Walter Allram arbeitet am Feld mit der Kraft der Pferde. Walter Allram erfüllt sich einen lang gehegten Traum und bildet seine Rösser zu Arbeitstieren aus.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 11. Mai 2019 (13:10)
Karin Widhalm
„Dass ich Bewegung mache – und die Pferde auch“, war die erste Antwort von Walter Allram, warum er mit Pferden pflügt und eggt. „Mir macht‘s Spaß“, lächelt er. Emma Fels fühlte sich an alte Zeiten erinnert.

Vorbeifahrende blieben extra stehen, um dem Schauspiel zuzusehen: Walter Allram aus St. Marein (Bezirk Horn) lockerte auf einem Feld in der Nähe von Göpfritz mit der Egge den Boden auf, aber nicht mit einem Traktor. Er hatte seine zwei Pferde Nelli und Loni eingespannt.

Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt, als alles langsamer war, aber auch mühseliger. Allram hat sie selbst erlebt: „Ich bin noch zehn, zwölf Jahre mit dem Pferd gefahren.“ Die Erinnerung ließ ihn nicht los und er nahm sich vor, als Pensionist daran anzuknüpfen. „Die Idee habe ich schon mein ganzes Leben lang.“

Der 77-Jährige wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb auf, war aber lange als Lastkraftwagen-Chauffeur tätig. Nun erfüllte er sich seinen Traum: Zuerst kam ein Hund, dann ein Pferd, dann das zweite. Er besorgte sich Pflug und Egge, die zum Einspannen geeignet sind. „Und jetzt trainiere ich“, wenn er nicht gerade mit Schlägerungsarbeiten wegen dem Borkenkäfer beschäftigt ist.

„Ich habe die Hand dafür, aber die heutigen Pferde sind anders“, schildert Allram, dessen Sohn Martin einen Demeter-Betrieb führt. Die Rösser fanden früher allein den Weg zum Feld und waren von der Früh bis zum Abend beschäftigt: Sie wussten aus Erfahrung, was zu tun ist.

 „Müssen jetzt jeden Tag daran arbeiten“

 Dieses Wissen will Allram Nelli und Loni vermitteln. „Wir müssen jetzt auch jeden Tag arbeiten“, bringt er seinen Pferden Anweisungen bei. Sie müssen wissen, wie sie sich zu zweit drehen sollen, um die neue Spur zu finden. „Beim Pflügen ist mein Sohn mit ihnen mitgegangen“, geht’s jetzt schon ohne Hilfe eines Zweiten.

Was kann ein Pferd, was ein Traktor nicht kann? „Der Traktor zieht Gleise“, weist er auf die Verdichtung hin. „Zubetonieren“ nennt er es. „Der Boden ist ganz anders eingearbeitet, viel lockerer.“

Allram, der auch als Ausbildner für Zughunde beim Horner Gebrauchshundesport-Verband, tätig ist, bearbeitet in Göpfritz den Acker einer Landwirtin, die namentlich nicht genannt werden will. Sie erzählt aber, dass sie Allram mit Freuden ihren Fleck Erde zur Verfügung gestellt hat, damit er üben kann. Sie will dort Gemüse anbauen.

Vorbesitzerin Emma Fels fühlte sich ein bisschen wehmütig an alte Zeiten erinnert, als sie ein junges Mädchen war. Die zwei Frauen sehen Allram zu, während immer wieder Autofahrer bei ihnen stehen bleiben. Das Schauspiel sieht man ja wirklich nicht alle Tage.