Frankl erobert das Kloster. Das Kloster Pernegg will mit neuer Themenwelt Konnex zwischen „Stille“ und „Sein“ schaffen.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 24. März 2019 (05:15)
Thomas Weikertschläger
Bei der Präsentation des Frankl-Menschenbildes im Kloster Pernegg: Frankl-Experte Harald Pichler, Petra Sölle, Fastenzentrum-Geschäftsführer Klaus Rebernig, Florentina Rebernig, Pfarrer Sebastian Kreit und Grafiker Clemens Dus (von links).

Eine neue Themenwelt findet sich ab sofort im Kloster Pernegg. Gewidmet ist diese Themenwelt dem Wiener Neurologen und Psychiater Viktor Frankl, der auch als Begründer der „dritten Wiener Schule der Psychotherapie“ gilt. Die neue Themenwelt ist im alten Kreuzgang zu sehen.

Als vor bereits 25 Jahren im Kloster Pernegg das Fastenzentrum gegründet wurde, habe man „Stille vorgefunden, die hier sehr stark sei“, führte Fastenzentrum-Geschäftsführer Klaus Rebernig die Gäste bei der Präsentation der Themenwelt am 15. März in die Beweggründe für die Errichtung der Themenwelt ein. Obwohl es auch schon Ausstellungen im alten Kreuzgang, der teilweise mit moderner Architektur überbaut wurde, gegeben habe, sei man dem Kreuzgang als Zentrum des Klosters nicht gerecht geworden. Im Gespräch mit Harald Pichler, der als Frankl-Experte gilt, während dessen Fastenaufenthalt in Pernegg, sei Rebernig dann auf Frankl aufmerksam geworden. „Ich habe begonnen, seine Bücher zu lesen, auch wenn das zu Beginn nicht einfach war“, erzählte Rebernig. Dann habe man überlegt, wie man Viktor Frankl im Kloster Pernegg gerecht werden könne, „und zwar nicht der Person, sondern seinen Inhalten“, erklärte Rebernig. Daher habe man sich entschlossen, dem Menschenbild Frankls in Pernegg Raum einzuräumen.

"Sinnfrage für den Platz ist nun gelöst"

Die Verbindung zwischen Frankl und Fasten beschrieb dann Pichler. Fasten sei „sinnvoller Verzicht. Es setzt sich dadurch etwas Sinnvolles in Bewegung“, führte er aus. Durch Fasten beginne man, sich Fragen zu stellen, die man sich sonst nie gestellt hätte und finde Antworten auf Fragen, die man lange nicht gefunden habe. Das decke sich mit dem von Viktor Frankl propagierten Menschenbild, das ein dreidimensionales ist.

Neben den Dimensionen Körper – dargestellt durch den Boden und den Brunnenrand der mittelalterlichen Zisterne – und Psyche (mit Emotion, Intellekt, Verstand) – dargestellt durch Gegensatzpaare wie „schön-hässlich“, „ängstlich-mutig“ oder „stark-schwach“ im Brunnen selbst – treten in diesem Menschenbild als dritte Dimension unsere individuellen Möglichkeiten. Diese Dimension steht für diese Möglichkeiten, die „unsere eigentliche Freiheit bedeuten“, sagte Pichler.

Menschsein bedeute frei sein. Allerdings nicht ohne Bedingungen. Aber durch das Stellung beziehen zu diesen Bedingungen, die uns einschränken, könne der Mensch über sich hinaus wachsen und er selbst sein. In dieser Dimension beruhe laut Frankl unser eigentliches Selbst, unsere Einzigartigkeit und unsere Menschenwürde, sagte Pichler. Sie wird durch das kreative Design mit emporragenden, einander kreuzenden Aluminium-Stelen dargestellt. Ausgearbeitet wurde das Design übrigens von Clemens Dus, der nicht nur Designer, sondern auch ausgebildeter Logopädagoge ist.

Drei große Fragen in Kreuzgang behandelt

Im Inneren des Kreuzgangs widmet sich die Themenwelt dann drei großen von Frankl aufgeworfenen Fragen: „Was bin ich?“ „Warum ich?“ und „Was brauche ich?“

Für Pfarrer Sebastian Kreit ist mit der Themenwelt im alten Kreuzgang „etwas gemeinsames gelungen“. Schon als er vor vielen Jahren nach Pernegg gekommen sei, habe er sich in den Platz verliebt. („Ja, auch ich darf das manchmal“, meinte er dazu schmunzelnd.) Damals sei der Kreuzgang aber noch „kaputt“ gewesen, er habe alles freilegen wollen und sich schon damals die„Sinnfrage“ für den Platz gestellt, die nun zufriedenstellend gelöst sei. „Jeder Mensch passt hier her, da brauchen wir gar nicht auf die Religion eingehen“, meinte Kreit.

Mit dieser Themenwelt will das Kloster Pernegg das Thema „Sinn“ zu jenem der „Stille“ ergänzen. Der Ausspruch Frankls „Der Mensch strebt vor allen Dingen nach einem Sinn im Leben“ werde gerade in der heutigen Zeit immer bedeutsamer. „So, wie uns unser ganz persönliches ,Wozu‘ durch die Zeit des Fastens begleitet und uns stärkt, kann uns die Ausrichtung und Orientierung am Sinn auch durch die Höhen und Tiefen unseres Lebens begleiten.“