Unmut über Chor-Probe kurz vor Lockdown. Bei Probe des Kirchenchores in Horn kurz vor dem Lockdown haben sich neun Mitglieder mit Corona infiziert. Ärger über Abhaltung dieser Probe in Horn ist groß.

Von Thomas Weikertschläger. Erstellt am 11. November 2020 (05:03)
Leopold Raab: Alle Vorgaben wurden eingehalten.“
Archiv/ER

Die Horner Volksseele kocht: Für Unmut sorgt die Abhaltung einer Gesangsprobe kurz vor dem zweiten Lockdown. Damals war auf Initiative von Leopold Raab ein Chor-Experte  zu Gast in Horn, der mit den Mitgliedern des Horner Kirchenchores, aber auch Mitgliedern anderer Chöre aus der Region, gearbeitet hat. Nach diesem Treffen gab es neun Corona-Infizierte.

Es sei nicht zu verstehen, wie ausgerechnet ein Kirchenchor – wo doch gerade die Kirche derzeit von strengen Coronaauflagen betroffen ist – Angehörige einer Risikogruppe zu einer Veranstaltung, die nicht unbedingt notwendig sei, zusammenholt, sagt ein Anrufer der NÖN. Er gab seine Identität zwar preis, wollte gegenüber der Öffentlichkeit aber anonym bleiben.

Raab: „Haben uns an alle Vorgaben gehalten“

„Da werden 30 Personen älteren Semesters im Pfarrsaal zusammen gesteckt und dann wird gesungen“, ärgert sich ein anderer Horner bei seinem Anruf in der NÖN-Redaktion. Er berichtet, dass neun Mitglieder des Horner Chores „und zahlreiche weitere aus anderen Chören aus dem Waldviertel“ nach dieser Probe positiv getestet worden seien. Als „unverantwortlich“ bezeichnet ein anderer Horner die Abhaltung dieser Probe: „Da wird gerade von jedem Eigenverantwortung verlangt und dann macht man so etwas? Was denkt man sich dabei?“

Die NÖN fragte bei Organisator Leopold Raab nach, warum diese Veranstaltung abgehalten wurde. Raab erklärte, dass normalerweise 60 bis 100 Personen an Veranstaltungen wie dieser teilnehmen, diesmal sei die Zahl auf 20 reduziert gewesen. Man habe davor den Pfarrsaal genau ausgemessen. Dann seien den Personen fixe Plätze zugewiesen worden und es sei auf die Einhaltung von Abständen von zwei Metern geachtet worden. Man habe dies auch mit Fotos und Teilnehmerlisten dokumentiert. Zudem sei vor der Probe und 30 Minuten nach deren Beginn gelüftet worden. „Wir haben alle Vorgabe, die es einzuhalten gab, peinlich genau eingehalten“, sagte Raab. Zu diesem Zeitpunkt rund um den Nationalfeiertag sei eine Veranstaltung wie diese auch noch erlaubt gewesen.

„Da wird gerade von jedem Eigenverantwortung verlangt und dann macht man so etwas? Was denkt man sich dabei?“ Ein Anrufer am NÖN-Telefon

Tatsache sei, dass ihn nicht ganz eine Woche danach der Gast-Dozent informiert habe, dass er „K1-Person“ sei. Daraufhin habe man sofort den zweiten Teil der Veranstaltung abgesagt. Kurz darauf habe sich der Chorleiter wieder gemeldet und bestätigt, dass er positiv getestet sei. Dass es dann so viele positive Tests unter den Teilnehmern gegeben habe, habe ihn überrascht, so Raab. Ob der Chorleiter selbst oder ein anderer der „Spreader“ gewesen sei, könne er aber nicht sagen.