Krisenzeit Für Handel: „Treue unser Kapital“. Für Bücherstuben-Inhaber Gerhard Tschugguel sind Kunden in Krisenzeit wichtigstes Kapital. Verkauf läuft online.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 24. März 2020 (10:00)
Ungewohnt am Samstag Vormittag: Der Horner Hauptplatz ist fast völlig autofrei.
Tschugguel-Tramin

Großes Lob für die Flexibilität, die die Regierung in der Krise an den Tag lege, sprach Gerhard Tschugguel, Inhaber der Horner Bücherstube, aus. Es sei positiv, dass man sich angesichts der Krise rasch vom angestrebten Null-Defizit entfernt habe und die Sozialpartnerschaft wieder an Bord geholt habe: „Dass man die Gewerkschaft plötzlich wieder als Partner wahrnimmt, ist positiv überraschend“, sagte Tschugguel. Es brauche jetzt „politisches Handeln mit Sozialbewusstsein“, das lege die Regierung derzeit an den Tag. Etwa, indem man Betrieben leichter Kredite ermöglicht oder die angebotenen Kurzarbeitszeit-Modelle.

Genauso wie für die Politik gelte es jetzt für die Betriebe, überlegt Entscheidungen zu treffen – und diese angesichts der Entwicklungen laufend zu hinterfragen. Für kleine Unternehmen wie die Bücherstube sei es zudem wichtig, dass Unternehmensführung und Mitarbeiter in einem Boot sitzen. Wichtiges Kapital für die Bücherstube sei jetzt die Treue der Kunden, die die persönliche Beratung sehr schätzen. Problematisch für die Bücherstube: Abgesehen von online und per E-Mail generiert das Unternehmen derzeit keine Umsätze, die Fixkosten bleiben aber gleich. „Wenn diese Situation über mehrere Monate geht, dann ist es sehr ungewiss, wie es dann weiter geht“, so Tschugguel. Er hofft, dass man bis Ostern sehen könne, ob der erhoffte Umkehrschwung bei den Infizierungen erreicht werde und ein Kollabieren des Gesundheitssystems verhindert werden kann.

Stolz könne man nicht nur auf die an den Tag gelegte Solidarität in der Krise sein, sondern auch auf jene Berufsgruppen wie Ärzte und Supermarkt-Mitarbeiter, die das System derzeit aufrecht erhalten. Aber auch den spirituellen Aspekt solle man nicht aus den Augen verlieren. Eine Kerze anzüngen und beten könne da helfen, denn: „Nicht nur der Körper braucht Futter, auch die Seele.“

Zu hoffen sei, dass die Krise ein Umdenken hinsichtlich Produktion in kleineren Einheiten und weg vom Neo-Liberalismus bringe: „Wir dürfen nicht nur dort produzieren, wo es am Billigsten ist“, sagte Tschugguel.