Garser Handelshaus: „Rückgang im Lager“. Gastro-Sparte bricht weg, Großhändler Kiennast überlegt Kurzarbeit.

Von Rupert Kornell. Erstellt am 25. März 2020 (08:31)
Die NÖN sprach mit Alexander und Julius Kiennast.
R. Podolsky/mediadesign.at

Nahezu rund um die Uhr sind der Großhandel und die Einzelhändler bemüht, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Die NÖN sprach mit den beiden Geschäftsführern Alexander und Julius Kiennast vom gleichnamigen Garser Handelshaus.

NÖN: Wie ist die aktuelle Situation im Garser und in den anderen, von der Firma Kiennast belieferten Lebensmittelgeschäften?

Kiennast: Nach den sehr starken Hamsterkäufen hat sich die Lage im Lauf der vergangenen Woche wieder beruhigt, die Umsätze im Supermarkt Gars und bei den Nah&Frisch Kaufleuten sind jedoch höher als zuvor. Viele Kaufleute haben schon Zustellservices für die Bevölkerung organisiert, oft in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, was schon sehr gut anläuft. Unseren vielen Nah&Frisch-Kaufleute samt Mitarbeitern sowie unser Kaufhaus-Team in Gars leisten in dieser schwierigen Zeit einen tollen Einsatz.

Werden Sie rechtzeitig und ausreichend beliefert, sodass es zu keinen Engpässen bei der Versorgung kommt?

Kiennast: Wir haben schon in der Woche vor dem Shut-Down die Bestände im Lager bei einigen Kernartikeln erhöht. Dieser Ansturm hat jedoch alle überrascht. Wir haben im Lager sehr schnell reagiert und rasch die Verfügbarkeit wieder hergestellt.

Sind bestimmte Produkte nicht oder kaum mehr verfügbar?

Kiennast: Manche Hersteller kommen mit dem Produzieren nicht nach und konzentrieren sich auf die Eckartikel, deshalb ist manchmal eine ausgefallenere Sorte etwa einer Pasta nicht verfügbar. Wirklich schwer zu bekommen sind Desinfektionsmittel und beispielsweise Artikel aus Italien (Barilla). In Summe garantieren wir jedoch eine gute Warenverfügbarkeit und liefern Ersatzartikel aus, wenn eine Marke nicht verfügbar ist.

Gibt es noch genug Lkw-Fahrer, Kommissionierer und Verkäufer?

Kiennast: Nach der Spitze vom vorletzten Wochenende hat sich die Lage wieder beruhigt. Vor allem fehlen im Lager die Gastronomieumsätze, auch Tankstellenshops gehen stark zurück. Dafür sind Nah&Frisch sowie Krankenhäuser, Justizanstalten und Pensionistenheime im Plus. In Summe haben wir durch Corona einen deutlichen Volumenrückgang im Lager. Daher prüfen wir in den nächsten Tagen das Kurzarbeitsmodell und berechnen, wie viele Mitarbeiter wir in Kurzarbeit schicken werden. Wir werden als sozial agierendes Familienunternehmen in dieser Situation keine Kündigungen aussprechen.

Wie schauen aus heutiger Sicht die Pläne für die nähere Zukunft aus?

Kiennast: Als vielseitiges, gut aufgestelltes Unternehmen sind wir optimistisch, diese Krise gut zu meistern. Die Welt nach Corona wird anders aussehen als vorher, so werden der Tourismus und die Gastronomie wahrscheinlich erst sehr langsam anlaufen. Auch auf den Tankstellen wird weniger los sein. Wir müssen jetzt Tag für Tag die Themen abarbeiten und uns schon jetzt gemeinsam mit unseren tüchtigen Mitarbeitern für die Zeit nach Corona rüsten.

Aktuelle Umfrage

  • Corona: Soll mehr getestet werden?