Ein Zeitzeuge im Horner Gymnasium. Der 85-jährige Karl Leister erählte über seine Kinderheit am Wiener „Spiegelgrund“.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 03. Februar 2020 (08:11)
Zeitzeuge Karl Leister wurde von Ex-Vizekanzler Wolfgang Brandstetter ans Horner Gymnasium begleitet, wo sie von Direktor Michael Ableidinger (3.-5.vl.), Organisatorin Doris Mayer und den beiden Klassensprecher Peter Pressl (8b, links) und Paul Gräff (8a, rechts) willkommen geheißen wurden.
Gymnasium Horn

Der 85-jährige Karl Leister aus Eggenburg besucht am 27. Jänner, dem 75. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge aus dem KZ Auschwitz-Birkenau, die Schüler der achten Klassen des Gymnasiums. Im Geschichtsunterricht waren zuvor die Themen „Euthanasie“ und „Rassenwahn im Nationalsozialismus“ erarbeitet worden auf Initiative von Professorin Doris Mayer.

Äußerst inmteressierte Zuhörer waren die angehenden Maturanten Ahmad Alhamwi , Anna Schuhäker, Daniel Möth und Helena Löffler (von links).
NOEN

In Begleitung des ehemaligen Justizministers und Vizekanzlers Wolfgang Brandstetter, der das Gespräch moderierte, erzählte Leister von seiner Kindheit am Spiegelgrund, einer Jugendfürsorgeanstalt auf der Baumgartner Höhe in Wien. Dort waren von 1940 bis 1945 verwaiste, kranke, behinderte und sogenannte „nicht erziehbare“ Kinder und Jugendliche untergebracht. In der sogenannten „Kinderfachabteilung“ wurden 800 Kinder und Jugendliche zu Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns.

Berührender Vortrag über Kindheits-Erlebnis

In einem berührenden Vortrag erzählte Karl Leister von den Stationen seiner Kindheit und seiner späteren Jugend in Eggenburg. Die Schüler, die gebannt zuhörten, konnten so ihr Wissen aus den Geschichtsbüchern mit einem persönlichen Schicksal verknüpfen. Der 85-Jährige beeindruckte die Schüler durch seine Erzählungen, aber auch seinen Optimismus und seine Wissbegierde. Als Polizist versah Karl Leister übrigens am 15. Mai 1955 seinen Dienst im Belvedere, als dort der Staatsvertrag unterzeichnet wurde.

Wolfgang Brandstetter vermittelte den Jugendlichen die Wichtigkeit der Grundgesetze zum Schutz des Einzelnen und des Verfassungsgerichtshofes als maßgeblicher Institution des Rechts in Österreich. Dies erläuterte er anschaulich am Beispiel von Bundespräsident Wilhelm Miklas, einem ehemaligen Direktor des Gymnasiums Horn. Besonders wohl fühlte sich der Ex-Vizekanzler, weil er in seinem ehemaligen Klassenzimmer unterrichten durfte, in dem er 1976 maturiert hatte.