Weltfrauentag: Das Bild der Frau - kritisch betrachtet

Erstellt am 04. März 2022 | 04:51
Lesezeit: 5 Min
In ihrem Song „Teilzeit Feminist“ will „Nelavie“ aus Horn auf viele „blinde Flecken“ im Kampf um die Gleichberechtigung hinweisen.
Werbung

Der „Internationale Frauentag“ wird weltweit am 8. März begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Das Thema „Frauenrechte“ griff auch die im Bezirk Horn aufgewachsene Singer/Songwriterin Magdalena Fibich „Nelavie“ in ihrem Song „Teilzeit Feminist“ auf. Im NÖN-Interview spricht die Musikerin und Unternehmerin über ihre Motivation.

NÖN: Was bedeutet der Weltfrauentag für Sie?

Magdalena Fibich: Gerade an einem Tag wie dem Weltfrauentag wird Feminismus oftmals als Etikett verwendet und wir meinen, so „großartige Feministinnen zu sein“ wo dennoch so viele eigene blinde Flecken verborgen bleiben. Da könnten wir alle noch viel mehr hinterfragen und reflektieren.

Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der heutigen Zeit?

Fibich: Kritisch: Denn ich denke, es gibt viele Rollen, die Frauen einnehmen. Gleichstellung bedeutet nicht, dass wir versuchen, alles gleich zu machen, sondern die gleichen Möglichkeiten und Wertschätzungen dafür zu bekommen. Feminismus, Emanzipation sind so große Schlagwörter in Politik, Arbeitswelt und auf der Straße. Was mich in meinem Song „Teilzeit Feminist“ beschäftigt ist - wie gehen wir damit ganz im Privaten um? Innerhalb einer Beziehung, einer Freundschaft oder Flirt? Wenn man nicht einfach aus der Tür gehen, die Person meiden möchte? Wo sind unsere „blinden Flecken“ im Alltagsfeminismus?

Wie sehen Sie den Wandel des Frauenbildes, speziell auch in der Musikbranche?

Fibich: Musik wird schnell romantisiert – es ist aber immer noch ein Business – das Musikbusiness. Wir werden einerseits dauernd mit der Frage konfrontiert, „ob wir davon leben können“ – sprich, unser Wert über das Kapital, das wir damit einnehmen, bestimmt – und gleichzeitig soll immer der Schein einer nicht-kommerziellen Leidenschaft entstehen. Authentisch soll man sein - etwas was so einfach zu sein scheint, ist oft ein schwieriger Spagat zwischen Kunst und Vermarktung.

Würden Sie sich selbst als Feministin bezeichnen ?

Fibich: Feministin ist man nicht, indem man es einmal behauptet. Es ist eine Bewegung, die darauf aufbaut, sich gegenseitig zuzuhören, das eigene Handeln zu reflektieren (unabhängig vom Geschlecht). Wir sind alle von der Gesellschaft geprägt, von heteronormativen Rollenbildern – wo fängt man da selbst an und wo hören die anderen auf? Veränderung ist nicht bequem aber die einzige Möglichkeit weiter zu kommen. Die große Schwierigkeit dabei, ist, dass Kritik schnell an unserem Ego kratzt.

Welche Nachricht möchten Sie dem Zuhörer mit Ihrer Musik vermitteln?

Fibich: Intensive Gespräche machen mich ein Stück weit aus, und so denke ich auch meine Musik. Denn mit Gesang und minimalistischer Begleitung, lässt es einen Raum offen, in dem ich die Zuhörer direkt ansprechen kann. Ich schreibe Geschichten über die täglichen Fragestellungen, Aufgaben, mit denen wir ringen. So zeigt sich, dass wir mit „eigenen“ Problematiken und Themen oft gar nicht so allein sind, wie wir denken. Die Kunst lässt es dabei zu, Emotionen auszudrücken und zu verarbeiten. Verschachtelungen von Sätzen und Reimen – daraus Metaphern, Bilder und Narrative zu formen – machen sich selbstständig bei mir.

Wie wichtig ist es Ihnen, Ihre Musikvideos unter eigener Regie zu produzieren?

Fibich: Ich möchte gerne mehr mit Frauen in der Produktion zusammenarbeiten. Mein Musikvideo zu „Teilzeit Feminist“ habe ich gemeinsam mit einer aufstrebenden Filmemacherin (Daniela Jud) umgesetzt, bei dem ich die Regie und Creative Direction übernommen habe. Es hat mich allerdings erschreckt, wie schwierig es war, eine Videografin zu finden. Das zeigt, wie unterrepräsentiert Frauen in der Branche sind, und wie viel wir hier an Sichtbarkeit noch zu erkämpfen haben.

Wurde Ihnen in Ihrer Kindheit noch das „klassische“ Rollenbild Mann-Frau vermittelt?

Fibich: Ich habe von meinen Eltern immer einen weiten und reflektierten Blick auf die Welt mitgegeben bekommen. Musik war auch immer schon Teil meines Lebens. Mein Vater ist Musiker, mein Großvater war hauptberuflich Jazzmusiker. Ich habe dadurch nicht nur Einblick bekommen, wie es ist, auf der Bühne zu stehen, sondern auch in die Arbeit dahinter.

War für Sie immer klar, dass Ihr Weg Sie auf die Bühne führt oder gab es auch andere Berufsvorstellungen?

Fibich: Nach meiner Matura in Horn, ging ich nach Wien, wo ich mit Auszeichnung in Schauspiel, Tanz und Gesang abgeschlossen habe. Seit 2017 bin ich als Singer-Songwriterin „Nelavie“ unterwegs. Als zweiten Beruf unterstütze ich Unternehmerinnen dabei, mehr Sichtbarkeit zu erlangen. Das Unternehmertum ist immer noch stark männlich geprägt.

Gibt es bereits Termine, wo man Sie in nächster Zeit live sehen kann?

Fibich: Ich arbeite gerade an meiner EP (Anm. d. Red.: extendes play = Tonträger). Mein nächstes Konzert spiele ich Ende März in Dänemark, da mein Songtext zu „Teilzeit Feminist“ in einem dänischen Schulbuch Verlag veröffentlicht wurde, um sich über Feminismus zu unterhalten. Danach folgen Konzerte in Wien.

Weiterlesen nach der Werbung