„Essen auf Rädern“ fährt in das 40. Jahr

Erstellt am 22. Januar 2022 | 07:06
Lesezeit: 4 Min
Am 1. Jänner 1982 setzte sich Gerhard Hauer in Horn zum ersten Mal ins Auto, um warme Mahlzeiten auszuliefern. Seither tat er das (nicht nur) an jedem Neujahrstag, sondern auch an diesem besonderen.
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„Wie bringen nicht nur warme Mahlzeiten ins Haus, sondern auch soziale Wärme“, umschreibt Gerhard Hauer das, was er seit 40 Jahren mit seinem Team von „Essen auf Rädern“ an jedem Tag der Woche tut, nämlich jene Leute, die krank oder nicht mehr mobil sind, mit einem Mittagessen zu versorgen und – was nicht minder wichtig ist – auch ein kleines „Plauscherl“ zu halten.

„Dabei hat alles aber schon viel früher begonnen“, erzählt Hauer, der schon sechs Jahre zuvor eine Jugendrotkreuz-Gruppe gegründet und die Aktion „Warme Mahlzeit“ eingeführt hat. „Die Schüler haben das Essen damals aus den Gasthäusern geholt, mit Privatautos wurde es dann zu den Leuten gebracht.“

Am 1. Jänner 2022 Start in das 40. Bestandsjahr

Aus dieser Aktion wurde dann mit 1. Jänner 1982 „Essen auf Rädern“, die mit dem Jahreswechsel in ihr 40. Jahr geht. „Selbstverständlich bin ich an diesem 1. Jänner im Auto gesessen. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, an jedem Neujahrstag selbst zu fahren, auch am heurigen 1. Jänner“, hält er kurzen Rückblick. Eine ausführliche Rückschau soll es im heurigen Jahr geben, sobald es die Pandemie zulässt.

Die Horner waren die ersten im Bezirk, die diese für die damalige Zeit neue Einrichtung eingeführt und viele Gemeinden in der Region versorgt hatten, die Stadt selbst und die Katastralgemeinden, aber auch die umliegenden Orte in angrenzenden Gemeinden. Ja selbst nach Gars im Süden und Langau im Norden wurde von hier ausgeliefert, ehe sich dort selbstständige Gruppen entwickelt haben.

Im vergangenen Jahr 20.600 Essen geliefert

Das heutige Gebiet umfasst „nur mehr“ die Stadt Horn sowie Breiteneich, Doberndorf, Mödring und Mühlfeld. Im vergangenen Jahr wurden von den gut 50 freiwilligen Mitarbeitern (Hauer: „Der harte Kern, dazu kommen noch nach Bedarf weitere Helfer.“) mit zwei Autos rund 20.600 Mahlzeiten an bis zu 110 Essensbezieher ausgeliefert und etwa 14.000 km zurückgelegt.

Bei einer kleinen „Dienstbesprechung“ in den ersten Jänner-Tagen in Anwesenheit der Vorstandsmitglieder Hubert Hauer und Josef Wagner, galt es vier verdienstvollen Mitarbeitern für ihre Einsatzbereitschaft über Jahrzehnte hinweg zu danken. „Unsere ,Altersvorsitzende‘ Gertrude Froschauer, die heuer auf ihren 90. Geburtstag zugeht, war fast dreieinhalb Jahrzehnte dabei, mit ihr im Auto ist immer Ilse Rint, die schon vorher mitgeholfen hat, gesessen“, erinnerte Hauer. „Beide haben erklärt, dass sie aus Altersgründen nicht mehr mitmachen.“ Als Zeichen der Anerkennung für die vielen freiwilligen Dienste brachte er neben einem Blumengruß auch eine Anstecknadel vom Jugendrotkreuz mit: „Das ist ein Zeichen, dass ihr nicht nur zu Dienstbesprechungen, sondern auch bei Heurigenbesuchen gern gesehen seid.“

Und da war dann die Sache mit den Grammelknödeln …

Wie sehr sie diese Aufmerksamkeit schätzen, drückten sie in dem Satz „So einen wie den Gerhard gibt‘s sonst nirgends!“ aus und untermauerten das mit einer Begebenheit aus früherer Zeit: „Eine Kundin wollte partout das gelieferte Essen nicht, sondern bestand auf Grammelknödeln. Was hat Gerhard gemacht, als sie ihn erbost angerufen hat? Er ist ins Geschäft gefahren, hat die Knödel gekauft, daheim gekocht und sie dann persönlich gebracht.“

Um einen Schritt zurück traten auch Helga und Rudolf Starkl, die seit 1997 bzw. 2003 dabei sind. Sie stehen Hauer aber noch als „Nothelfer“ zur Verfügung …

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