Geht mit der Tuchmachersiedlung ein Kulturgut verloren?. „Initiative Denkmalschutz“ will Tuchmachersiedlung in der Raabser Straße unter Denkmalschutz stellen.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 04. Dezember 2019 (02:43)
Der Abriss dieses Gebäudes in der Raabser Straße sorgt bei Markus Landerer und Claus Süß von der „Initiative Denkmalschutz“ für Aufregung. Sie sehen auch die Stadtgemeinde gefordert.
Oliver Fries

Die Frage, die Tuchmachersiedlung in Horn unter Denkmalschutz zu stellen, wird von der Initiative Denkmalschutz aufgeworfen. Der Grund dafür: „Dieses Wochenende wurde mit dem Abriss eines der originärsten Gebäude dieser Siedlung in der Raabser Straße begonnen“, sagt Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz. Er kritisiert, dass keines der noch erhaltenen Häuser der Tuchmachersiedlung, die Ferdinand Sigmund Graf Kurz zwischen 1652 und 1658 in der „ältesten Tuchmachersiedlung Niederösterreichs“ errichten ließ, unter Denkmalschutz stehe.

Landerer sieht daher das Bundesdenkmalamt, aber besonders die Stadt Horn gefordert, dieses „wertvolle Dokument aus der Frühzeit der Industrialisierung“ zu schützen. Die Stadt Horn sei gemäß NÖ Raumordnungsgesetz dazu berechtigt, eine eigene Schutzzone zu verordnen, die einen Abbruch dieser Gebäude untersagen könne.

NOEN

Dass das Erlassen einer solchen Schutzzone grundsätzlich möglich wäre, bestätigt auch Bürgermeister Jürgen Maier gegenüber der NÖN. So gebe es auch für die Innenstadt eine mit dem BDA abgestimmte Schutzzone betreffend der Fassaden der Gebäude. Er werde den aktuellen Fall auch als Anregung nehmen, eine solche Zone für die Tuchmachersiedlung anzudenken. Aber, so Maier: Für den aktuellen Fall liege eine Bauanzeige vor, das gewisse Mauern des betreffenden Gebäudes abgerissen werden, die rechtens sei.

Bei diesem Gebäude handle es sich um ein Privathaus, daher sei die Sache eindeutig, als Bürgermeister habe er keine Handhabe gegen den Abriss. Grundsätzlich sei die Errichtung einer Schutzzone ein „massiver Eingriff in die Eigentumsrechte der Besitzer“, stellt Maier klar. Aus dem Bundesdenkmalamt erklärt Andrea Böhm, stellvertretende Leiterin der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit, dass die Tuchmachersiedlung in Horn „sicherlich von hohem lokalem wirtschafts- und sozialgeschichtlichem Interesse“ sei. Das Haus Raabserstrasse 3 stehe aber nicht unter Denkmalschutz.

Eine Unterschutzstellung nach dem Denkmalschutzgesetz setze strenge Vorgaben voraus. „Im Zuge der Einleitung eines Verfahrens zur Feststellung des öffentlichen Interesses ist auch zu prüfen, ob ein Gebäude noch in wesentlichen Teilen unverändert erhalten ist. Das Bundesdenkmalamt geht bei seinen laufenden Unterschutzstellungen möglichst systematisch vor, ist jedoch gerne bereit Eigentümerinnen und Eigentümer, aber auch die Länder und Gemeinden in ihren Verantwortungsbereichen bei der Erhaltung unseres kulturellen Erbes zu unterstützen“, so Böhm.

Bei den schützenswerten Gebäuden handelt es sich laut „Initiative Denkmalschutz“ um eingeschoßige giebelständige Kleinhäuser mit Satteldach, die durch ein Portal mit dem Nachbarhaus verbunden sind. Obwohl die Häuser teilweise umgebaut und verändert wurden, gehen sie laut Initiative „im Kern noch auf die Kurz‘sche Gründung zurück“.

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