Horner Bankenfusion ist fix: 100 Prozent für Wien. Waldviertler Volksbank Horn wird zu einer Regionaldirektion. Alle Mitarbeiter behalten ihre Jobs, Filialen bleiben.

Von Martin Kalchhauser und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 28. März 2018 (05:51)
Die beiden Direktoren Walter Pannagl (rechts) – seit 36 Jahren in der Bank und seit 29 Jahren Geschäftsleiter – sowie Reinhard Keusch – 30 Jahre im Team und seit 18 Jahren Vorstand – sind künftig als Regionaldirektoren der Volksbank Wien im Waldviertel für die Bereiche Markt und Risiko zuständig sein. Fotos: Martin Kalchhauser,
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Martin Kalchhauser

Als „historisch“ wird die Generalversammlung der Waldviertler Volksbank Horn, die am 21. März stattfand, in die Geschichte eingehen. Die 53 anwesenden Genossenschafter beschlossen einstimmig (100 %) die Fusionierung mit der Volksbank Wien.

Drei Voraussetzungen für Fusion voll erfüllt

NÖN-Leser erinnern sich: Vor genau einem Jahr war eine Abstimmung über ein Zusammengehen mit der Volksbank NÖ mit 97,4 % Nein-Stimmen abgelehnt worden.

Für die Wende haben die Direktoren Walter M. Pannagl und Reinhard Keusch eine klare Begründung: „Punkt eins sind die Mitarbeiter, für die es einen besseren Kündigungsschutz gibt. Punkt zwei ist, dass wir eine Garantie für die Filialen für die nächsten fünf Jahre haben. Und Punkt drei ist, dass in der Genossenschaft mehr zurückbleibt“, so Pannagl.

Keusch: „Das Bargeschäft wird nach Wien ausgelagert, die Genossenschaft bleibt aber als Verwaltungsgenossenschaft im Hintergrund und hat ein Eigenkapital von rund 25 Millionen Euro.“

Was die Standorte (Geschäftsstellen) betrifft, gibt es eine Garantie: „Wir haben derzeit inklusive Horn zehn Standorte. Es gibt die Garantie, dass die Bank auf jeden Fall sieben Standorte über die nächsten fünf Jahre weiter betreiben wird. Das ist eine Zusage. Es gilt aber nicht der Umkehrschluss, dass drei geschlossen werden“, so Keusch.

In der „historischen“ Sitzung am 21. 3. wurden zwei langjährige Mitarbeiter der Volksbank, Thomas Reiterer (Filialleiter in Gars, 2.v.l.) und Andreas Geist (Filialleiter in Weitersfeld, 3.v.l.), von Direktor Reinhard Keusch, VB-Wien-Vorstandsdirektor Rainer Borns, Direktor Walter Pannagl und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Engelbert Reis (von links) geehrt.
WVB

Pannagl zur Jobgarantie für alle Mitarbeiter auf fünf Jahre: „Es werden einige Mitarbeiter pendeln müssen, speziell im Bereich der Buchhaltung und der Stabsstellen. Diese Bereiche kommen von Horn nach Wien.“

Auch der Weg der Waldviertler Volksbank, bisher als Institut mit sehr guter Bilanz , sei klar vorgezeichnet. „Es gibt künftig eine Regionaldirektion Waldviertel. Kollege Keusch und ich bleiben als Regionaldirektoren in Horn“, erklärt Pannagl.

Und Keusch ergänzt: „Von Horn aus werden wir das Waldviertel und das westliche Weinviertel betreuen. Der Verwaltungsbereich wird zusammengefasst in der Volksbank Wien, der Vertrieb bleibt vor Ort. Weil man so Synergien nutzen kann und es immer schwieriger wird mit den regulatorischen Auflagen, die wir erfüllen müssen.

Zusammenarbeit bis ins Detail ausdiskutiert

Welche Rolle wird die WVB in Hinkunft spielen? „Wenn künftig große Kunden kommen, tun wir uns aufgrund der Größe der Volksbank Wien noch leichter, auch große Kunden zu finanzieren. Die Wiener haben großen Wert darauf gelegt, dass die Regionalität gewahrt bleibt. Das wurde sogar bis ins Detail ausdiskutiert, etwa die Frage der Waldviertler Volksbank Arena (Horner Fußballstadion, Anm.). Die soll weiterhin so heißen“, berichtet Pannagl über die Verhandlungen. Keusch: „Die Verknüpfung zur Region bleibt ja auch über die rund 10.000 Mitglieder der Genossenschaft bestehen. Die Wurzeln im Waldviertel bleiben auf jeden Fall.“

Insgesamt sehen die beiden Geschäftsleiter einen positiven Weg vorgezeichnet. „Künftig wird man unsere Regionalität gemeinsam mit der Stärke der Volksbank Wien gut verbinden und am Markt noch stärker werden können“, meint Pannagl. Und Keusch ergänzt: „Wir brauchen eine gewisse Mindest-Betriebsgröße, um alle Anforderungen abdecken zu können und haben mit der Volksbank Wien einen Partner, mit dem wir da entsprechen.“

Reinhard Fuchs, Betriebsratssprecher der  Waldviertler Volksbank Horn.
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Auf Dauer eine „Insellösung“ aufrechtzuerhalten, sei einfach nicht möglich gewesen, betont Pannagl: „Wir haben unsere Struktur bis zum letzten Zeitpunkt aufrecht erhalten und haben die bestmögliche Lösung erreicht.“

Ausschließlich positiv fällt auch die Beurteilung des Schrittes durch den Betriebsrat aus. „Mit dem Verhandlungsergebnis kann man zufrieden sein“, so Sprecher Reinhard Fuchs (Foto links).

„Die Regionaldirektion, die 17 Mitarbeiter weiterbeschäftigen wird, fungiert als Drehscheibe im Waldviertel. Für Mitarbeiter, die nach Wien pendeln müssen, werden Jobs in Wien gesucht bzw. sind bereits gefunden worden.“ Die Bediensteten der WVB Horn sollen künftig im Wiener Betriebsrat durch einen Sprecher für die Region Waldviertel berücksichtigt werden.

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