Immer offen: Ein Freibad wird zum Stadtsee. Die Stadtgemeinde Horn stellt erstmals das konkrete Konzept für das Freibad vor: Der Zugang wird jederzeit und ganzjährig gewährt. Das Areal wird zum Erholungsraum, das nicht nur Badegästen dienen soll. Sicherheitsbedenken haben die Bürger, wie bei der "Erst-Information" gestern Freitag (23. Juli) zu hören war, aber nicht alle sind skeptisch.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 24. Juli 2021 (15:18)
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Projektpräsentation mit Gemeindrat Klemens Kofler (FPÖ), Stadtrat Reinhard Litschauer (ÖVP), Vizebürgermeister Gerhard Lentschig (ÖVP), Stadtrat Heinrich Nagl (ÖVP) und Gemeinderat Walter Kogler-Strommer (Die Grünen).
Karin Widhalm

Die Großinvestition der Stadtgemeinde ins Freibad ist mehr als eine Frischekur, es ist ein Strategiewechsel – mit dem Namen „Stadtsee“. „Ich denke, dass wir ein Stadtviertel schaffen, dass eine Einmaligkeit hat“, erklärt Vizebürgermeister Gerhard Lentschig am Freitag (23. Juli) bei der Informationsveranstaltung im Freibad.

Der Badegast soll kein Kassahäuschen passieren und sich an Öffnungszeiten halten müssen: Er kann jederzeit, über mehrere Zugänge und das ohne Eintritt das 3,5 Hektar große Areal, das ganzjährig geöffnet sein soll, aufsuchen. Die Stadt will den Raum öffnen: Er soll zum Baden oder Sitzen beim Wasser einladen, als Park oder für Events auf der Stadtseebühne dienen, zudem wird (wie berichtet) ein Restaurant gebaut. Und: „Es wird keinen Bademeister mehr geben“, verkündet Lentschig.

Kein Bademeister, aber eine Aufsicht

Das wirft Fragen auf: „Wie stellt ihr euch das vor?“, fragt eine Zuhörerin bei der „Erst-Information“. „Ihr wisst schon, dass es vis-à-vis eine Volksschule gibt“, ergänzt eine andere Teilnehmerin, als sie hört, dass genau dort der Zaun fallen soll.

Lentschig betont die Eigenverantwortung der Menschen und verweist darauf, dass Experten des Landes NÖ „hier keine Bedenken haben“. Er fügt hinzu: „Wir werden in den ersten Jahren eine Aufsicht haben.“ Die Anlage werde zudem regelmäßig gesäubert. „Wer schützt uns davor, dass wir nicht mehr baden dürfen?“, fürchtet eine Dame, dass früher oder später ein Verbot wie Meiseldorfer Teich kommen könnte. 

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„Die Frage ist berechtigt“, sagt Lentschig. Man müsse aber „ein bisschen positiv“ an die Sache herangehen: „Überall gibt es Uferzonen, wo etwas passieren könnte.“ Er wolle das nicht bagatellisieren, aber er hoffe auf das Vertrauen der Horner, „wenn wir uns diesen Schritt trauen“. Weil die Wasserrutsche nicht unbeaufsichtigt genutzt werden darf, muss sie abgebaut werden. Der Sprungturm wird ebenso entfernt, große Steine werden aber platziert, um von dort aus ins Wasser plantschen zu können. „Wir reizen alle rechtlichen Möglichkeiten aus“, erklärt Lentschig. „Wenn etwas möglich ist, dann machen wir das.“

Damen-Duschen und der Wunsch nach Solarheizung

Rutschige Fliesen, Sichtschutz und Vorhänge: Einige Beispiele wurden in der Runde am Freitag genannt, was bei den Duschen stört. Das soll der Vergangenheit angehören, eine komplette Restaurierung ist angedacht.

„Ein Fehler“, findet eine Zuhörerin, ist, dass keine Solarheizung für den Kleinkindbereich angedacht ist. „Das Wasser wird sich aufheizen, wir haben keine aktive Beheizung vorgesehen“, erklärt Stadtrat Reinhard Litschauer. Warmes Wasser würde man sich auch für die neuen Außenduschen wünschen. Man werde schauen, so Litschauer.

Was bleib erhalten? Was darf man nicht?

Bestehen bleiben Bootsverleih und Eislaufplatz, der allerdings von der Witterung abhängig ist. Der Zugang zur Gaststätte in Badekleidung wird möglich sein. Öffentliche Grillplätze sind nicht angedacht: „Ich würde meinen, das wäre unfair der Gastro gegenüber“, führt Lentschig aus. Die Badeordnung wird Regeln festgelegen, ein Teil davon wird „höchstwahrscheinlich“ ein Hundeverbot sein: „So leid mir das für die Tierliebhaber tut.“

„Mir gefällt das Konzept“

Stefan Grusch zeigt sich am Freitag „positiv überrascht“ von dem Projekt: „Mir gefällt das Konzept“, sagt der Horner. Er sehe, dass keine Kostenreduktion angestrebt werde, sondern viel Geld in die Hand genommen werden soll. „Es wird eine große Verantwortung für die Gemeinde sein“, sagt der Bezirkshauptmann in Gmünd. „Man kann nicht alle Wasserflächen einzäunen, ein gewisses Maß an Verantwortung muss man auch den Volksschülern mitgeben.“ Er könne sich gut vorstellen, dass sie zu Schulbeginn vorbereitet werden können. „Ich als Badegast glaube, dass ich hier Spaß haben werde.“

Die konkreten Investitionskosten werden bei der Informationsveranstaltung nicht genannt. Das Projekt wird in einer Sondergemeinderatssitzung im September behandelt. Baustart ist heuer nach der Badesaison, fertig sein will man im Juni 2022. Bis dahin können Fragen gestellt und Anregungen geäußert werden – und zwar beim Infostand im Freibad (jeden Freitag bis 27. August, 17 bis 18 Uhr).

Der Plan im Detail

  • Der „Fischteich“ und Badeteich bleiben in ihrer Größe erhalten, beide werden für Schwimmer geöffnet. Die Wasserqualität soll verbessert werden. Sanfte Zugänge ins Wasser hinein sind geplant.
  • Das Restaurant wird statt dem jetzigen Buffet aufgebaut, der Beachvolleyballplatz wird dafür zurückverlegt. Plus: Holzterrasse am See, Imbiss-Kiosk
  • Eine offene Flaniermeile entsteht im Bereich des EVN-Standortes. Die Umzäunung entlang der Ferdinand Kurz-Gasse fällt, die Linden bleiben, eine „Fitnessallee“ mit Geräten kommt. Sitzstufen sind in diesem Bereich ins Wasser hinein vorgesehen. Der Zaun beim Parkplatz und bei der Raabser Straße bleibt. Mehrere Zugangsmöglichkeiten sind überall geplant. 
  • Die Stadtseebühne am Wasser soll vor dem Campus Horn stehen.
  • „Seil-Zieh-Flosse“: Die Jugend kann sich aktiv mit einem Seil und auf einem Floß übers Wasser ziehen. Der Kleinkindbereich im Wasser ist mit einem Holzsteg eingefasst und mit einem Sonnensegel bedeckt. Plus: Gatschbereich und Wasserlabyrinth.
  • Der Wasserwerkshügel kann über einen Trampelpfad zu einer Aussichtsplattform erklommen werden, eine Kunststoffrutsche führt hinunter (nicht ins Wasser).
  • Holzsofas und Hängematten werden zum Verweilen anregen. Plus: Neupflanzungen

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