im Westen verankert und wir haben Mediterranes in uns: Wir sind prädestiniert als Brückenbauer“, findet Hahn. Als eine der größten Herausforderung sieht er, „dass wir uns zu wenig kennen“.

Bürgermeister Andreas Linsbauer sprach den Populismus an. „Das kann dir auch in deiner Gemeinde passieren“, schmunzelt Hahn. „Die einzige Strategie ist, aufzustehen und den Mund aufzumachen.“ Die „schweigende Mehrheit“ sei diesbezüglich bequem geworden. „Ich nehme mich selbst da nicht raus.“