Odeta Esanu: „Liebe es, mit Frauen zu arbeiten“. Odeta Esanu arbeitet im Landesklinikum Horn – und sie praktiziert seit Dienstag in der Praxis in der Karl-Proksch-Gasse als Wahlärztin.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. April 2021 (09:06)
Odeta Esanu wird immer am Dienstagnachmittag in der Gemeinschaftspraxis ordinieren. Die anderen Dienste übernehmen ihr Mann Catalin Esanu, Martina Luise Maringer und Rudolf Wiborny.
Karin Widhalm, Karin Widhalm

Odeta Esanu steigt in die Gemeinschaftspraxis in der Ing.-Karl-Proksch-Gasse 11 ein: Den gynäkologischen Behandlungsraum teilt sie sich mit Rudolf Wiborny, Martina Luise Maringer und ihrem Gatten Catalin Esanu, der seit 2016 dort praktiziert. Das Arzt-Paar aus Rumänien lebt seit 2013 in Österreich, beide arbeiten im Landesklinikum Horn.

Gut Ding braucht manchmal Weile. Der Plan für den Einstieg hätte schon 2017 realisiert werden sollen. „Zwischenzeitlich bin ich schwanger geworden“, lächelt Esanu, die schon eine 13-jährige Tochter hat. Sie wollte sich bewusst Zeit für den Nachwuchs nehmen und hat die Karenzzeit dafür genutzt.

2020 kehrte sie als Teilzeitkraft ins Spital zurück – und wieder stand der Ordinationsstart im Raum. Nur: „Zwischenzeitlich ist Corona gekommen.“ 2021 sollte das Stichjahr werden: Ihr erster Arbeitstag war am Dienstag (6. April), sie wird immer am Nachmittag (14 bis 18 Uhr) als Wahlärztin ordinieren.

„Haben seit einem Jahr Staatsbürgerschaft“. Die Siebenbürgerin hat in Horn ein zweites Zuhause gefunden: „Wir können die Arbeit und die Nachtdienste mit der Familie gut verbinden“, erzählt die 43-Jährige. Das Medizinstudium absolvierte sie in Rumänien. Sie arbeitete in einer Ordination, dann in einer der Universitätskliniken mit 2.500 Geburten im Jahr, später in einer Privatklinik mit insgesamt nur vier Ärzten: „Diese Phase war hektisch“, erinnert sie sich.

Die Esanus trafen schließlich die Entscheidung, auszuwandern. „Der Plan war ursprünglich Schweden.“ Der Zufall führte nach Österreich: „Wir haben seit dem vorigen Jahr die Staatsbürgerschaft.“ Catalin Esanu hat recht schnell im Klinikum seine Tätigkeit aufgenommen, Odeta Esanu folgte nach einem Deutschkurs in Wien 2014.

Was ist ihr als Ärztin wichtig? „Ich will mir für die Patientinnen Zeit nehmen. Wir Gynäkologen sind wie Zahnärzte oder Hausärzte, bei uns besteht die Möglichkeit, mit dem Patienten wegen der regelmäßigen Treffen eine andere Beziehung aufzubauen“, betont sie. „Mit der Zeit kennst du die Patientin und ihre Vorgeschichte. Sie ist keine Nummer für mich.“

Frauengesundheit: Das Positive und Problemfelder. Esanu sieht: Den Patientinnen ist bewusst, wie wichtig die Brustkrebs-Vorsorge ist und sie nehmen zunehmend die HPV-Impfung in Anspruch. Ein großes Problemfeld erkennt sie in Geschlechtskrankheiten, die zu (durchaus steigender) Unfruchtbarkeit führen können (wie die oft asymptomatischen Chlamydien). „Vielleicht sollte man in der Schule das noch mehr bewusst machen“, überlegt sie. Der Frau müsse zudem bewusst sein, dass der Lebensstil (wie Übergewicht) Einfluss auf den Zyklus hat, und nicht jede Verhütungsmethode für jede Frau die beste ist.

Geburt: „Von Beginn an schöne Reise“. Individuelle Beratung ist bei der Entbindung an sich gefragt. „Es kann sein, dass Frauen vor der natürlichen Geburt Angst haben, andere erleben einen Kaiserschnitt als Misserfolg und sind enttäuscht.“ Esanu rät: „Auf jeden Fall offen zu sein.“ Und sie ergänzt strahlend: „Ich liebe es, mit Frauen zu arbeiten; gerade die Geburten sind von Beginn an eine schöne Reise.“