Lockdown: Lehrer & Eltern auch im Bezirk Horn gefordert. Distance-Schooling funktioniert – verlangt aber auch vieles an Eigenverantwortung ab.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 18. November 2020 (05:17)
HAK-Direktor Peter Hofbauer (links) sieht sich mit vielen Fragen zur kommenden Matura konfrontiert, Gym-Direktor Michael Ableidinger lobt Einsatzbereitschaft seines Lehrer-Teams.
Rupert Kornell

Auch wenn die Situation für Schüler und Lehrer keine leichte ist – die Stimmung an den höheren Schulen im Bezirk Horn ist trotz der Coronakrise gut. Die NÖN sprach mit Gym-Direktor Michael Ableidinger und Peter Hofbauer, Direktor der HAK und HLW, über die aktuell größten Herausforderungen.

Lockdown bringt „weitere Verschärfung“

Als weitere Verschärfung der ohnehin schon schwierigen Situation sieht Ableidinger, dass seit Dienstag auch die Unterstufenschüler über Distance-Learning unterrichtet werden müssen. Positiv sei gewesen, dass man am Montag zumindest noch einen Tag Zeit gehabt habe, um offene Fragen zu klären und zu beruhigen.

Wichtig sei jetzt, dass so viele Schüler wie möglich auch tatsächlich daheim betreut werden können. „Es ist, wie Minister Faßmann es gesagt hat: Man sollte die Möglichkeit der Betreuung in den Schulen nur in Notfällen in Anspruch nehmen“, meint Ableidinger.

Dreifache Unterrichtsvorbereitung

Laut Ableidinger war die Situation für seine Lehrer schon zuletzt nicht leicht.

Der Unterricht musste auf drei Arten – für die Oberstufe als Online-Unterricht, für die Unterstufe teilweise als Online- und teilweise als Präsenzunterricht – vorbereitet werden. Das habe die Lehrer „an die Grenze der Belastbarkeit“ gebracht, sagt Ableidinger.

„Intensiv“ auch für Lehrer an HAK und HLW

„Da haben es meine Lehrer zumindest ein bisschen leichter gehabt“, meint Hofbauer.

HAK-Direktor Peter Hofbauer sieht sich mit vielen Fragen zur kommenden Matura konfrontiert.
Rupert Kornell

Die Mischung aus teilweisem Präsenzunterricht – etwa bei Schularbeiten oder im Praxisbereich – und dem teilweisen Home-Schooling habe es aber auch für seine Lehrer „intensiv“ gemacht. Aber, so Hofbauer: „Bei uns ist die Situation relativ ruhig und entspannt, weil es einfach gut funktioniert“.

Ausnahmen vom Home-Schooling gab es in seiner Schule übrigens nur an Schularbeitstagen, an denen die Schüler noch zwei weitere Stunden in der Schule unterrichtet wurden, um die Wartezeit auf die Busse sinnvoll zu nutzen. Im Praxisbereich wurden die Gruppengrößen reduziert.

Matura als großes Fragezeichen

Die Schüler der Abschlussklassen stehen indes vor einer ungewissen Situation, wie es mit ihren Abschlussprüfungen bzw. der Matura weiter gehen wird. „Wir sind da laufend mit Fragen der Schüler konfrontiert“, sagt Hofbauer. Aber angesichts der Tatsache, dass es quasi täglich neue Maßnahmen geben kann, sei eine langfristige Planung unmöglich.

Im ersten Lockdown im Frühjahr habe man zumindest gewusst, dass Home-Schooling bis mindestens Mai durchgeführt werden muss: „Da war die Situation zwar neu, aber wir konnten wenigstens ein paar Wochen planen. Jetzt planen wir jeweils nur für eine Woche voraus“, sagt Hofbauer.

„Hut ab vor Lehrern und Eltern“

Lob gibt es von Hofbauer und Ableidinger in dieser Situation sowohl für Lehrer, als auch Eltern.

„Hut ab vor Familien, die schon in den vergangenen Wochen Quarantänefälle zu Hause hatten und diese sicher nicht einfache Situation großartig gemanagt haben“, streut Ableidinger vielen Eltern Rosen.

Motivation der Lehrer weiter hoch

Trotz der intensiven Mehrfachbelastung seien auch die Lehrer weiter hoch motiviert, sind sich die beiden Schulleiter einig. Viele von ihnen seien ja selbst Eltern und daher quasi im doppelten Sinne von der aktuellen Schul-Situation betroffen.

Gym-Direktor Michael Ableidinger lobt Einsatzbereitschaft seines Lehrer-Teams.
Rupert Kornell

„Ihr Engagement und ihre Motivation sind aber nach wie vor ein Wahnsinn. Sie stecken wirklich viel Herzblut in die Sache hinein, obwohl sie wie Eltern und Schüler am Limit laufen. Ich würde über jeden einzelnen meiner Lehrer schützend die Hand halten“, sagt Gym-Chef Ableidinger.

Eigenverantwortung aller gefordert

Der Kontakt wird im Gym mittels MS Teams mit den Oberstufenschülern gehalten. Das funktioniere laut Ableidinger sehr gut, auch die Rückmeldungen der Schüler seien positiv.

Wichtig sei nun, die Stimmung so gut wie möglich zu erhalten. Wesentlicher Punkt dafür sei sowohl für Eltern, Schüler und Lehrer die Eigenverantwortung in dieser Krise, denn: „Die Gesundheit muss einfach oberste Priorität haben“, hofft Ableidinger auf Vernunft bei allen Beteiligten.