Radlfahren ist im Bezirk Horn beliebt wie nie. Urlaubsgeld fließt dank Corona in den Kauf eines neuen Tret-Esels. Die „Fröhlichen Radler“ vermissen aber Gemeinschaftstouren.

Von Karin Widhalm und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 07. April 2021 (04:54)
Oswald Riederer (Mitte) gehört zu den Kunden von Manfred Winkelmüller und Fritz Obenaus (von links). In „Mandys Fahrradwerkstatt“ in Horn boomt der E-Bike-Verkauf nicht nur 2020, sondern auch 2021.  
Eduard Reininger

Corona zwingt die Menschen, sich zurückzuziehen, – und keine großartigen Reisepläne über die Grenze hinaus zu treffen. Das wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die Dynamik in der Region aus und hat einen regelrechten Radfahrboom ausgelöst, der seit März 2020 anhält. Die Branche hatte kurz vor dem Lockdown und nach dem spürbaren Temperaturanstieg alle Hände voll zu tun.

Dominik Wammerl, Leiter der Intersport-Filiale im Einkaufszentrum Horn, hatte mit seinem Team viele Kunden zu betreuen. Laufschuhe sind bevorzugt gekauft worden – und Fahrräder. „So groß wie nie“ ist das Kaufinteresse an dem Produkt, „jedes dritte ist ein E-Bike“. Das Urlaubsgeld fließe in das Gefährt, damit in der Heimat Touren gemacht werden können. „Die Nachfrage ist seit 2020 eklatant gestiegen.“

„Man braucht auf alle Fälle eine gute Beratung, wenn man sich nicht auskennt.“Manfred Winkelmüller gibt Tipps zum Radkauf

Alfred Greill erzählt, wie sich Corona auf die Fröhlichen Radler auswirkt.
privat

Das kann Manfred Winkelmüller, der in Horn „Mandys Fahrradwerkstatt“ führt, nur bestätigen. „90 Prozent sind E Bikes, das ist sehr gestiegen. Corona hat das bis zum Geht-nicht-mehr angekurbelt.“ Der Reiz liege auf der Hand: „Man plackt sich nicht so viel, wenn man das E-Bike beherrscht. Viele Junggebliebene fahren damit.“ Die jüngere Generation greife eher zum Rad, das im sportlichen Bereich angesiedelt ist.

Worauf achten, wenn man einen Tret-Esel erwerben will? „Man braucht auf alle Fälle eine gute Beratung, wenn man sich nicht auskennt“, betont Winkelmüller. „Im Internet kann es sein, dass man betrogen wird, aber es gibt auch einen guten Online-Handel.“ Er habe erst in der Vorwoche einen Kunden betreut, dessen „Internet-Rad“ zwar „vollkommen okay“ war, aber sein Geld nicht wert gewesen sei. „Ich hätte ein höherwertigeres Rad um denselben Preis gehabt.“

Der Fachhandel achtet darauf, das ideale Gefährt zu finden: Die Rahmengröße, gemessen an Schrittlänge und Körpergröße, ist dabei wichtig. Die Frage wird gestellt, auf welchem Untergrund gefahren wird, welche Distanzen zurückgelegt werden und wie viel man investieren will. „Aufpassen muss man beim Kauf eines E-Bikes, dass Akku und Motor keine Noname-Marke sind“, ergänzt Wammerl. Das Problem: Ersatzteile seien oft nicht zu bekommen.

Dominik Wammerl: „Die Nachfrage ist seit 2020 eklatant gestiegen.“
Reininger

Weckt man das Rad aus dem Winterschlaf, sind die Kontrolle der Reifen, Bremsen, geölten Ketten, zudem eine kurze Prüfungsfahrt zu empfehlen. „Oder man geht in den Fachhandel“, weist Winkelmüller darauf hin, dass Rad-Checks durchaus angeboten werden. Und dann kann’s losgehen, zum Beispiel auf Radwegen des Bezirks.

Einer davon wird gerade diskutiert: der Kamp-Thaya-March-Radweg (die NÖN berichtet laufend, aktuell auf Seite 19). Drosendorf-Zissersdorf versucht indes, mit einem Rad- und E-Bike-Verleih den Anschluss an den immer stärker frequentierten Radweg „Thayarunde“ im Bezirk Waidhofen zu schaffen. Die boomende Radfahrlust kann aber durchaus getrübt sein, wenn man sich das Vereinsleben der „Fröhlichen Radler“ aus Horn ansieht.
Corona hat die Mitglieder hart getroffen, seit geraumer Zeit sind keine wöchentliche Montagsausfahrt und keine monatliche Sonntagsausfahrt möglich. Das setze schon zu, wie Präsident Alfred Greill schildert. „Schließlich sind wir ein Verein, bei dem es neben dem Sport auch um die Geselligkeit geht.“ Er hofft, dass die Ausfahrten demnächst möglich sein werden, für Juni ist ein dreitägiger Ausflug ins Burgenland geplant.

Die Kegel-Saison der Radfreunde fiel aus, die Generalversammlung wurde in den Herbst verschoben, aber man hält sich über „WhatsApp“ am Laufenden. Positiv sieht Greill, dass von den knapp 80 Mitgliedern – davon sind die Hälfte aktiv – seines Wissens noch niemand an Corona erkrankt ist. „Wir sind gesundheitsbewusst, halten uns an die Vorgaben.“ Er hofft, dass „bei der Impfung endlich etwas weitergeht“.

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