Reifschneider: „Pflege & Gesundheit ganzheitlich sehen“. Im Gespräch Andreas Reifschneider über ein großes Reformprojekt, das auf Synergie-Effekte in allen Einrichtungen Waldviertels setzt.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. August 2020 (04:38)
Andreas Reifschneider ist Chef der Klinken und Pflegehäuser.
LGA

Die Landesgesundheitsagentur (LGA) gründete für fünf Regionen eigene Gesellschaften, so auch die „Gesundheit Waldviertel GmbH“. Andreas Reifschneider aus Horn ist Geschäftsführer.

NÖN: Was ist der Grund für die Schaffung der GesmbH?

Andreas Reifschneider: Gesundheit und Pflege gehören zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Niederösterreich geht hier einen innovativen Weg und denkt, plant und steuert Gesundheit und Pflege aus einer Hand, wie es Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner formuliert hat. Das gemeinsame Dach LGA ist aktuell das größte Gesundheitsreform-Projekt der Zweiten Republik. 27 Kliniken, 48 Pflege- und Betreuungszentren (PBZ), zwei Pflege- und Förderzentren werden zusammengeführt, um die bestmögliche Versorgung sicher zu stellen.

Was ist die Aufgabe der GmbH?

Reifschneider: Die Gesundheit Waldviertel GmbH verantwortet als Teil der Landesgesundheitsagentur die regionale Planung- und Steuerung der Pflege- und Betreuungszentren und der Kliniken. Bei mehr als 2.500 Mitarbeiter als größter Arbeitgeber in der Region Waldviertel stellt dies eine höchst verantwortungsvolle Führungs- und Managementaufgabe dar. Zu den Aufgaben zählen die Umsetzung von regionalen Strategien und Zielen in der Gesundheitsversorgung und der Langzeitpflege, eine umfassende Kommunikation nach innen und außen, die professionelle Kooperation mit anderen relevanten Gesundheitseinrichtungen in der Pflege und im Reha- und Kurbereich.

Welches Ziel verfolgen Sie als Geschäftsführer?

Reifschneider: Es geht zum einen um die Fortsetzung des Weges der seit Jahren eingeleiteten Schwerpunktbildung in den Kliniken des Waldviertels, in enger Zusammenarbeit nun auch ganz besonders mit den PBZs. Zum anderen sollen mutig neue Wege beschritten und zusätzliche Potenziale entwickelt werden.

Als erstes positives Beispiel sind die mit Ende letzten Jahres begonnenen Projekte mit den PBZs und Kliniken unter dem Arbeitstitel „Synergien durch Zusammenarbeit“ erwähnenswert. Die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und der interdisziplinäre Austausch und Informationsfluss zwischen den Einrichtungen sind sehr vielversprechend angelaufen und haben in den vergangenen Monaten der Covid-Krise bereits deutlich gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was bedeutet das für den Patienten konkret?

Reifschneider: Pflege und Gesundheit werden ganzheitlich gedacht und gesteuert. Der Zusammenschluss und die regionale Steuerung sollen unter anderem auch den Vorteil bringen, die Grenzen zwischen der Akutversorgung und dem stationären Pflegebereich noch weiter zu öffnen. Ein nach außen einfach wirkendes, aber mit vielen rechtlichen und technischen Herausforderungen verbundenes Thema ist etwa der Daten- und Informationsfluss zwischen den Einrichtungen. Für die Bewohner und Patienten müssen bei einer Transferierung zwischen den Einheiten die notwendigen medizinischen und pflegerischen Informationen unter Einhaltung aller Vorgaben umgehend verfügbar sein, um die Versorgung bestmöglich sicherstellen zu können.

Dies kann unter einem gemeinsamen Dach und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit der Gesundheitseinrichtungen deutlich einfacher gewährleistet werden.