„Hotwater Challenge“: Feuerwehren droht Rufschaden. Bezirkskommandant Christian Angerer warnt: „Könnten Vertrauensbonus verlieren!“

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 20. Dezember 2017 (05:13)
Fotolia
Helden im Kampf gegen Feuer und andere Gefahren: So sehen die meisten Menschen die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren. Bild: Fotolia

Für die einen ist es ein Spaß, die anderen sorgen sich um den guten Ruf der Feuerwehren: Auch mehrere Feuerwehren aus dem Bezirk Horn haben sich an der „Hotwater Challenge“ beteiligt.

Shutterstock/KieferPix
Seit vielen Jahren kämpft die Feuerwehr gegen den Ruf, besser im „Durstlöschen“ als im Löschen zu sein, an. Foto: Shutterstock/KieferPix

Was versteht man unter „Hotwater Challenge“? Die nominierten Gruppen müssen gemeinsam im Wasser grillen. Auf welche Art und Weise, ist in diesem Fall nicht von Bedeutung. Die „Feuerstelle“ muss im Wasser sein.

Dass bei vielen Wehren im Anschluss an einen solchen „Einsatz“ Bier in Strömen floss (in einem Film aus OÖ fallen sogar zwei FF-Männer betrunken in einen Löschteich), stößt Verantwortlichen sauer auf.

Im Bezirk Horn, wo etwa die Wehren Mold, Rosenburg, Poigen und Stoitzendorf dabei waren (die letzteren beiden fuhren sogar verbotenerweise mit Blaulicht aus!), hat das Kommando dem Treiben einen Riegel vorgeschoben. Die NÖN sprach mit FF-Bezirks-Chef Christian Angerer.

Wie stehen Sie zur „Hotwater Challenge“ der Feuerwehren?

Angerer: Wir haben seitens des Bezirksfeuerwehrkommandos reagiert, als die ersten derartigen Veranstaltungen aufgekommen sind. Es ist aus meiner Sicht nicht notwendig, dass wir uns als Feuerwehren in dieser Art und Weise der Öffentlichkeit präsentieren. Wir können uns nicht zuerst zum Affen machen und dann anklopfen und um eine Spende bitten.

Was wurde konkret getan?

Wir haben ein Schreiben an alle Feuerwehren des Bezirks Horn verfasst, in dem wir unmissverständlich darauf hingewiesen haben, dass die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen zu unter lassen ist.

„Ich glaube nicht, dass die Feuerwehren das noch machen“

Können Sie das anordnen, oder dürfen die Kommandanten selbst entscheiden, ob sie mitmachen?

Es gibt eine Dienstaufsicht durch den Bezirkskommandanten. Wenn Tätigkeiten gesetzt werden, die dem normalen, vorgeschriebenen Feuerwehrablauf zuwiderlaufen, dann kann der Bezirkskommandant entsprechend eingreifen.

Archiv (NÖN), Martin Kalchhauser
FF-Bezirkschef Christian Angerer: „Spaß sollte bei der Feuerwehr in einem gewissen Rahmen stattfinden!“

Gibt es Sanktionsmöglichkeiten?

Ich glaube nicht, dass die Feuerwehren das noch machen nach unserer Aussendung. Denn wir haben einen engen, guten Bezug zu den einzelnen Wehren. Alles, was passiert ist, ist vor unserem Schreiben passiert. Danach hat keine Feuerwehr mehr teilgenommen.

Gibt es da Ihrer Meinung nach ein Einsehen, oder machen andere Feuerwehren nur aus Disziplin nicht mehr mit?

Bei den vergangenen Kommandantentagungen wurde das Thema angesprochen, und wenn ich durch die Reihen schaue, habe ich keinen gesehen, der mein Anliegen nicht verstand. Unsere Kommandanten interessiert natürlich schon: Wie wird mir das vermittelt? Und vielleicht hat der, der mit seinen Kollegen teilgenommen hat, auch gar nicht an die Folgen gedacht. Die Assoziation „Feuerwehr & Bier“ ist jedenfalls nicht positiv.

„Ich bin der Letzte, der eine sogenannte „Spaßbremse“ ist“

Was würden Sie dem Vorwurf entgegnen, der FF-Bezirkschef sei eine „Spaßbremse“?

Ich bin der Letzte, der eine sogenannte „Spaßbremse“ ist. Aber ich glaube, Spaß sollte in einem gewissen Rahmen stattfinden – und vor allem nicht unbedingt mit Einsatzgerätschaften, die wir ja von der öffentlichen Hand finanziert bekommen.

Warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

Weil wir großes Vertrauen in der Öffentlichkeit genießen. Und ich glaube, dass wir uns dieses Vertrauensvotums auch entsprechend würdig erweisen müssen. Das ist ein Auftrag der Bevölkerung an die Feuerwehr: Wir vertrauen euch, erwarten uns aber auch, dass die Feuerwehr entsprechend gute Arbeit leistet. Sachen wie die „Hotwater Challenge“ haben wir als Feuerwehr einfach nicht notwendig.

Ihre eigene Feuerwehr Eggenburg hat nicht teilgenommen?

Wir haben eine Einladung bekommen, aber für uns war klar, dass wir diese nicht annehmen und nicht teilnehmen.

Umfrage beendet

  • Muss die Feuerwehr um ihren Ruf besorgt sein?